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Bei einem Audit werden Bestandsdaten gesammelt und neue Daten erhoben. Das Ziel ist in einem Unternehmen ähnlich wie im Privaten: Der Energieverbrauch soll gesenkt werden. Damit sollten sich idealerweise auch die Kosten reduzieren.

Stichwort: Energieaudit. Das bedeutet es für die Wirtschaft

Viele Privatpersonen tun es bereits: Sie analysieren ihren Energieverbrauch und justieren an möglichen Stellschrauben nach, um weniger Energie zu verbrauchen und damit sowohl die Umwelt bzw. Ressourcen zu schonen als auch Geld zu sparen. Allerdings wird Energie ja nicht nur im Privatbereich, sondern auch in hohem Maße im gewerblichen Sektor verbraucht.

Demnach sind auch Unternehmen dazu verpflichtet, an der Energieschraube zu drehen, um die Energieeffizienz in der EU langfristig um 20 Prozent zu steigern. Dokumentiert sind alle Themen, die in diesem Zusammenhang von Relevanz sind, im EDL-G, dem Gesetz über Energiedienstleistungen und andere Energieeffizienzmaßnahmen. Wie die Umsetzung idealerweise im Unternehmen funktioniert, verrät dieser Beitrag. Was die EnEV, die Energieeinsparverordnung, im Privatbereich ausrichten kann, verrät die Verbraucherzentrale.

Große Unternehmen haben die Pflicht, Kleinen winkt ein Spitzenausgleich

Im Paragraf 8 des eingangs benannten Gesetzes steht geschrieben, wer die Pflicht hat, ein sogenanntes Energieaudit durchführen. Hierunter fallen Unternehmen

  1. mit über 250 Mitarbeitern,
  2. mit über 50 Millionen Euro Jahresumsatz,
  3. mit einer Bilanzsumme von über 43 Millionen Euro.

Mit Einführung des Gesetzes gab es damit erstmals die Pflicht für über 50.000 Unternehmen, am Energieaudit teilzunehmen. Diese Betriebe sind dazu verpflichtet, alle vier Jahre wieder am Audit teilzunehmen. Alternativ haben sie zwischenzeitlich ein Energiemanagementsystem eingeführt, das mit der DIN EN ISO 50001 quasi den Freispruch über die Verpflichtung zum Energieaudit spricht. Während große Unternehmen mit eben diesen Kriterien die Pflicht haben, ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 durchführen zu lassen, da sie sonst Strafen im fünfstelligen Bereich riskieren, haben kleinere Unternehmen diese Pflicht nicht. Wohl aber gibt es Lockangebote, wie beispielsweise Förderprogramme, die eine Bezuschussung zum Energieaudit oder zur Einführung eines Energiemanagementsystems ermöglichen. Die Förderungen erstrecken sich dann auf Messtechnik, Software und die Zertifizierung selbst.

Das Energieaudit gehört in die Hände eines qualifizierten Fachexperten

Und wieder ist es eine Norm (die DIN 16247), die eine weitere Spielregel rund ums Energieaudit festlegt. Darin wird nämlich bestimmt, wer die Durchführung des Energieaudits übernehmen darf. Damit das Energieaudit auch rechtskräftig ist und anerkannt wird, muss ein qualifizierter Fachexperte das Audit durchführen. Dieser stammt idealerweise nicht aus dem Unternehmen bzw. darf in diesem Fall keinesfalls mit den Audit-Maßnahmen in Verbindung stehen. Eine unabhängige Beratung ist darüber hinaus Pflicht. Die beste Wahl fürs Energieaudit ist in diesem Zusammenhang die Beauftragung eines unabhängigen Energieberaters.

Ein Blick in die Praxis: Was beim Audit passiert und was es bringt

Für Unternehmer sinkt die Hemmschwelle zusehends, wenn Transparenz darüber besteht, was im Zuge eines Audits im Unternehmen passiert. Die Bode Planungsgesellschaft für Energieeffizienz definiert die einzelnen Schritte beim Energieaudit so:

  1. Zunächst erfolgen der Erstkontakt im Betrieb, die Abwägung und die Angebotserstellung.
  2. Stehen die Rahmenbedingungen fest, findet die erste Besprechung statt sowie die Analyse der jeweiligen Schwerpunkte im Betrieb.
  3. Anschließend geht es um die Erfassung von bereits im Unternehmen vorliegenden Daten. Auch wird es einen Maßnahmenkatalog geben, der regelt, wie die Beschaffung der Verbrauchsdaten erfolgen soll.
  4. Die nächste Phase bezeichnet die Erhebung der notwendigen Daten im Betrieb. Die Planung des Außeneinsatzes wird im Zuge dessen in die Praxis umgesetzt. Es erfolgt die Vor-Ort-Analyse benötigter Daten.
  5. Mit den erhobenen Daten wird anschließend eine Analyse durchgeführt, die Schwachstellen und praxisorientierte Handlungsoptionen aufzeigen soll. Aus den erhobenen Daten und den Tipps für die Umsetzung wird ein Bericht kreiert, der dem Unternehmen als Leitfaden dienen soll.
  6. Dieser wird ans Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (kurz: BAFA) übergeben. Nach einem Abschlussgespräch im Betrieb liegt im Idealfall ein Maßnahmenkatalog inklusive Zeitplan vor, der die Umsetzung der Ableitungen dokumentiert bzw. ausweist.

Wer diese Schritte durchläuft, beendet diese Phase im Betrieb mit einer Zertifizierung nach DIN EN 16247-1. Als Energieauditoren fungieren dabei die Profis vom Planungsbüro, die vor allem auch inhaltlich das Thema wertig machen, denn: Im Planungsbüro geht es nicht nur um das finale Zertifikat, sondern vielmehr um die praktischen Inhalte, die aus den Messungen abgeleitet werden sollen.

Das Planungsbüro fungiert als Energieberater für Betriebe

Während der Energieberater im Privatbereich berät, welche energiesenkenden Maßnahmen sinnvollerweise umzusetzen sind, übernimmt das Planungsbüro eben diese Aufgabe für den Betrieb. Auch hier stehen die Interpretation der erhobenen und dokumentierten Werte an sowie die Ableitung von praxisrelevanten Energieeinsparpotentialen. Im Fokus stehen dabei die Verringerung des CO-Ausstoßes, die Senkung des Energiebedarfs und die Kostenersparnis als unmittelbare Folge davon. Während es im Privaten beispielsweise darum geht, beim Waschen und Kochen Energie zu sparen, kann eine effizientere Beleuchtungstechnik im Betrieb bereits große Einsparpotentiale mit sich bringen. Darüber hinaus bringt das Energieaudit Unternehmer in einen rechtssicheren Raum, denn mit dem Energieaudit nach DIN EN 16247-1 erfüllen Unternehmen auch die gesetzlichen Auflagen. Kleinere Betriebe, die nicht per Gesetz verpflichtet sind, können von Zuschüssen und Fördermaßnahmen profitieren.

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