Recycling - eine Branche mit großer Zukunft

Recycling. Im besten Fall denken die meisten Verbraucher hier an Umweltschutz und Mülltrennung, vielleicht noch an den grünen Punkt. Nicht dass dies nicht auch dazu gehört, Recycling ist aber wesentlich komplexer und hat einen enormen Einfluss auf die künftigen wirtschaftlichen und ökologischen Entwicklungen. Nur wenn hier ein generelles Umdenken erfolgt, wird es möglich sein auf die Verknappung der globalen Rohstoffe zu reagieren.

Auf dem diesjährigen Wirtschaftsforum in Davos wurden neben zahlreichen geführten Diskussionen zu den aktuellen weltwirtschaftlichen Herausforderungen und Problemen auch aktuelle Studien veröffentlicht. Eine in Kooperation mit der UNO-Koalition erstellte Studie befasste sich mit Elektroschrott. Demnach produziert die aktuelle Weltbevölkerung derzeit besorgniserregende 50 Millionen Tonnen Elektroschrott. Die Problematik liegt hier unter anderem darin, dass nur ein verschwindend geringer Anteil dieses Elektroschrotts auch tatsächlich fachgerecht recycelt wird. Der Großteil hingegen landet auf Müllkippen, wird verbrannt oder von Menschen ohne andere Perspektive unter fragwürdigen Bedingungen ausgeschlachtet um die wenigen Edelmetalle aus dem Elektromüll zu extrahieren. Gegenmaßnahmen müssen schnell gefunden werden, für das Jahr 2050, in immerhin nur 31 Jahren, prognostizieren Experten andernfalls einen Anstieg des weltweiten Elektroschrotts auf 120 Millionen Tonnen pro Jahr.

Enormes Potenzial

Dabei handelt es sich bei den 50 Millionen Tonnen ausschließlich um Elektroschrott. Hinzu kommen viele andere Materialien, vor allem Plastik und Verpackungsmaterialien. Angesichts der immer knapper werdenden Rohstoffe ist Recycling nicht nur eine gute Sache für die Umwelt, zunehmend wichtiger wird Recycling auch deshalb, da die Produktion ohne gewisse Bestandteile gar nicht weiterlaufen kann. Die Recyclingbranche hat ein unglaubliches Potenzial, schließlich geht es langfristig darum, so viele Rohstoffe wie möglich zu recyceln und dem natürlichen Rohstoffkreislauf wieder zuzuführen.

Neue Verfahren erweitern das Spektrum

Längst nicht alle Materialien lassen sich mit existierenden Verfahren effektiv recyclen. Im Zuge neuer Technologien wird das Spektrum der Materialien die sich recyclen lassen jedoch immer größer. So entwickelte beispielsweise das Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung den sogenannten CreaSolv Prozess, eine neue . Dieser ermöglicht es nun, auch Mehrschichtlaminatfolien in einem effizienten Verfahren zu recyceln. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms "Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA)" mit einer Fördersumme von etwa 3,2 Millionen Euro vom Bundesinnenministerium für Bildung und Forschung gefördert und beweist, dass sich entsprechende neue Recyclingverfahren durchaus entwickeln lassen, wenn denn genügend Forschungsgelder zur Verfügung gestellt werden.

Letztlich kann man sagen, dass ein Umdenken in breiten Teilen der Bevölkerung stattfinden muss, um die zukünftigen ökologischen Herausforderungen zu meistern. Ein solches Umdenken kann wahrscheinlich nur langsam heranreifen, daher ist es umso wichtiger die Probleme verständlich zu machen.

Verbraucher sensibilisieren und Hersteller mehr zur Verantwortung ziehen

Nie war es wichtiger für eine nachhaltige Verwertung von Rohstoffen einzutreten. Nur wenn die technischen Möglichkeiten auch genutzt werden, können die sich ergebenden Vorteile in vollem Umfang greifen. Neben den technischen Möglichkeiten spielt es aber auch eine Rolle die Verbraucher auf die Thematik aufmerksam zu machen und sie zu sensibilisieren. Letztlich müssen auch die Hersteller von vielen Produkten langfristig umdenken, Praktiken wie der geplante Verschleiß von Teilen und Geräten (planned obsolescence) müssen stärker geahndet werden. Nur wenn Unternehmen, Politik und Verbraucher zusammenarbeiten können die zukünftigen Probleme bewältigt werden. Angesichts der zukünftigen Entwicklungen schlagen Experten folgende Punkte vor:

– Die Herstellerverantwortung muss weiter gestärkt werden. Sie müssen ihre Strategie langfristig auf mehr Ressourceneffizienz ausrichten. – Neue Designverfahren können Reparaturen, Wiederaufbereitungen oder auch Zweitnutzungen von Produkten profitabler gestalten. – Mehr Kooperation unter allen Beteiligten für ein effizienteres Recycling. – Mehr Informationen über Materialien und Materialzusammensetzung bereitstellen, um qualitativ hochwertiges Recycling zu gewährleisten. – Konsumverhalten muss mittelfristig überdacht werden.

Theorie und Praxis

Nicht nur die Rückgewinnung von Rohstoffen ist ein Aspekt, der zukünftig verstärkt erfolgen muss, auch die Verlängerung von Lebenszyklen von Produkten oder die vermehrte Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen gehören mit dazu. Ein weiterer Aspekt ist die Nutzung verschwendeter Kapazitäten aufgrund einer zu geringen Auslastung. So stehen beispielsweise Millionen ungenutzte Autos im Wert von mehreren Milliarden Euro auf Stellflächen herum und warten auf Abnehmer. Um effektives Recycling zu betreiben, müssen auch die Produktionsweisen überdacht und angepasst werden. Wie irrsinnig diverse Mülltrenn- und Recyclingverfahren weiterhin sind, merkt man etwa daran, dass in vielen Städten der Müll zwar in verschiedenen Tonnen gesammelt und abgeholt wird, letzten Endes aber alles zusammen verbrannt wird. Effektives Ressourcen- und Umweltschonen kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten und die Verfahren zum Recyceln zukünftig verbessert und auch angewandt werden. Als Verbraucher hat man zumindest theoretisch vielfältige Ansatzpunkte auf schädliche Materialien weitestgehend zu verzichten oder mit seinem Konsumverhalten bestimmte Unternehmen zu unterstützen und andere eben nicht. Dass die derzeitig überwiegend geführte Lebensweise vieler Menschen nicht weitergeführt werden kann, ist bitter aber notwendig um eine drohende Katastrophe zu verhindern.

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