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Pflegereform 2020 – Was sich in der Pflege alles ändern soll

Seit dem 1. Januar 2020 gilt die neue Pflegereform. Damit wurde die Ausbildung für Pflegeberufe komplett reformiert. Wie gestaltet sich die Pflegeausbildung ab 2020? Was bedeutet die Reform für diejenigen, die ihre Ausbildung bereits begonnen haben? Und was ist das Ziel des neuen Ausbildungskonzepts? Wir zeigen, was es mit der Pflegereform 2020 und der generalistischen Pflegeausbildung auf sich hat.

Warum eine Reform längst überfällig war

Mit dem Jahreswechsel 2019 auf 2020 hat sich im Bereich der Pflege einiges grundlegend geändert. Die Neuregelungen in Gesundheit und Pflege sehen nicht nur eine schnellere Vergabe von Arztterminen über die Terminservicestellen vor – auch für Auszubildende wird sich einiges ändern.

In den letzten Jahren geriet die Pflegeausbildung immer wieder heftig in Kritik. Eine zu geringe Wertschätzung von Pflegefachkräften war nur einer der Gründe, warum der Pflegebereich komplett reformiert wurde. Weil der Berufsalltag in der Pflege ganz unterschiedlich aussehen kann, wurde das Pflegeberufegesetz reformiert. Demnach sollen die Bereiche Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege nicht mehr von Anfang an voneinander strikt getrennt werden. Passend zur Zusammenführung der einzelnen Bereiche wurde ein neuer Begriff geschaffen: generalistische Pflegeausbildung.

Ziel der Reform: Erhöhung der Ausbildungszahlen

Die generalistische Pflegeausbildung stellt eine Modernisierung der Pflege dar und soll dazu beitragen, den Pflegeberuf attraktiver zu gestalten. Hierfür traten mit Beginn des Jahres 2020 vielfältige Änderungen in Kraft. Zuvor hagelte es immer wieder Kritik: Weil Männer und Frauen dank einer verbesserten medizinischen Versorgung immer älter werden und dadurch auch der Bedarf an Pflegekräften steigt, zeichnet sich früher oder später ein Pflegeengpass ab. Um diesen zu verhindern, müssten sich mehr junge Menschen dafür entscheiden, eine Ausbildung zur Pflegekraft zu absolvieren. Doch dieser notwendige Schritt wird nicht gelingen, wenn die Attraktivität von Pflegeberufen nicht steigt.

Welche Änderungen bringt die neue Reform mit sich?

Um Pflegeberufe attraktiver zu gestalten, sieht die Pflegereform 2020 nicht nur eine Veränderung der Ausbildungsinhalte vor. Auf Auszubildende warten noch weitere Änderungen, wie zum Beispiel eine finanzielle Unterstützung. Wir zeigen, auf welche Änderungen sich Auszubildende im Detail freuen können.

1. Zusammenführung der Pflegeausbildungen

Bisher wurden die Bereiche Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege während der Ausbildung strikt voneinander getrennt. Mit dem 1. Januar 2020 wurden die bislang getrennten Pflegeausbildungen nun zu einer neuen einheitlichen und übergreifenden Ausbildung zusammengeführt. In den ersten beiden Ausbildungsjahren erhalten Azubis eine gemeinsame, generalistisch ausgeprägte Pflegeausbildung. Im dritten Ausbildungsjahr besteht eine Wahlmöglichkeit. Jeder kann entscheiden, ob er weiter den generalistischen Abschluss anstreben und "Pflegefachfrau/Pflegefachmann" werden oder einen anderen Berufsabschluss erwerben möchte. Zur Wahl stehen die Berufsabschlüsse "Altenpfleger/in" und "Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in". Wer sich für den generalistischen Abschluss entscheidet, kann später in allen Pflegebereichen arbeiten. Außerdem ist der Abschluss "Pflegefachfrau/Pflegefachmann" EU-weit anerkannt. Das gilt für die Abschlüsse "Altenpfleger/in" und Gesundheits- und Krankenpfleger/in" nicht.

2. Ausbildung wird kostenlos

Mussten Auszubildende im Pflegebereich bislang selbst für die Kosten ihrer Ausbildung aufkommen, ist dies ab 2020 nicht mehr der Fall. Die Pflegeausbildung ist dann kostenlos und wird über gemeinsame Ausbildungsfonds der Länder finanziert. Dies garantiert bundesweit eine qualitätsgesicherte und wohnortnahe Ausbildung. Darüber hinaus haben Auszubildende nun einen Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung.

Indem das Schulgeld wegfällt und eine Ausbildungsvergütung gezahlt wird, soll jedem unabhängig von den Finanzen ein barrierefreier Zugang zur Pflegeausbildung ermöglicht werden.

3. EU-weite Anerkennung

Weil die generalistische Pflegeausbildung in den EU-Mitgliedsstaaten automatisch anerkannt wird, haben Pflegefachkräfte fortan die Möglichkeit, ihren Job ins EU-Ausland zu verlagern. Für die Berufsabschlüsse in der Altenpflege und Kinderkrankenpflege findet keine automatische Anerkennung statt. Allerdings kann im Rahmen einer Einzelfallprüfung eine Anerkennung stattfinden.

4. Einführung von Pflegestudium

Wer sich für den Pflegebereich interessiert, kann ab sofort nicht mehr nur eine Ausbildung an einer Pflegeschule machen, sondern auch studieren. Hierfür wurde an Hochschulen ein berufsqualifizierendes Pflegestudium eingeführt. Dieses schließt nach mindestens drei Jahren mit dem akademischen Bachelor-Grad ab.

Die Einführung des Pflegestudiums soll den Transfer von pflegewissenschaftlichem Wissen in die Pflegepraxis unterstützen. So wird die Pflege auf den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik gebracht. Darüber hinaus wird eine weitere Zielgruppe angesprochen und Pflegefachkräfte können in Zukunft interessante Aufstiegsmöglichkeiten nutzen.

Nach zwei Dritteln der Ausbildung findet eine Zwischenprüfung statt. Bei dieser soll der Ausbildungsstand ermittelt werden. Zwar ist ein Bestehen der Prüfung nicht erforderlich um die Ausbildung fortzuführen. Allerdings kann sich das erfolgreiche Ablegen der Prüfung durchaus lohnen. Schließlich können die in der Zwischenprüfung festgestellten Kompetenzen im Rahmen einer Pflegeassistenz- oder Pflegehelferausbildung anerkannt werden.

Es gibt auch einige Regelungen, die sich durch die Pflegereform nicht verändert haben. Auszubildende sollen weiterhin die Möglichkeit haben, nicht nur umfangreiches theoretisches Wissen zu erwerben. Durch die gezielte praktische Anleitung wird jeder optimal auf den Pflegealltag vorbereitet. Die Aufteilung in 2.100 Stunden für den theoretischen und 2.500 Stunden für den praktischen Unterricht soll erhalten bleiben.

Übergangsregelung für bereits begonnene Ausbildungen

Für alle, die ihre Ausbildung in der Altenpflege sowie in der Gesundheits- und (Kinder)Krankenpflege vor dem 1. Januar 2020 angefangen haben, gilt eine Übergangsregelung. Bis zum 31. Dezember 2024 können die Auszubildenden ihren Abschluss auf Grundlage der bisherigen Gesetzgebung (Altenpflegegesetz bzw. Krankenpflegegesetz) machen. Somit gelten bis 2024 nicht nur die Regelungen aus dem neuen Pflegeberufegesetz, sondern auch die jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen des Vorgängergesetzes.

Welche Voraussetzungen gelten für Generalisten-Ausbildung?

Für den Erwerb der Berufsbezeichnung "Pflegefachmann/Pflegefachfrau" werden insgesamt drei Jahre in Schulen und verschiedenen Einrichtungen gelehrt. Aber welche Voraussetzungen gelten eigentlich für die generalistische Pflegeausbildung?

Um "Pflegefachmann" oder "Pflegefachfrau" werden zu können, müssen folgende formale Voraussetzungen erfüllt werden:

ein mittlerer Schulabschluss ODER

eine erfolgreich abgeschlossene zehnjährige allgemeine Schulbildung ODER

ein Hauptschulabschluss mit erfolgreich abgeschlossener mindestens zweijähriger Berufsausbildung ODER eine Assistenz- oder Helferausbildung in der Pflege von mindestens einjähriger Dauer

sowie ausreichende Deutschkenntnisse in Wort und Schrift

Die Zukunft der generalistischen Pflegeausbildung

Mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung wurde der inhaltlich starken Überschneidung von Alten-, Kinder- und Kinderkrankenpflege Rechnung getragen. Ob die neue Ausbildungsgestaltung bleiben wird, hängt von ihrem Erfolg ab.

Sechs Jahre nach Beginn der neuen Pflegeausbildung soll geprüft werden, ob der generalistische Abschluss unter den Auszubildenden auf Zustimmung stößt. Je nachdem, wie viele Auszubildende bis 2026 den generalistischen Abschluss gewählt haben, entscheidet der Bundestag darüber, ob die Abschlüsse Altenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege bestehen bleiben oder nicht.

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