Nesselsuchttherapie: Endlich hat das Kratzen ein Ende

Silke Dargel (48) aus Herten hat sich so manche Nacht blutig gekratzt: Ihre Haut war immer wieder mit Quaddeln übersät, die stark juckten. Kein Arzt konnte ihren Hautausschlag richtig diagnostizieren, sie bekam Medikamente verschrieben, die nicht halfen. Erst nach zwei Jahren erfuhr sie in einer Klinik, dass sie an chronischer Nesselsucht leidet. Dank einer speziellen Injektionstherapie hat das Kratzen heute ein Ende.

„Es wurde so schlimm, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe“

Vor rund vier Jahren trat die Nesselsucht zum ersten Mal bei Silke Dargel auf. Zunächst waren nur die Hände betroffen, ihre Hausärztin vermutete eine allergische Reaktion. „Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Probleme mit Allergien“, erinnert sich Silke Dargel. Doch weder das verschriebene Antiallergikum noch Silke Dargels verändertes Verhalten konnten helfen. „Ich habe ein anderes Waschmittel benutzt und meine Pflegeserie gegen parfumfreie Produkte ausgetauscht“, schildert die 48-Jährige ihre Suche nach der Ursache. Nach wenigen Wochen bemerkte Silke Dargel erneut Quaddeln. Diesmal traten sie am gesamten Körper auf und juckten heftiger als zuvor. „Also bin ich zu einer Hautärztin gegangen“, erzählt die Hertenerin. „Wieder wurde eine allergische Reaktion diagnostiziert und wieder habe ich Antiallergika verschrieben bekommen.“ Für kurze Zeit konnten die Medikamente den Hautausschlag eindämmen. Doch die hässlichen, juckenden Quaddeln kamen immer wieder. Silke Dargel wollte nicht jedes Mal zum Arzt gehen, „aber dann“, so berichtet die Assistentin der Personalentwicklung, „wurde es so schlimm, dass ich es nicht mehr ausgehalten habe, weil ich mich in der Nacht teilweise blutig gekratzt habe.“

Wie äußert sich Nesselsucht?

In der Uniklinik Essen konnten die Ärzte die richtige Diagnose stellen: Nesselsucht. In der Fachsprache wird die Erkrankung auch Urtikaria genannt, nach dem lateinischen „Urtica“ für Brennnessel. Denn die Symptome gleichen einer Berührung mit der Pflanze: Die Haut rötet sich, es bilden sich mit Wasser gefüllte Erhebungen, die stark jucken.

Erst eine Injektionstherapie mit Omalizumab konnte helfen

Die Ärzte der Uniklinik verschrieben Antiallergika in vierfach erhöhter Dosis, die Ursache für das Leiden fanden sie trotz gründlicher Untersuchungen nicht. Und die hochdosierten Medikamente erfüllten nicht ihren Zweck. „In meiner Not habe ich dann noch mal eine andere Klinik aufgesucht“, so Silke Dargel. Die Injektionstherapie, die sie dort bekam, stellte die erste wirksame Behandlung ihrer Nesselsucht da. Die Injektionstherapie, bei welcher Ärzte Antikörper unter die Haut spritzen, ist relativ neu. Dr. Christian Tigges, leitender Oberarzt der Dermatologie an der Helios St. Elisabeth Klinik in Oberhausen, erklärt: „Der darin enthaltene Wirkstoff namens Omalizumab bindet gezielt einen Eiweißstoff namens .“ So würden genau die Zellen im Körper blockiert, die Nesselsucht auslösen.

Die Antikörperinjektionen kommen erst dann zum Einsatz, „wenn alle anderen Therapien versagen“, so Dr. Christian Tigges. Die Erfolgsquote der Therapie liege bei über 80 Prozent. Bei Silke Dargel war die Nesselsucht durch die Spritzentherapie nach einer Woche komplett abgeklungen. Anfangs wurden die Antikörper alle vier Wochen gespritzt, „mittlerweile benötige ich sie nur noch alle sechs bis sieben Wochen“, freut sich die Patientin. Sie hofft, die Injektionen bald gar nicht mehr zu benötigen und trotzdem wieder ohne Jucken und Kratzen leben zu können.

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