Das Schönheitsideal der Frau im Wandel der Zeit

"Nichts ist schöner, als dünn zu sein", so wird das bekannte Top-Model Kate Moss zitiert. Allerdings erntete die Britin mit ihrer Aussage erhebliche Kritik. Immerhin gilt sie als Vorbild für Millionen von jungen Mädchen auf aller Welt, die mit ihrem Schlankheitswahn einen gesundheitsgefährdenden Wettbewerb zelebrieren, der heranwachsenden Frauen mitunter das Leben kostete. Allerdings spiegelt das Model wohl wie kaum eine andere Frau unserer Zeit das moderne Schönheitsideal der Weiblichkeit wider, welches in den vergangenen Jahrhunderten allerdings eher Seltenheitswert besaß.

Die Schönheit einer Frau – aus der Frühgeschichte in die Moderne

Aus heutiger Sichtweise ist es kaum zu fassen, aber vergleicht man das Schönheitsideal der Frau unseres Zeitalters mit vorangegangenen Epochen und auch interkulturell, so war Schlankheit in der Regel kein Ausdruck von Schönheit, sondern viel mehr ein Zeichen für Armut, Knappheit und Mittellosigkeit.

Ethnografische Studien zeigten auf, dass lediglich in einem Fünftel aller Gesellschaften schlanke Frauen als schön empfunden wurden. In weit über der Hälfte wurde eine wohlproportionierte, fülligere Dame als attraktiv bewertet. Erst im Zuge der Globalisierung konnte sich das westliche Schlankheitsbild durchsetzen und fand Einzug in andere, außereuropäische Kulturen.

Dass die Schönheit einer Frau derartig unterschiedlich bewertet wird, hat verschiedene Ursachen:

Auch im historischen Rückblick zeigt sich, dass weibliche Körperideale in der Antike, dem Mittelalter und der Neuzeit sehr unterschiedlich interpretiert wurden. Auffallend ist insbesondere, dass der männliche Idealtypus sich nur wenig wandelte, der Körper der Frau sich jedoch stets anderen Idealvorstellungen beugen musste.

Schönheitsideal der Frau in abendländischen Kulturkreisen

\n Epoche\n \n Schönheitsideal der Frau\n
\n Antike\n \n Die „Venus von Milo“ beschreibt das Schönheitsideal der antiken Frau wohl am ehesten. Sie stellt ein steinernes Abbild der Göttin Aphrodite dar, nicht zu dünn und nicht zu dick. Die Griechen sahen einen dicken Bauch bei Frauen übrigens als Symbol für Verweichlichung an, hingegen Fettleibigkeit bei Römern als Zeichen des Wohlstands betrachtet wurde.\n
\n Mittelalter\n \n Im Mittelalter sollte die Frau möglichst mädchenhaft wirken. Schlank sollte die Frau sein, rote Wangen und Lippen vorweisen können, zierlich sein. Das herausragende Schönheitscharakteristikum im Mittelalter war die hohe Stirn, häufig wurde hierfür der Haaransatz der Frau entfernt.\n
\n Renaissance und Barock\n \n Zur Zeit der Renaissance und des Barock änderte sich das Bild der zierlichen, mädchenhaften Frau hinzu einer wohlgenährten Körperfülle. Das Doppelkinn galt als attraktiv. Wo Frauen heutzutage ihre Problemstellen vorweisen, zeigten Frauen im Barock und der Renaissance, welch Rundungen sie am Bauch, den Beinen und Po vorzuweisen hatten.\n Mitte des 17. Jahrhunderts sollte die Frau das körperliche Abbild einer Sanduhr darstellen. Dieses Ideal war geknüpft an das Aufkommen des Korsetts.\n
\n 20. Jahrhundert\n \n Im 20. Jahrhundert begann allmählich die Entwicklung unseres heutigen Schönheitsideals der Frau. Der Körper sollte schlank und wohlgeformt sein und durch Sport in Form gebracht werden. Allerdings durfte die weibliche Gestalt keinen athletischen Eindruck hinterlassen.\n

Frauen wachsen doch das Schönheitsideal bleibt

Ändert sich das Schönheitsideal der Frau, muss sich auch die Kleidung anpassen. Daher bestimmte schon immer die Durchschnittsfrau, welche Konfektionsgrößen in den Boutiquen zu finden waren.

Happy-size.de zeigt, dass es Konfektionsgrößen heutzutage für jede Figur, jeden weiblichen Körper gibt - doch das war nicht immer so. Noch vor knapp 60 Jahren hatte jedes Modegeschäft ein individuelles Größensystem. Bis zum Jahr 1957 gab es keine einheitlich genormten Kleidergrößen. Schneidereien und Geschäfte nahmen selbst Maß. Erst nach 1960 gab es statistische Reihenmessungen.

Es sind die Hohensteiner Institute in Bönningheim, die Körpermaßtabellen definieren und diese an den Deutschen Verband der Damenoberbekleidung weiterleiten, der sich heute ganz modern als „German Fashion“ zu erkennen gibt.

Die letzte offizielle statistische Reihenmessung der Deutschen wurde unter dem Titel „ Size Germany “ 2009 veröffentlicht und im Jahr 2007/2008 durchgeführt. Besonders für die deutsche Frau gab es erhebliche Veränderungen in den Körperproportionen seit der letzten Messung aus dem Jahr 1994 zu konstatieren:

Den Grund für das Wachstum der Frau sehen Forscher insbesondere in der Ernährung. Allerdings lässt sich aus dem Körperwachstum nur bedingt eine pauschale Aussage über eine Veränderung des Schönheitsideals ableiten, denn es zeigt sich auch, dass die Schere zwischen Dick und Dünn immer weiter auseinanderklafft. Das Gros der Frauen werde zwar dicker, doch würden die schlanken Frauen noch dünner als zuvor, behauptet Petra Bleibohm, Referentin des Modeverbands German Fashion .

Schmeichelgrößen sollen zum Kauf motivieren

Idealerweise soll sich die Kleidung natürlich dem Träger anpassen und nicht umgekehrt. Leider ist es jedoch immer häufiger der Fall, dass weder Bluse noch Hose ordentlich sitzt und die Shopping-Tour zu einer zeitlichen und mentalen Herausforderung wird. Bislang hat es die Textilindustrie versäumt, ihre Maßtabellen den Ausmaßen weiblicher, aber auch männlicher Körperproportionen anzupassen. Langfristig ist europaweit jedoch ein einheitliches Größensystem geplant.

Konfektionsgrößen im internationalen Vergleich

\n Deutschland\n \n Großbritannien\n \n Italien\n \n Frankreich\n
\n In Deutschland startet die Konfektionsgröße bei 32. Danach geht es jeweils in 2er Schritten zur nächsten Größe.\n \n Was in Deutschland eine 32, das ist in den USA eine 2. In Übersee wird allerdings auch Größe 0 getragen, die es hierzulande nicht zu kaufen gibt.\n \n Wer eine 6 in Großbritannien trägt, der hat in Deutschland Größe 32. Hingegen eine 8 auf der britischen Halbinsel einer Größe 4 in den USA entspricht.\n \n In Italien gehen Frauen sicherlich ungern shoppen. Denn hier müssen gleich zwei Größen hinzuaddiert werden. Die deutsche Größe 32 ist in Italien eine 36.\n \n In Frankreich finden sich Frauen eher zurecht. Hier heißt es, zwei dazurechnen. Die 32 ist in Frankreich eine 34, eine 36 liegt als Größe 38 aus.\n

USA

Dabei sollen jedoch nicht die Größenbezeichnungen selbst geändert werden. Die Konfektionsgröße 40 soll weiterhin eine 40 bleiben, lediglich die Abmessungen des Kleidungsstückes werden sich ändern. Auf diese Weise möchte die Modeindustrie ihren Käufern suggerieren, dass es sich bei der eigenen Gewichtszunahme lediglich um einen Trugschluss handelt. Denn wer anstatt einer Hose in Größe 40 lediglich eine in Größe 38 benötigt, entscheidet sich garantiert eher für einen Kauf.

Auch wenn die Bekleidungshersteller sich anscheinend weigern, das neue Schönheitsideal anzuerkennen und ihre Kunden lieber weiterhin unter dem Motto „Schlank ist schön“ zum Kaufrausch animieren, soll es die aus den USA bekannte Konfektionsgröße „zero“ in Deutschland nicht geben. Dort machte die Modemarke Abercrombie & Fitch Schlagzeilen, da sie Hosen in Größe „triple zero“ zum Verkauf anbot, was einem Hüftumfang von 58,5 Zentimetern entspricht und außer bei Kindern bei keiner erwachsenen Frau messbar sein sollte. Denn auch wenn Schönheit im Auge des Betrachters liegt, gesund ist dies auf keinen Fall.

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