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Sind E-Zigaretten wirklich Nikotinbomben?

'Der Nikotingehalt einer einzigen E-Zigarette entspricht dem einer ganzen Schachtel Zigaretten' - solche oder ähnlich lautende Meldungen, sind gelegentlich in den Medien zu finden.

Einer der Auslöser für solche Negativ-Kampagnen ist JUUL - eine E-Zigarette, die in Kalifornien hergestellt wird und in den USA sehr beliebt ist. Das neue Produkt ist so erfolgreich, dass das Verb 'to juul' beziehungsweise 'juulen' vor allem unter Jugendlichen zum geflügelten Wort wurde. Dass die neue E-Zigarette mit ihren fruchtigen und süßlichen Aromen bei Teenagern so beliebt ist, machte nicht nur deren Eltern Sorgen. Die FDA (Lebensmittelüberwachungs- und Arzneimittelbehörde der Vereinigten Staaten) befürchtet, dass Jugendliche durch das Juulen vom Nikotin abhängig werden könnten.

Mit einem Nikotingehalt von 59 Milligramm pro Milliliter sind die E-Liquids für JUUL-Verdampfer tatsächlich sehr stark. Zum Vergleich: In Deutschland dürfen nur E-Liquids verkauft werden, die maximal 20 mg Nikotin pro ml enthalten. Allein diese Beispiele zeigen, dass es keine allgemeingültigen Aussagen zum Nikotingehalt geben kann. Wer den Nikotingehalt von Tabakzigaretten und E-Zigaretten seriös miteinander vergleichen will oder mit einem Nikotinshot von Liquido den Nikotingehalt seiner E-Liquids individuell einstellen möchte, muss sich etwas genauer mit der Thematik beschäftigen.

Nikotingehalt – ein Wert, der Raucher und Dampfer interessiert

Die Angaben zum Nikotingehalt einer Tabak-Zigarette, die in der Literatur zu finden sind, schwanken zwischen 8 -20 mg. Als Durchschnittswert wird meist 12 mg angegeben. Diese Menge wird vom Organismus des Rauchers jedoch nur zum Teil aufgenommen (schätzungsweise 1 - 3 mg). Beim Dampfen dürfte die Relation zwischen dem Nikotingehalt und der aufgenommenen Menge vergleichbar sein. Wie viel Nikotin beim Rauchen oder Dampfen aufgenommen wird, ist unter anderem vom Volumen der Lunge, von der individuell unterschiedlichen Beschaffenheit der Lunge und von der Art des Rauchens beziehungsweise Dampfens (paffen, mehr oder weniger tief inhalieren ...) abhängig.

Verwirrende Angaben zum Nikotingehalt

Wie viel Nikotin enthält eine Zigarette meiner Lieblings-Sorte? Es ist fast unmöglich, diese Frage zu beantworten. Eine verbindliche Vorschrift für diesen wichtigen Wert scheint es nicht zu geben. Die Aufdrucke, die noch vor kurzem auf den Zigarettenschachteln der meisten Tabakproduzenten zu finden waren, gaben den Nikotingehalt pro Rauch eines Zuges an. Dieser Wert lässt sich in einem genormten Verfahren maschinell messen. Mittlerweile sind diese Angaben, die dem Raucher wenigstens eine ungefähre Beurteilung des Nikotingehalts ermöglichten, leider gesetzlich verboten.

Nikotingehalt von E-Liquids

Wer die E-Zigarette bevorzugt, hat es ebenfalls nicht leicht, wenn er Nikotingehalte verschiedener Produkte miteinander vergleichen möchte. Das ist bedauerlich, denn viele Konsumenten möchten Ihr bevorzugtes E-Liquid mit Nikotinshots anreichern oder sich ein Liquid mit einem bestimmten Nikotingehalt selbst mischen.

In den Vereinigten Staaten wird der Nikotingehalt traditionell in Prozent pro Gewichtseinheit angegeben. Im Unterschied dazu ist es in Europa vorgeschrieben, den Anteil an Nikotin in mg pro ml anzugeben. Eine Umrechnung der beiden Angaben ist nicht ohne Weiteres möglich, weil die Zusammensetzung des Liquids bei der Umrechnung berücksichtigt werden muss. Das Liquid setzt sich in der Regel aus Propylenglykol, Glycerin, Wasser und Aroma zusammen. Diese Inhaltsstoffe haben unterschiedliche spezifische Gewichte, was die Umrechnung zwischen volumen- und gewichtsbezogenen Angaben erschwert.

Am Beispiel eines typischen JUUL-Liquids lässt sich das Problem verdeutlichen: In einem Liquid mit 5 % Nikotingehalt, wie es in den USA üblicherweise verkauft wird, sind 59 mg Nikotin pro ml enthalten. In Deutschland dürfen JUUL-Produkte wegen der gesetzlichen Vorgaben nur mit einem maximalen Nikotingehalt von 20 mg pro ml verkauft werden. Das entspricht einem Nikotingehalt von 1,7 %.

Nikotingehalt von Tabak-Zigaretten und E-Zigaretten im Vergleich

Anhand dieser Angaben lässt sich leicht ausrechnen, dass die erschreckenden Schlagzeilen in den Medien mit der Wahrheit wenig zu tun haben. Angenommen, Sie entscheiden sich für ein JUUL Pod, wie es in Deutschland zugelassen ist. Ein Pod enthält 0,7 ml Liquid mit einem Nikotingehalt von 20 mg pro ml. Das heißt, pro Pod sind 14 mg Nikotin enthalten. Geht man vom durchschnittlichen Nikotingehalt der Tabakzigaretten (12 mg pro Zigarette) aus, entspricht der Nikotingehalt eines Pods 1,2 Zigaretten. Eine Schachtel mit 20 Zigaretten hat einen durchschnittlichen Nikotingehalt von 240 mg. Die Angaben der Journalisten sind also deutlich übertrieben

Die meisten Dampfer greifen auf Liquids mit niedrigeren Nikotinstärken zurück. Bei den weit verbreiteten leistungsstarken nachfüllbaren E-Zigaretten sind Nikotinstärken von 3 mg – 6 mg pro ml üblich. Je nach Nikotinstärke müssten somit 40 – 80 ml Liquid verdampft werden, um die Nikotindosis einer Schachtel Tabakzigaretten zu erreichen. Ein solch hoher täglicher Liquidverbrauch ist absolut untypisch und nahezu rekordverdächtig.

Nikotinabhängigkeit mit Hilfe der E-Zigarette überwinden

Vielen Rauchern ist bewusst, dass der Tabakrauch für ihre Gesundheit sehr schädlich ist. Doch viele, die sich das Rauchen lieber heute als morgen abgewöhnen würden, scheitern beim Rauchstopp. Nikotin hat ein starkes Suchtpotential. Die E-Zigarette kann dabei helfen, diese Abhängigkeit schrittweise zu überwinden. Wissenschaftliche Untersuchen belegen, dass die Rauchentwöhnung mit Hilfe der E-Zigarette wesentlich erfolgversprechender ist als konventionelle Verfahren. Das liegt unter anderem daran, dass der Dampfer auf seine lieb gewordenen Rituale nicht verzichten muss und den Nikotingenuss allmählich reduzieren kann.

Nikotinshot – Nikotingehalt nach Maß

Als Nikotinshot wird eine nikotinhaltige Base bezeichnet. Am 20.05.2017 trat die neue Tabakproduktrichtlinie TPD2 in Kraft. Seitdem ist unter anderem der Nikotingehalt von E-Liquids und Nikotinbasen auf maximal 20 mg pro ml gesetzlich begrenzt. Darüber hinaus ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Nikotinshot und nikotinhaltige E-Liquids nur in Flaschen mit maximal 10 ml Inhalt verkauft werden dürfen. Es dürfen nur nikotinhaltige Produkte in den Handel gebracht werden, die von der EU registriert wurden.

Wer sich ein Liquid selbst mischen will, findet in Liquid Onlineshops oder im einschlägigen Fachhandel nicht nur den Nikotinshot in der gewünschten Stärke, sondern auch das erforderliche Zubehör. Mit Hilfe von Umrechnungstabellen ist es möglich den Nikotingehalt des Dampfes nach Wunsch einzustellen. Auf diese Weise ist es auch möglich, den Nikotingehalt allmählich zu verringern und dem Organismus die Umstellung auf eine gesündere Lebensweise zu erleichtern.

Fazit: E-Zigaretten in Europa sind keine „Nikotinbomben“

Wer Nikotinshot, E-Liquid & Co. in Europa kauft, braucht sich keine Sorgen zu machen. Die strenge Begrenzung des Nikotingehalts auf 20 mg pro ml und die Regulierung der Gebindegrößen sorgen dafür, dass ein übermäßiger Konsum von Nikotin kaum möglich ist. Es wäre wünschenswert, dass die Öffentlichkeit über diese Fakten wahrheitsgemäß informiert wird.

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