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Abbildung 1 Pflege sollte kein Luxus sein.

Preiserhöhungen bei privaten Pflegeversicherungen – Das können Versicherungsnehmer tun

Die Ansprüche an die Pflege sind heutzutage so hoch, dass sie immer teurer wird. Die gesetzliche Pflegeversicherung reicht meist nicht aus für Menschen, die später im Alter bedürftig werden sollten. In vielen Fällen müssen sie mächtig zuzahlen. 

Bei einem Heimplatz können das rund 2000 Euro monatlich sein. Bevor dieser Ernstfall eintritt, sollte jedoch vorgesorgt sein. Mit einer privaten Zusatzversicherung lässt sich diese finanzielle Lücke schließen – wie die beiden Arten der Versicherung zusammenspielen und wie sich die Leistungen ergänzen, erklärt Versicherungsexperte CLARK. Allerdings erhöhen viele Versicherungen aktuell wieder ihre Beiträge, teilweise sogar sehr drastisch. Verschiedene Gründe können zu den Preiserhöhungen führen, wogegen die Versicherungsnehmer keineswegs machtlos sind. Wir erklären, was bei einer Beitragserhöhung zu tun sein kann.

Gründe für eine Beitragserhöhung

Keine versicherte Person wird sich wohl über einer Beitragserhöhung seiner privaten Pflegezusatzversicherung freuen. Allerdings können die Versicherungen komplett ohne Anpassungen der Beiträge nicht existieren. Die Ansprüche an solche privaten Versicherungen ändern sich konstant. Deshalb sind aktuell Erhöhungen zwischen 60 und 110 Prozent keine Seltenheit. Die Gründe für solche drastischen Anpassungen sind vielfältig.

●      Steigendes Durchschnittsalter der Versicherten: Wir leben in einer Gesellschaft, die immer älter wird. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass mehr Menschen pflegebedürftig werden und die Pflegeversicherungen wirklich zum Einsatz kommen. Deshalb gleichen die Versicherungen ihre monatlichen Prämien an, um einem Verlustrisiko entgegenzuwirken.

●      Inflation: Waren und Dienstleistungen werden teurer. Das gilt auch für die Pflege. Hier müssen Versicherungen reagieren und die Beiträge an die aktuellen Gegebenheiten und den momentanen Geldwert anpassen. Durch die sogenannte Beitragsdynamik werden die Prämien an die Inflation angeglichen.

●      Pflegereform: Im Jahr 2017 wurde das deutsche Pflegesystem von Grund auf reformiert. Durch die Überführung der bisherigen Pflegestufen in Pflegegrade wurden unter anderem die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung erweitert. Zudem wurde die Pflegebedürftigkeit neu definiert. Beispielsweise zahlt die Pflegekasse nun auch bei Demenz. Auf diese Reform mussten und müssen die privaten Zusatzversicherer reagieren und ihre Prämien entsprechend angleichen.

Rechtliche Überprüfung der Preiserhöhung

Grundsätzliche sollten die Verträge privater Pflegeversicherungen bei einer anstehenden Beitragserhöhung erst einmal überprüft werden. Wichtig für Versicherte zu wissen, ist, dass solche Preisanpassungen nur unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen möglich sind. Die Versicherungen dürfen ihre Beiträge nämlich nur dann erhöhen, wenn sich die Versicherungsleistungen und/oder die Sterbewahrscheinlichkeit geändert haben.

Die Gründe müssen von der Versicherung dann schriftlich erklärt werden, um überhaupt wirksam zu sein. Laut der Verbraucherzentrale NRW gilt das für die privaten, freiwilligen Pflegezusatzversicherungen, wie der Pflegetagegeld- oder der Pflegekostenversicherung. Eine rechtliche Prüfung kann allerdings nur im Rahmen eines Verfahrens vor Gericht stattfinden.

Bei vertraglich festgeschriebenen Beitragsdynamisierungen, die, wie bereits erwähnt, der Anpassung an die Inflation dienen, können Widersprüche weiterhelfen. Wenn eine entsprechende Preiserhöhung ansteht, informieren die Versicherungen die Verbraucher*innen schriftlich darüber. Wird der Beitragsdynamisierung mehrfach widersprochen, wird die Versicherung in Zukunft auf solche Erhöhungen verzichten.

Wann brauche ich eine private Pflegezusatzversicherung?

Ob eine private Zusatzversicherung für die Pflege überhaupt notwendig ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dabei spielen unter anderem die finanzielle Situation, die Familienverhältnisse und natürlich die Erkrankung, bzw. die Art der Pflegebedürftigkeit eine große Rolle. Letzteres ist jedoch oft nicht abzusehen.

Pflegezusatzversicherungen werden meist geschlossen, um Angehörige finanziell zu entlasten. Seit einigen Monaten ist diese Angst allerdings unberechtigt. Grund hierfür ist das Angehörigen-Entlastungsgesetz, das Kinder und Ehepartner*innen von finanziellen Verpflichtungen unter gewissen Umständen befreit.

Staatliche Förderung mit „Pflege Bahr“

Dabei handelt es sich ebenfalls um eine private Pflegeversicherung, die zusätzlich zur gesetzlichen Pflegekasse abgeschlossen werden kann. Sie ist nach dem ehemaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr benannt, der das Konzept im Jahr 2013 ins Leben gerufen hat.

Dabei schießt der Staat für eine private Zusatzversicherung 60 Euro zu. Allerdings kann nicht jede Versicherung auf diese Weise gefördert werden. Sie muss gewisse Bedingungen erfüllen. Dazu gehören unter anderem:

●      Es muss eine Pflegemonatsgeld- oder Pflegetagegeldversicherung sein.

●      Der Gesundheitszustand der Versicherten darf keine Rolle spielen.

●      Die Höhe der Versicherungsprämien hängt nur vom Alter bei Abschluss der Versicherung ab.

●      Individuelle Leistungen für jeden Pflegegrad müssen gewährleistet sein.

●      Die Versicherungssumme darf nicht höher sein als die der gesetzlichen Pflegeversicherung.

●      Die monatliche Prämie muss mindestens 10 Euro betragen.

Daneben gibt es noch eine Reihe weiterer Kriterien. Obwohl der Pflege-Bahr staatlich gefördert wird, sind hier Beitragserhöhungen möglich.

Auf keinen Fall vorschnell kündigen

Auch wenn Versicherten im Zuge einer Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt wird, sollten sie jedoch nicht vorschnell handeln und kündigen. Die bisher eingezahlten Beiträge wären dann verloren.

Wenn eine Veränderung angestrebt wird, empfiehlt sich wohl eher ein Wechsel. Hier gilt es jedoch die verschiedenen Versicherungsanbieter miteinander zu vergleichen. Zudem müssen sich Versicherte darüber im Klaren sein, dass erneute Gesundheitsüberprüfungen notwendig sind, die mitunter zu deutlich höheren Beiträgen führen könnten.

Damit sich ein Wechsel allerdings lohnt, sollten die Beiträge günstiger als der neue Preis sein.

Pflege ohne Zusatzversicherung?

Oft können sich Menschen jedoch keine private Zusatzversicherung leisten. Allerdings müssen sie dann ebenfalls nicht ohne Pflege auskommen. Je nach Pflegegrad und Art der Betreuung bekommen sie von der gesetzlichen Kasse ihre Zuschüsse. Das restliche Geld für die Pflege wird dann vom Sozialamt zugeschossen, wenn die pflegebedürftige Person oder die Angehörigen nicht aufkommen können.

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