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Der Musiker Sebel hat einen Song zum Coronavirus geschrieben.

Ein Lied geht um die Welt

"Zusammenstehen" von Sebel: Musiker aus Recklinghausen landet Überraschungshit

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Die Corona-Krise als Chance für die solidarische Gemeinschaft - das ist ein schöner Gedanke. Diesen hat der Recklinghäuser Musiker Sebel jetzt in einem Song verarbeitet: "Zusammenstehen". Das Lied geht um die Welt - und ist schon jetzt ein Hit.

  • Sebel ist ein Musiker, Filmemacher und Fotograf aus Recklinghausen.
  • Sein Song "Zusammenstehen" ist als Mitmachprojekt angelegt.
  • Bisher hat Sebels Song schon mehr als zwei Millionen Klicks auf YouTube.

Update, 3. April, 15.30 Uhr: Die Marke von zwei Millionen Klicks bei YouTube hat Sebel geknackt: Genau 2.000.698 Mal wurde das Video vom Song "Zusammenstehen" jetzt aufgerufen. 

Das freut auch die Deutsche Orchester-Stiftung: Bei der bundesweiten Spendenaktion für freischaffende Musiker sind inzwischen 938.000 Euro zusammengekommen. "Das sind tolle Signale für den großen Zusammenhalt der gesamten Musikszene in dieser Krise", sagte der Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung, Gerald Mertens, am Freitag. Die Kampagne #MusikerNothilfe läuft seit knapp drei Wochen.

Ein wichtiger Spender ist nach Angaben der Stiftung Sänger Sebel. Alle Erlöse aus dem Lied sollen in den Fonds fließen. 

Die deutschen Single-Charts verpasst, bei iTunes aber schon weit vorne

Update, 2. April, 6.10 Uhr: Für die offiziellen deutschen Single-Charts hat es in dieser Woche noch nicht gereicht. Dennoch ist "Zusammenstehen" schon jetzt ein Überraschungshit. Die zwei Millionen Klicks bei YouTube dürften in diesen Tagen erreicht werden: Dabei wollte sich der Singer-Songwriter Sebel aus Recklinghausen nur den Frust von der Seele schreiben - und hat bei Zuhörern in der Coronakrise weltweit einen Nerv getroffen. "Ich hatte nie vor, den großen Corona-Hit zu schreiben. Ich habe nur getan, was ich immer schon tue: Meine Gedanken und Emotionen in ein Lied fließen lassen", sagte der 39-jährige Musiker der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch.

Update, 31. März, 16.33 Uhr: Mittlerweile hat Sebel auch eine englischsprachige Version seines Coronasongs mit dem Titel "We kan make a change - SEBEL feat. Jan Loechel & Christina Lux" veröffentlicht. 

Wie der Musiker aus Recklinghausen auf seinem Facebook-Kanal berichtet, sitzt er täglich im Studio und verarbeitet die ihm zugesandten Aufnahmen: "Den Tränen nahe, frage ich mich gerade wie in den letzten 10 Tagen so viel kreative Energie von so vielen tollen Leuten frei gesetzt werden konnte und in etwas so Gutes, wie dieser englischen Version des Songs "Zusammenstehen" fließen konnte. Das alles, nach weniger als zwei Wochen! So viele Leute schicken mir Aufnahmen aus ihren Homestudios, von Husum, über Malta bis Los Angeles, vom Dudelsack bis hin zum Streichquartett. Menschen singen zu diesem Song und übersetzen den Text in andere Sprachen. Wahnsinn!"

Sebel: Großes Versprechen an die Mitstreiter

Und Sebel verspricht seinen Mitstreitern eines: "In meinem Studio bringe ich all das, was die Menschen mir schicken zusammen und mache Musik daraus. Und jeder! wird in den finalen Mix der „Endversion“ integriert. Das ist mein Versprechen!" Das Projekt solle zeigen, wie viel künstlerische Energie "da draußen" schlummert. 

Am Ende hat er noch eine Bitte: "Es liegt jetzt auch in der Hand von euch allen zu Hause, die Radiosender mit Musikwünschen von euren Lieblings-Independent-Künstlern zu bombardieren, damit unsere Musiklandschaft auch in Zukunft bunt und vielfältig bleibt!" So will es Sebel mit seinem Song in die Charts schaffen - und das ist bei so viel Aufmerksamkeit durchaus möglich. Am Dienstag hat es der Song "Zusammenstehen" auf jeden Fall schon in die Top-30 der iTunes-Downloads in Deutschland geschafft. Schon am Mittwoch (1. April) werden wieder die neuen Charts veröffentlicht. Mal sehen, ob Sebel dabei ist. 

Übrigens: Sämtliche Einkünfte aus Streaming und Download spendet Sebel an die Deutsche Orchesterstiftung.  

Update, 31. März, 9.30 Uhr: Der Coronasong von Sebel ist gerade mal seit zwei Wochen auf YouTube zu sehen. Trotzdem wurde das Video bisher schon fast zwei Millionen Mal geklickt. Ein riesiger Erfolg für den Künstler aus Recklinghausen. 

Da der Song als Mitmachprojekt gedacht ist, hat Sebel auch von Anfang an Noten und Text bei Facebook veröffentlicht. Der Plan: Musiker aus aller Welt spielen ihre eigenen Versionen ein, nehmen Kontakt zu Sebastian Niehoff - so sein bürgerlicher Name - auf und senden ihm eine geeignete Aufnahme.

Am Ende will Sebel dann die möglichst vielen Aufnahmen kombinierten - und einen Song mit verschiedenen Musiker, Instrumenten, Chören zusammenstellen. "An alle Musikerkollegen! Würd mich freuen, wenn das am Ende was Schönes gibt!", schreibt er dazu.

Bisher sind bereits großartige Ergebnisse zusammen gekommen. Sebel schreibt: "Ich bekomme eine Gänsehaut nach der anderen, wenn ich jeden morgen aufs Neue in die Aufnahmen von euch reinhöre! Mittlerweile sind es ca.130 verschiedene Künstler und Musiker aus allen Herrenländern. Egal, ob prominente Sänger oder Hobbymusiker! Und es funktioniert und klingt wunderbar! Jeder bekommt seinen Spot!"

Besonders beeindruckend ist die italienische Version "Insieme", die in Italien erfolgreich gespielt wird - unter anderem von Radiosendern.

Wer den Text nachsingen will - hier sind die Zeilen:

Zusammenstehen

Es traf uns wie ein Schlag ins Gesicht, aus ´nem fiesen dunklen Hinterhalt.

Erst Einen, dann Zwei, dann gleich Tausende und es ist kein Ende in Sicht.

Auch der Kiosk um die Ecke macht die Schotten dicht. Ich weiß es tut weh, doch anders geht es nicht.

Doch - ich glaub´, daß sich gerade was Großes tut, zwischen hier und dem Ende der Welt.

Nichts bleibt wie es war, die Weichen werden neu gestellt. Ich bleib´ Optimist und ich geb´ nicht auf.

Am Ende kommt bestimmt was Gutes raus!

Refrain:

Wir können etwas schaffen, wenn wir als Menschen das Große und Ganze sehen - und in den Kampf gehen gegen das Virus, weil wir alle zusammen stehen!

Es geht ein Gespenst um die Welt und es ist scheißegal, ob arm oder reich, ob schwarz oder weiß... Jedes verlorene Leben ist ein zu hoher Preis!

Auch wenn es droht, daß es alles auseinander reisst, könnt´ es sein, daß es uns alle zusammenschweißt.

Ich glaube an das Gute und ich hör´ damit nicht auf!

Update, 23. März, 18 Uhr: Dass der Song zum Coronavirus so durch die Decke geht, hätte Sebel wohl selbst nicht unbedingt vermutet. Mittlerweile wurde "Zusammenstehen" auf YouTube mehr als 1,7 Millionen Mal aufgerufen - und das innerhalb von gerade mal einer Woche. 

Coronasong: Einnahmen werden direkt gespendet

Der Song ist unter anderem bei Spotify zu hören, aber auch bei anderen Streamingdiensten wieApple Music oderAmazon Music. Den finanziellen Erfolg will der Recklinghäuser Musiker übrigens weitergeben: Die mit dem Lied verbundenen Einnahmen gehen an die Deutsche Orchesterstiftung. Dazu schreibt Sebel: "Ich bin zu 100% unabhängig, habe weder eine Plattenfirma noch einen Verlag hinter mir. Ich habe mich entschieden, die Einnahmen dieses Songs an eine Gruppe aufzuteilen, die wie ich, auch finanziell massiv unter der Krise leiden werden: Freischaffende Künstler/Songschreiber und Musiker. Die deutsche Orchesterstiftung war die erste Stiftung, die auf seriöse Art und Weise einen Fond gegründet hat um schnell zu helfen und zu handeln."

Song von Sebel wird auch auf italienisch gesungen

Was Sebel noch mehr berührt: Der Song geht gerade um die Welt. Genau so, wie er es sich gewünscht hat, nutzen andere Künstler seine Musik, um den Song neu zu performen. Sogar auf italienisch wird er bereits gesungen. 

Sebel dazu: "Total geflasht!!! Ein Song geht um die Welt! Auf Italienisch von @riccardodoppio."

So haben wir bisher berichtet:

Recklinghausen - Sebel, eigentlich Sebastian Niehoff, ist in Bochum geboren, in Wanne-Eickel aufgewachsen und lebt und arbeitet heute in Recklinghausen. Der 39-Jährige ist ein künstlerisches Allround-Talent: Er ist Singer-Songwriter, Rockmusiker, Produzent, Filmemacher und Fotograf. Als Bandkollege von Stoppok ist Sebel vielen Fans bekannt, 2017 begleitete er den deutschen Rapper Alligatoah auf der Tour „Alligatoah & Sebel machen Akkordarbeit“ alleine auf der Hammond-Orgel. 

Recklinghäuser Musiker wurde 2019 ausgezeichnet

Zuletzt erhielt Sebel den „Panikpreis 2019“ der Udo-Lindenberg-Stiftung, der mit immerhin 5000 Euro dotiert ist. 800 Bands und Einzelkünstler hatten sich im vergangenen Jahr um den „Panikpreis“ beworben. Sebel war am Ende als einer von dreien erfolgreich.

Sebel hat sich Gedanken zum Coronavirus gemacht

Jetzt hat Sebel sich wieder ans Klavier gesetzt: Die Krise rund um das Coronavirus hat den Musiker zum Nachdenken gebracht. "Was sich gerade auf unserem Planeten abspielt, lässt mich nicht kalt und ich bin fest davon überzeugt, dass dies ein tiefer Einschnitt in der Geschichte unserer Gesellschaft, so wie wir sie kennen und täglich leben, sein wird. Nicht nur in unserem Land, sondern auf der ganzen Welt. Die Dinge werden sich gravierend ändern und sich neu ordnen", schreibt Sebel auf Facebook.

Sebel ist ein in Bochum geborener Musiker, Filmemacher und Fotograf.

Der Künstler geht mit seinen Gedanken in die Offensive, macht das, was er am besten kann - Gedanken in Musik einfließen lassen: "Ich glaube, wir haben derzeit noch keine Vorstellung davon, wie krass dieser Einschnitt sein wird. Es liegt jetzt in unseren Händen, wie wir aus dieser Krise hervorgehen. Diese Gedanken haben mich dazu bewegt, dieses Lied zu schreiben." Die Botschaft des Songs mit dem Titel "Zusammenstehen": "Wir müssen zusammenstehen!" Hier ist das Video zum Song:

Und Sebel hat noch eine wichtige Botschaft an andere Musiker: "Vielleicht hat ja der ein oder andere Musiker-Kollege Lust, zu diesem bis jetzt sehr sperrlich besetzen Arrangement beizutragen oder sogar eine Coverversion zu machen. Das würde mich sehr freuen!"

Auch ein weiteres Musikprojekt zum Coronavirus startet im Ruhrgebiet. Hier kann jeder mitmachen

Tobias Ertmer

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