United Media nutzt eigene Chancen auf dem sich ändernden Telekommunikationsmarkt

Es sind nicht nur die Global Player wie Telekom und Vodafone, die den Telekommunikationsmarkt beherrschen. Ralph Dommermuth, Chef von United Internet und inzwischen auch CEO bei der erheblichen größeren Telekommunikationstochter 1&1 Drillisch AG, beobachtet den Markt. Und auf dem ist einiges in Bewegung, was Chancen für die Wettbewerber ermöglicht.

Übernahme, Breitbandausbau und Frequenzvergabe

Es sind vor allem drei Felder, auf denen sich der Markt zurzeit stark verändert und der für alle Wettbewerber Chancen bietet. Da ist zunächst einmal der Plan von Vodafone, den Kabelanbieter Unitymedia zu übernehmen. Gleichzeitig beobachten die Unternehmen aufmerksam die Pläne der Bundesregierung, den Breitbandausbau massiv zu beschleunigen. Für den möglichst schnellen Anschluss aller Haushalte an das Glasfasernetz stehen Fördermittel bereit - allerdings hapert es bislang an der Umsetzung. Und dann ist da noch die Vergabe der Lizenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G, vorgesehen für Anfang nächsten Jahres. Wegen Unstimmigkeiten bei den Vergabebedingungen wurde sie auf diesen Termin verschoben. Bei der Lizenzvergabe sieht Dommermuth Chancen für sein Unternehmen, denn: Entgegen der bisherigen Verfahrensweisen bei denen nur die großen der Branche zum Einsatz kamen, sollen nun Teile des Spektrums für regionale Anbieter reserviert werden. Konkret heißt das: Telekom, Vodafone, und Telefonica (O2) sind dann verpflichtet gegen Gebühr Mitbewerbern Zugang zu Ihrem Mobilfunknetz zu verschaffen. Kommt es dazu, besitzt der United Internet Konzern streckenweise eigene Netze. Zu diesem Unternehmen zählen auch die 1&1 Drillisch AG, Internetdienste wie GMX und Web.de sowie der Hostinganbieter Strato.

Zusammenarbeit mit Kommunen

Der United Internet Chef will mit einem Co-Invest-Modell Kommunen mit ins Boot holen. Gleichzeitig unterstreicht er damit seine Forderung, bei der Vergabe der 5G-Lizenzen National Roaming zuzulassen. Gerade im großflächigen, dünn besiedelten ländlichen Raum scheitert die Ansiedlung neuer, innovativer Unternehmen immer wieder an der fehlenden Infrastruktur für das Internet. Dommermuth schlägt den Lokalpolitikern vor, Flächen für die Antennen zur Verfügung zu stellen. Dienstleister bauen dann die Technik auf, 1&1 betreibt das Netz und stellt es gegen Gebühr auch Wettbewerbern zur Verfügung. Das, so Dommermuth, funktioniert auch ohne Fördermittel und bringt die Gemeinden in eine aktive Position: Sie müssten nicht mehr auf den Netzbetreiber warten, der bei Ihnen den Ausbau übernimmt. Eine andere Idee des United Internet Chefs ist, die Investitionen der Telekommunikation-Anbieter zu bündeln. Dann hätte seine Unternehmensgruppe einen direkten Zugriff auf das Netz: Das bedeutet eine deutlich größere Wertschöpfungstiefe, zurzeit zahlt United Internet eine Milliarde Euro für die Netz-Nutzung der Konkurrenten.

Vom Wiederverkäufer zum Betreiber

United Internet hat eine lange und erfolgreiche Entwicklung hinter sich. Das zeigt der Aktienkurs: Wer im Mai 2015 eine Aktie kaufte, zahlte dafür 22,05 Euro, Ende Mai 2018 liegt der Wert bei 55,46 Euro: Das ist das Zweieinhalbfache! Gestartet ist der Provider aus Montabaur Mitte der 1990er Jahre als reiner Telekom-Wiederverkäufer. Dann entwickelte sich 1&1 unter dem Dach von United Internet beständig weiter: zum Betreiber von Rechenzentren und zur Übernahme der E-Mail-Dienste GMX sowie web.de. Seit 2014 zählt auch Versatel zur Unternehmensgruppe, zuvor ein reiner Privatkunden- und Business-Carrier. Mit der Übernahme der Drillisch AG 2017 entwickelte Dommermuth sein Unternehmen endgültig zu einem ernsthaften Konkurrenten der großen Drei: Telekom, Vodafone und Telefonica (O2). So sehen es die Branchenkenner, nachzulesen unter .

Zugriff auf Telefonica-Netze

Schaut man sich die im Detail an, ist festzustellen, dass 1&1 das Netz aus dem Telefonicaverbund mitnutzt. Der Zugriff darauf soll auch in 30 Jahren noch bestehen bleiben . Dommermuth kann mit seinem Unternehmen eigene Vermittlungsrechner und Backbone-Netze einsetzen und dabei nur noch die Telefonica-Antennen benutzen. Kommen dazu später zusätzlich eigene Lizenzen und Frequenzen, besitzt das Unternehmen eine in Deutschland einzigartige Ausgangsposition für das eigene Mobilfunknetz.

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