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Vorsicht bei Krediten und Geldanlagen mit Negativzinsen

Verbraucherfalle Finanzmarkt

Die Niedrigzinsphase hat die Konsumlaune der Verbraucher angekurbelt. Auch die Bereitschaft einen Kredit aufzunehmen, ist gestiegen. Insbesondere Fahrzeuge, Möbel und Elektrogeräte werden gern auf Pump gekauft. Leider ruft die Kauflaune der Deutschen auch schwarze Schafe des Finanzmarkts auf den Plan. Sogar Banken stehen im Fokus von Verbraucherschützern.

Mehr Verbraucherkredite und verlockende Angebote

Die Deutschen sind in Kauflaune und bereit für ihren Konsum Kredite aufzunehmen. Wie die Ergebnisse des der privatwirtschaftlichen Wirtschaftsauskunftei SCHUFA zeigen, wurden 2017 im Vergleich zum Vorjahr 4,4 Prozent mehr Verbraucherkredite abgeschlossen. Die Zahl der Kredite stieg damit erstmals auf über acht Millionen. Die durchschnittliche Kredithöhe zeigt sich zwischen 2015 und 2017 nahezu konstant. 2017 lag sie bei 10.272 Euro je Kredit.

Das Nachsehen bei der Kreditvergabe haben viele Selbstständige, Berufseinsteiger und Rentner. Während Selbstständige häufig kein regelmäßiges Einkommen generieren und Banken bei Rentnern aufgrund des hohen Lebensalters damit rechnen, dass der Kreditnehmer während der Rückzahlungsphase stirbt, befinden sich Berufseinsteiger in der Ausbildung oder Probezeit. Letzteres wird meist nicht akzeptiert, stattdessen wird ein unbefristetes Arbeitsverhältnis vorausgesetzt. Für Kreditinstitute ergeben sich bei Rentnern, Selbstständigen und Berufsanfängern erhöhte Risiken, was die Chancen auf einen Kredit erheblich schmälert. Kommt zur schlechten Bonität ein Negativeintrag bei der Schufa, wird die Kreditaufnahme unmöglich. Zumindest bei klassischen Kreditinstituten.

In finanziellen Notlagen scheinen Kredite verlockend, die ohne Abfrage bei der Schufa vergeben werden. Das Bankportal informiert Verbraucher über diverse Themen rund um Finanzen und erläutert in einem Ratgeber, warum besonders kritisch ausgewählt werden sollte. Derartige Angebote werden häufig von unseriösen Vermittlern präsentiert, die im Vorfeld hohe Gebühren in Rechnung stellen, letztlich aber keine Kredite vermitteln. „Häufig sind diese Vermittler auch in keinem Register eingetragen und können im Zweifelsfall auch nicht die geforderte Zulassung gemäß Paragraf 34 Gewerbeordnung (GeWo) vorweisen“, so das Verbraucherportal. Sollte die Zahlung von Vorauskosten verlangt oder gar gesetzlich unzulässige Koppelgeschäfte (Kredite, die den Abschluss von Bausparverträgen, Lebensversicherungen oder Ähnliches voraussetzen) angeboten werden, sind die Kreditanbieter unseriös. Dennoch gibt es am Finanzmarkt sichere Optionen, um Kredite aufzunehmen, die weder eine Schufa-Anfrage noch einen Schufa-Eintrag nach sich ziehen. Im genannten Finanzratgeber werden neben Arbeitgeberdarlehen und Verwandtendarlehen der Kreditvermittler Maxda sowie Bon-Kredit, Credimaxx und Credicom als seriöse Anbieter genannt. Aufgrund des höheren Risikos für die Kreditgeber müssen Kreditnehmer mit höheren Zinsen gegenüber klassischen Bankkrediten rechnen. Welches Mindesteinkommen verlangt wird, ist anbieterabhängig.

Geldanlagen mit Negativzinsen

Die Volksbank in Reutlingen hat auf bestimmte Tages- und Festgeldkonten Negativzinsen erhoben. Unter anderem auf Tagesgeld (VR-FlexGeld) ab 10.000 Euro. Beworben wurde dieses Produkt als Geldanlage. „Die von der Bank im Preisverzeichnis verwendeten Klauseln benachteiligen nach §307 BGB Verbraucher unangemessen, weil sie im Widerspruch zum Grundgedanken der gesetzlichen Regelung stehen“, so die Verbraucherzentrale online. Der Negativzins gefährde außerdem den Vertragszweck, welcher bei Verträgen zur Altersvorsorge oder Geldanlage darin bestehe angelegte Summen zu erhalten oder zu vermehren. Das Urteil ist rechtskräftig, der Klage wurde vom Landgericht Tübingen stattgegeben. Das Gericht stellte im Verfahren klar, dass für bestehende Geldanlageverträge entsprechende Negativzinsen nicht mit Klauseln eingeführt werden dürfen, wie sie die Volksbank Reutlingen genutzt hat.

Nicht weniger ärgerlich als unseriöse Kreditangebote sind Negativzinsen, die Banken auf Geldanlagen von Privatpersonen erheben. Dieses Verhalten der Kreditinstitute führt regelmäßig zu Beschwerden seitens der Verbraucher. Laut Verbraucherzentrale Baden-Württemberg ist das Erheben von negativen Zinsen auf Geldanlagen rechtswidrig, weshalb sie bereits in einem Verfahren erfolgreich geklagt hat. Die wesentlichen Fakten zusammengefasst: Die Verbraucherzentrale weist jedoch darauf hin, dass Banken durchaus berechtigt sein können Entgelt für die Geldverwahrung von Privatkunden zu verlangen. „Haben Sie etwa mit Ihrer Bank einen sogenannten Verwahrungsvertrag abgeschlossen und hierbei ein Entgelt vereinbart, stellt sich die Rechtslage womöglich anders dar“, so der Hinweis. Dennoch sind Verbraucher gut beraten nicht alles ohne Gegenwehr zu akzeptieren. Der genannte Fall zeigt, dass auch bei seriösen Banken rechtswidrige Klauseln nicht auszuschließen sind.

Vorsicht vor Anlagebetrügern

Das Privatvermögen der Deutschen ist immer wieder Gegenstand betrügerischer Vorkommnisse. Ob Gewinnversprechen mit horrenden Risiken, zwielichtige Angebote via Telefonkontakt oder raffinierte Folgegeschäfte mit hohen Anlagesummen: Die Tricks sind vielfältig und können jeden treffen. Erst Anfang des Jahres wurde ein Anlagebetrüger aus Herne vom Landgericht Bochum zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt (). Unter anderem hatte er ein Ehepaar aus Recklinghausen schamlos um Ersparnisse gebracht. Der Schaden beträgt laut Urteil mindestens 170.000 Euro. Der Bundesverband deutscher Banken hat auf seiner Internetpräsenz arrangiert, um Verbrauchern das Erkennen unseriöser Machenschaften zu erleichtern. Für den Ernstfall rät der Bankenverband: „Wer auf einen Anlagebetrüger hereingefallen ist, sollte sofort Anzeige bei der Polizei erstatten.“

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