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Vorzeitige Berufsunfähigkeit - ist die Berufsunfähigkeitsversicherung noch zeitgemäß?

Statistiken zufolge wird jeder vierte deutsche Arbeitnehmer vorzeitig berufsunfähig und kann seine Tätigkeit nicht bis zum Rentenbeginn ausüben. Ab wann ein Beschäftigter tatsächlich berufsunfähig ist, wird durch das Versicherungsvertragsgesetz geregelt. Mit einer staatlichen Rente können Versicherte jedoch nur bei einer mindestens 50-prozentigen Berufsunfähigkeit rechnen. Darüber hinaus muss die Unfähigkeit zur Ausübung einer beruflichen Tätigkeit von einem Arzt diagnostiziert und von einem Gutachter bestätigt werden.

Finanzlücke durch krankheitsbedingten Jobverlust

Für zahlreiche Arbeitnehmer führt der krankheitsbedingte Jobverlust zu einer finanziellen Notsituation. Über eine Berufsunfähigkeitsversicherung verfügt im Gegensatz zu vergangenen Jahrzehnten inzwischen längst nicht mehr jeder Beschäftigte. Wer bei nur staatliche Unterstützung bezieht, ist häufig gezwungen, beim Sozialamt zusätzliche Leistungen zu beantragen. Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung können finanzielle Engpässe vermieden werden. Dennoch sollten wichtige Fakten beachtet und unterschiedliche Versicherungen miteinander verglichen werden. Ein neutraler, unabhängiger Tarifvergleich ermöglicht eine objektive Beurteilung unterschiedlicher Versicherungsmodelle. Zu den wichtigsten Entscheidungskriterien einer Berufsunfähigkeitsversicherung gehört der Prognosezeitraum. Diese Klausel, die im Versicherungsvertrag festgeschrieben ist, zeigt an, wie lange die Berufsunfähigkeit mindestens bestehen muss, bevor der Versicherungsnehmer die Berufsunfähigkeitsrente in Anspruch nehmen kann. Abhängig vom Versicherer können diese Bedingungen sehr unterschiedlich ausfallen. Die Zeitspannen, die für den Leistungsanspruch festgesetzt sind, variieren zwischen drei Monaten und drei Jahren. Von den meisten Versicherungsträgern wird ein dreijähriger Prognosezeitraum festgesetzt. Allerdings stellen die wenigsten Ärzte eine solche langfristige Prognose aus, sodass sich ein langer Prognosezeitraum für Versicherte als nachteilig erweist. Um den Versicherten die Möglichkeit einzuräumen, unter diesen Umständen eine Rente zu beziehen, werden auch Berufsunfähigkeitsversicherungen mit verkürzten Prognosezeiträumen angeboten. Bei dieser Versicherungsvariante wird die BU-Rente bereits bei einer prognostizierten Berufsunfähigkeit von voraussichtlich sechs Monaten bezahlt.

Private Vorsorge zur Existenzsicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gehört zwar nicht zu den günstigsten Versicherungen, dennoch kommt es ohne Versicherungsschutz durch den Verdienstausfall bei vorzeitiger Berufsunfähigkeit zu Finanzproblemen. Das , berufsunfähig zu werden, steigt mit dem Alter an. In der Gruppe der Fünfzig- bis Sechzigjährigen ist bereits jeder zweite Arbeitnehmer gefährdet. Hohe Anforderungen am Arbeitsplatz, Dauerstress, Überstunden und Personalabbau führen häufig zu chronischen Krankheiten. Die staatliche Rente, die bei erwiesener Berufsunfähigkeit ausbezahlt wird, reicht in den meisten Fällen nicht zur Deckung der Lebenshaltungskosten. Ein zusätzlicher Versicherungsschutz durch eine private Berufsunfähigkeitsversicherung macht deshalb in jedem Falle Sinn. Die private Vorsorge stellt für die meisten Menschen die einzige Möglichkeit zur Existenzsicherung im Fall einer Berufsunfähigkeit dar. Damit die Auszahlung im Schadensfall gewährleistet ist, dürfen bei Vertragsabschluss keine ungenauen, falschen oder fehlerhaften Angaben gemacht werden. Vor der Entscheidung für eine Berufsunfähigkeitspolice sollten die Vertragsbedingungen genau gelesen werden. Häufig finden sich Ausschlusskriterien und Einschränkungen hinsichtlich unterschiedlicher Krankheiten, sodass der Versicherungsschutz bei bestimmten Erkrankungen eventuell nicht ausreicht. Arbeitnehmer, die einen mit erhöhtem Gesundheitsrisiko ausüben (Baustelle, Fernfahrer)sollten eine Versicherung erst abschließen, wenn feststeht, dass eventuelle Berufskrankheiten vertraglich abgedeckt sind. Ein entscheidender Faktor für die Absicherung ist auch die Laufzeit der Berufsunfähigkeitsversicherung. Da das durchschnittliche Renteneintrittsalter derzeit bei 67 Jahren liegt, sollte die Versicherung auch bis zu diesem Zeitraum abgeschlossen werden, damit keine finanzielle Lücke entsteht. Grundsätzlich haben Selbstständige, die weniger als 60 Monate Beiträge an gesetzliche Rentenversicherung gezahlt haben, bei vorzeitiger Berufsunfähigkeit keinen Leistungsanspruch. Zur Sicherung des Grundeinkommens ist der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung für Freiberufler und Selbstständige besonders wichtig. Bei den meisten Versicherungsträgern besteht die Möglichkeit, die Höhe der monatlichen Rentenbezüge an den individuellen Bedarf anzupassen.

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