Schmerz Brust Schuppenflechte
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Patienten mit Schuppenflechte sind auch infarktgefährdet.

Schuppenflechte: Gefahr fürs Herz!

Schuppenflechte ist mehr als nur eine Hauterkrankung. Sie wird von einer Fehlsteuerung des Immunsystems verursacht. Und die kann auch zu lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Problemen führen. Die Zusammenhänge sind komplex, weiß Oberarzt Prof. Dr. Falk Bechara aus Bochum.

Schätzungsweise zwei Millionen Deutsche kennen das Leiden: Großflächig bilden sich silbrige Schuppen an Kopfhaut, Armen und Beinen. Gerötete Hautpartien verursachen einen kaum erträglichen Juckreiz. Diagnose: Schuppenflechte, ein weitverbreitetes, schweres Hautleiden. Und in manchen Fällen dauert es lange, bis eine individuelle Therapie zur Linderung der Symptome gefunden ist.

Die auch Psoriasis genannte chronisch-entzündliche Erkrankung ist Folge einer Störung im körpereigenen Immunsystem. Die Konsequenz: Die Erneuerung der äußeren Hautschichten läuft stark beschleunigt ab. Sie lösen sich in silbrig-weißen Plaques ab, und große Hautflächen können intensiv jucken.

Risiko von Begleiterkrankungen

Inzwischen verfügt die Medizin über hilfreiche Wirkstoffe, um Psoriasis einzudämmen. „Bei schweren Fällen von Psoriasis stehen uns seit einigen Jahren eine ganze Reihe von anti-entzündlich wirkenden sogenannten Biologika zur Verfügung. Hiermit sind wir oft in der Lage, die Plaques auf der Haut weitestgehend verschwinden zu lassen, sogar teils dauerhaft“, erklärt der Dermatologe Prof. Dr. Falk Bechara, Leitender Oberarzt und Leiter des Studienzentrums für inflammatorische Erkrankungen an der Uni-Hautklinik Bochum.

Doch dieser guten Nachricht schickt er gleich eine ernste Botschaft hinterher: Da es sich bei Psoriasis „nicht nur um eine reine Hauterkrankung, sondern um eine entzündliche Systemerkrankung handelt, ist auch der Befall anderer Organe möglich. Unser Immunsystem ist nicht nur in der Haut, sondern im ganzen Körper aktiv, kann also auch an anderer Stelle überreagieren und Entzündungen hervorrufen.“ Und tatsächlich: „Bei Schuppenflechte-Patienten ist zu beobachten, dass es je nach Schweregrad auch zu einer Reihe von Begleiterkrankungen oder Komorbiditäten kommen kann.“

Gefahr von Herzinfarkt und Schlaganfall

Der Psoriasis-Experte berichtet aus seiner umfangreichen Erfahrung: „Häufig sind Krankheitsbilder vorhanden, die unter dem Begriff Metabolisches Syndrom assoziiert sind: starkes Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck, erhöhter Blutzuckerspiegel und ein gestörter Fettstoffwechsel. Diese genannten vier Symptome bzw. Krankheitsbilder können die Blutgefäße schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Patienten mit einer schweren Psoriasis haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und auch Schlaganfall. Das Metabolische Syndrom sollte bei Psoriasis-Patienten abgeklärt und falls nötig auch behandelt werden.“

Allerdings müssen solche Begleiterkrankungen erst einmal klar diagnostiziert und dann effektiv behandelt werden. Langsam, so der Bochumer Dermatologe, setze sich die Erkenntnis durch, dass „wir nicht nur isoliert die Hautsymptome beachten und behandeln müssen, sondern die Psoriasis als eine systemische Erkrankung betrachten und den ganzen Körper und so auch mögliche Begleiterkrankungen im Auge haben müssen. Diese sollten möglichst frühzeitig entdeckt und behandelt werden.“

Prof. Dr. Falk Bechara, Leitender Oberarzt und Leiter des Studienzentrums für inflammatorische Erkrankungen an der Uni-Hautklinik Bochum

Vorbeugung ist möglich

Ob ein Psoriatiker auch Herz- und Kreislaufprobleme bekommt, kann er selbst beeinflussen. Prof. Bechara empfiehlt ein paar simple Maßnahmen: „Lassen Sie neben dem Blutdruck auch regelmäßig Ihre Fettwerte im Blut und Ihren Blutzucker checken und diese bei Auffälligkeiten behandeln. Überprüfen Sie Ihren Lebensstil: Verzichten Sie auf Nikotin und bauen Sie wenn nötig Übergewicht ab! Wichtig sind ausreichend Bewegung und gesunde, fettarme Ernährung. Mit diesen Maßnahmen können Sie einem Metabolischen Syndrom entgegensteuern.“

So wie mittlerweile die Symptome der Psoriasis therapeutisch zurückgedrängt werden können, sind auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen kein unabwendbares Schicksal. Allerdings müssen bei einem Schuppenflechte-Patienten alle Risikofaktoren in den Blick genommen werden, und er sollte stets im Dialog mit den Fachärzten stehen, um eine optimale Behandlung zu bekommen.

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