Rauchen 2.0 - Wohin geht es?

Die Zigarette hat in den letzten Jahren mächtig Konkurrenz bekommen. Die Zeiten, in denen Zigarettenkonzerne Rekordumsätze sind zwar noch nicht ganz vorbei, aber die Zahlen der Raucher sinken beständig. Und stattdessen begegnet man auf den Straßen immer häufiger Menschen mit einer E-Zigarette oder einem Tabakerhitzer - und ja, das sind zwei verschiedene Geräte.

Die E-Zigarette hat als weniger schädliche Alternative zur Tabakzigarette in den letzten Jahren einen echten Boom hingelegt. Mittlerweile sollen mehr als 4,6 Millionen Deutsche regelmäßig zum "Dampfgerät" greifen, Tendenz weiter steigend. Das wollten die Tabak-Riesen natürlich nicht auf sich sitzen lassen und entwickelten fieberhaft ihre Tabakerhitzer. Und jetzt soll sogar noch der Staat mit ins Boot geholt werden, um die Tabakersatzprodukte besser bewerben zu können. Wohin führt uns das Rauchen 2.0 und ist die Tabakzigarette vielleicht schon bald ein Dinosaurier?

Rauchen ist weltweit immer noch Todesursache Nummer Eins

Eigentlich gibt es gute Nachrichten von der Tabakfront zu berichten: seit Jahren sinkt der Anteil der rauchenden Weltbevölkerung kontinuierlich. Im Zeitraum von 1990 bis 2015 schrumpfte die Zahl der Raucher um rund ein Drittel auf 15,3 Prozent. Allerdings ist dieser Rückgang vor allem in Industrienationen zu sehen, in Ländern wie Bangladesch, Indonesien und vielen afrikanischen Staaten bleibt die Zahl konstant oder nimmt sogar leicht zu.

Wir Deutschen schneiden im Vergleich unterdurchschnittlich ab: hier sank die Zahl der Raucher in den letzten 25 Jahren um ca. 0,9 Prozent pro Jahr bei den Männern und um gerade einmal 0,3 Prozent bei den Frauen. Damit sind wir immer noch in den Top Ten der Rauchernationen vertreten. Leider bedeutet das auch, dass jeder Siebte mittlerweile an den Folgen des Rauchens verstirbt. Weltweit ist das Rauchen für jeden zehnten Todesfall verantwortlich. Kein Wunder also, dass Alternativen wie die E-Zigarette oder auch die Tabakerhitzer auch für Tabakkonzerne lukrativ erscheinen.

Was macht die E-Zigarette aus?

Die E-Zigarette ist seit 2007 auf dem europäischen Markt zu finden und hat in dieser Zeit viele Entwicklungen durchgemacht. Aus fehleranfälligen und makelhaften Ideen haben sich hochtechnisierte Geräte entwickelt, die man heute sogar per Computer steuern kann. Einzig das Grundprinzip ist gleich geblieben: in einem sogenannten Verdampfer wird Liquid erhitzt, welches dadurch zu Dampf umgewandelt und über ein Mundstück inhaliert wird.

Im Gegensatz zum Tabakerhitzer gibt es mittlerweile zahlreiche Studien, die belegen, dass das Dampfen der E-Zigarette wesentlich weniger schädlich ist als das Rauchen. Laut der britischen Krebsforschungs-Organisation Cancer Research UK verfügt die E-Zigarette über nur 5 Prozent des Schadenspotenzials von Tabakzigaretten.

Die Liquids gibt es zudem nicht nur in allen nur erdenklichen Geschmacksrichtungen, sondern auch in verschiedenen Nikotinstärken. Seit dem Inkrafttreten der Tabakproduktverordnung TPD2 ist der maximale Nikotingehalt übrigens auf 20 mg pro ml festgelegt. Der Vorteil der E-Zigarette liegt in der extrem breiten Palette an Modellen: von der unauffälligen, schlichten E-Zigarette bis hin zur massiven E-Zigarette mit auffallendem Design und eigener Tankbeleuchtung, es ist für jeden Geschmack und Anspruch ein Modell dabei. Wer will, kann beispielsweise eine , einem renommierten E-Zigarettenhandel, der zudem auch noch eigene Liquids herstellt und vertreibt. Aber auch Offline-Läden und selbst einige Tankstellen und Kiosks führen mittlerweile zumindest eine kleine Auswahl an E-Zigaretten.

Einsteigersets für die E-Zigarette gibt es bereits für rund 20 Euro, hochwertige High-Tech-Geräte können auch schon mal über 100,- Euro kosten. Die Liquids gibt es für rund 5,- Euro pro 10ml Fläschchen.

Und was ist ein Tabakerhitzer?

In der Tabakzigarette ist nicht etwa das Nikotin der gefährlichste Inhaltsstoff - ganz im Gegenteil. Schlimm sind die Tausenden Schadstoffe, die erst durch den Verbrennungsvorgang beim Rauchen entstehen. Die können schnell über 4.000 Schadstoffe erreichen, von denen rund 90 erwiesenermaßen krebserregend sein können.

Was haben sich die Tabakkonzerne also überlegt? Den Tabak nicht mehr zu verbrennen, sondern nur noch zu erhitzen. Dadurch wird das Nikotin gelöst, aber die Schadstoffe, die beim Verbrennungsprozess normalerweise entstehen, fallen weg. Statt des Liquids verwenden die Tabakerhitzer einen kleinen Tabak-Stick, der wie eine Kartusche in das Gerät eingefügt wird.

Alle drei großen Tabak-Riesen haben ihre ersten Tabakerhitzer mittlerweile auf den Markt gebracht: "IQOS" von Philip Morris, Glo von British American Tobacco (BAT) und der relativ neue Ploom Tech von Japan Tobacco. Auch Reemtsma kündigte erst kürzlich an, ein eigenes Modell auf den Markt bringen zu wollen. Einsteigergeräte liegen zwischen 30 - 100 Euro, bei den Tabak-Sticks nutzen die Konzerne allerdings einen kleinen Trick. Statt wie herkömmlicher Tabak werden die Sticks wie Pfeifentabak besteuert und sind deshalb etwas günstiger. Vergleicht man es allerdings mit den laufenden Kosten einer E-Zigarette für Liquid und kleine Ersatzteile, schneidet man mit der E-Zigarette besser ab. Zudem gibt es bezüglich der (Aus-)Wirkungen von Tabakerhitzern bisher nur wenige aussagekräftige Studien.

Hilfe vom Staat?

Für Tabakprodukte gelten in Deutschland äußerst strenge Auflagen. Abschreckende Texte und Bilder auf den Verpackungen, die schlicht und unauffällig gehalten sein soll machen es den Tabakkonzernen recht schwer, ihre Produkte zu bewerben. Und auch bei der E-Zigarette und Tabakerhitzern machte die Regierung der Werbung schnell einen Strich durch die Rechnung. Kaum flimmerten die ersten Werbungen für die E-Zigarette von BAT, die Vype, über den Bildschirm, wurden die TV-Spots auch schon wieder verboten. Aber auf Plakaten darf weiterhin für alle Produkte - Tabakzigarette, -Erhitzer und E-Zigarette - geworben werden.

Die Tabakkonzerne erwarten aber noch mehr: die Regierung soll durch breitangelegte Kampagnen für mehr Aufklärung unter der Bevölkerung sorgen. Ralf Wittenberg, Manager im BAT-Konzern für die Bereiche Deutschland, Österreich und Schweiz argumentiert, dass die E-Zigarette 95 % weniger Schadstoffe enthalte und dementsprechend die Regulierung angepasst werden müsse. Bisher sieht die Regierung die E-Zigarette allerdings eher skeptisch, eine aktive Unterstützung ist also momentan eher unwahrscheinlich. Ob sich dies in der Zukunft ändern wird? Das kann man nur hoffen.

Ist das Ende der Tabakzigaretten eingeläutet?

Zwar schreiben E-Zigaretten und Tabakerhitzer Rekordumsätze mit noch reichlich Potenzial nach oben, aber man braucht sich nicht in die Tasche lügen: bis aus den Ersatzprodukten für die klassische Tabakzigarette eine echte Konkurrenz wird, kann es noch ein ganzes Weilchen dauern.

Außer natürlich, die Tabakkonzerne sehen von selbst das "sinkende Schiff" und reagieren vorzeitig. So orakelte Phillip Morris-Vorstandschef Andre Calatzopoulos kürzlich in einer britischen Radiosendung über ein Ende der Zigaretten-Ära. Kein Wunder, dass die großen Tabakkonzerne Milliarden in die Entwicklung von Ersatzprodukten stecken.

Man kann also zunächst davon ausgehen, dass alle drei Nikotin-Produkte - Tabakzigarette, Tabakerhitzer und E-Zigarette - für einen längere Zeitraum parallel existieren werden. Wer sich dabei auf lange Sicht die Top-Position sichern kann, steht noch weit in den Sternen.

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