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Abbildung 1: Vor weit über 100 Jahren forderten Feministinnen "Freie Liebe". Heute ist vieles erlaubt, was vor zehn Jahren noch undenkbar war. Polyamorie erlaubt die Liebe zu mehreren Menschen. Als Vertreterin der Sologamie heiratete Laure Mesi sich selbst.

Polyamorie und andere Trends in punkto Liebe und Erotik

Diskussionen um die in Deutschland strafrechtlich verbotene Bigamie dominieren aktuell die Medien.

An Brisanz hat das Thema gewonnen, als an die Öffentlichkeit kam, dass Asylbewerbern im Kreis Pinneberg erlaubt wurde, ihre Zweitfrauen samt Kindern als „“ nachzuholen. Dabei ist die Bigamie laut in Deutschland verboten. Straffreiheit versprechen hingegen zumindest die meisten der folgenden Trends in punkto Liebe und Erotik.

Polyamorie. Die Liebe zu zwei (oder mehr) Menschen gleichzeitig

Es ist der Stoff aus dem Filme gemacht werden: Polyamorie. Auf Deutsch: Die Liebe zu zwei (oder mehr) Menschen gleichzeitig, die sich ganz einfach aus dem Griechischen „poly“ für „viel“ und dem Lateinischen „amor“ für „Liebe“ ableiten lässt. Wer einen detaillierten Blick auf die Definition der Polyamorie wirft, der erkennt, dass es dabei nicht etwa ums Fremdgehen geht. Es geht auch nicht darum, dass ein Mensch zwischen der Liebe zu zwei Personen hadert. Es geht um die erfüllte Liebe, die nicht nur auf einen Menschen gerichtet ist, sondern auf unterschiedliche Personen. Erlaubt sind Liebe, Sex und Zärtlichkeit. Die Voraussetzung dafür ist jedoch, dass alle Beteiligten Bescheid wissen. Obgleich die gesellschaftliche Anerkennung der Polyamorie noch gering ist, haben sich Anhänger ein Set an Werten und Regeln auferlegt und sind sogar in der Öffentlichkeit mit einem eindeutigen Symbol vertreten.

  1. Ehrlichkeit, Respekt, Treue, Kommunikation, Verbindlichkeit sowie die Abkehr von besitzergreifendem Verhalten sind die Grundwerte, denen sich die Polyamorie verpflichtet.
  2. In der Öffentlichkeit sichtbar wird die Polyamorie in Form der Farbkombination blau, rot und schwarz. Auf dem roten Farbstück ist das griechische Pi zu sehen – als goldenes Symbol, um den hohen Wert der Verbindung zu unterstreichen.

Das Single-Pendant: Sologamie

Die Italienerin Laura Mesi hat vorgemacht, was unter dem Begriff „Sologamie“ gerade zum neuen Liebestrend werden könnte. Die Italienerin hat sich einfach selbst geheiratet und das im Kreis von immerhin 70 Gästen gefeiert. Sie nimmt sich selbst zur Frau an, schwört sich ewige Treue – im weißen Brautkleid, mit Blumen, Hochzeitstorte und allem, was zu einer klassischen Hochzeit dazugehört. Unbekannt ist die Sologamie nicht. Zumindest den Fans der US-amerikanischen Kultserie „Sex and the City“ müssten der Sologamie-Trend durchaus ein Begriff sein. In der Serie hat Protagonistin Carrie Bradshaw eine Hochzeit für sich selbst ausgerichtet.

Übrigens: Feiern ist erlaubt, eine passende Rechtsprechung gibt es in Deutschland allerdings nicht. Gegenüber der verrät der Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Standesbeamten, dass zu einer Ehe in Deutschland immer zwei Personen gehören.

Ein gefährlicher Trend: Love Bombing

Love Bombing ist der Wolf im Schafspelz. Himmelhochjauchzend wird der Verliebte zunächst auf Händen getragen. Es gibt Geschenke. Es gibt große Liebesbekundungen. Und es macht sich das Gefühl breit, dass die Zukunft rosarot daherkommt. Auf dem Höhepunkt der Liebe schwenkt diese jedoch um. Kontrollen, große Erwartungen und Eifersucht folgen. Der Grund liegt in der Psyche der sogenannten Love Bomber, die von Narzissmus geprägt ist. Nachdem der Partner auf Händen getragen wurde, schwenkt dieses Liebesglück in einen Liebeswahn um. Der Psychologe Dale Archer bezeichnet diesen gefährlichen Trend als psychologischen Missbrauch.

Liebe, Sex und Partnerschaft im Internet

Wer vor einigen Jahren gestand, seinen Partner im Internet kennengelernt zu haben, der wurde nur müde belächelt. Abgetan wurde die Maschinerie Internet, die heute zum Flirten, Daten und Sexkontakte finden dient. Es gibt unendlich viele Flirtportale, die regelmäßig neue Zielgruppen erschließen. So gibt es die grundsätzliche Option, Gleichgesinnte online zu finden – sei es in punkto Hobby, Region oder Vorlieben. Nischenportale für spezielle Alterszielgruppen ergänzen die Flirtportale. Keiner sagt, dass es online beim Flirt bleiben muss. Ganz im Gegenteil. Galt es vor zehn Jahren noch für viele ein Armutszeugnis, seinen Partner im Internet gefunden zu haben, häufen sich heute die Love-Storys, die ebenso zustande gekommen sind. Auch in punkto Sex präsentiert sich die Online-Welt deutlich aufgeklärter. Vor einigen Jahren noch eher skurril bis undenkbar, gibt es heute sogar Online-Foren, in denen kostenlos vermittelt werden. Reichlich modern, aufgeklärt und transparent kann man(n) sich hier umsehen und bekommt einen Hinweis auf Rast- und Parkplätze, auf denen nicht nur geparkt wird. Allerdings gibt es für die Fans dieses Online-Forums eine Bedingung: User, die sich anmelden, um an kostenlosen Sextreffen teilzunehmen, müssen eine Hürde nehmen: Sie müssen vorab einem Rollenspiel zustimmen und sich filmen lassen.

Freie Liebe. Ein Relikt aus der Vergangenheit?

Die Forderung nach „Freier Liebe“ ist ein Relikt aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert, als in den Vereinigten Staaten von Amerika Feministinnen das Wort ergriffen. Ihre Intention: Sexuelle Beziehungen, die Frauen nur dazu dienten, wirtschaftlich abgesichert zu sein, sollten künftig der Vergangenheit angehören. Als Beziehungen dieser Art sahen sie sowohl die Ehe als auch die Prostitution an. Die berühmte 68-Revolution machte die Freie Liebe sogar zu ihrem Slogan, schließlich forderten ihre Anhänger die Akzeptanz des sexuellen Verhaltens – und zwar vor- und außerehelich. Wie sehr diese Revolution die aktuelle Lage in Deutschland heute bedingt, ist natürlich offen. Bezeichnend sind und bleiben jedoch die Zahlen des , die eine deutliche Tendenz zu weniger Eheschließungen und mehr Ehescheidungen aufzeigen.

  1. Eheschließungen sind rückläufig: 1950: 750.452, 1960: 689.028, 1970: 575.233, 1980: 496.603, 1990: 516.388, 2000: 418.550, 2010: 382.047
  2. Ehescheidungen steigen: 1950: 84.674, 1960: 48.873, 1970: 76.520, 1980: 96.222, 1990: 122.869, 2000: 194.408, 2010: 187.027

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