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Gregor Gysi, hier noch als Hauptmann von Köpenick verkleidet, erhielt am Samstagabend die "Weiße Weste" der Gro-Re-Ka.

Karneval

Gregor Gysi trägt die "Weiße Weste"

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RECKLINGHAUSEN - Er kam in der Uniform des Hauptmanns von Köpenick und ging mit "Weißer Weste": Gregor Gysi, langjähriger Fraktionsvorsitzender der Linken im Bundestag, ist neuer Träger der begehrten Auszeichnung der Gro-Re-Ka.

Im Bürgerhaus Süd fand mit dem närrischen Gerichtshof am Samstagabend einer der Höhepunkte der noch jungen Karnevalssession statt. Mit Gregor Gysi und seinem nicht minder prominenten Pflichtverteidiger und Vorjahres-Westenträger Wolfgang Bosbach (CDU) erlebte das Publikum zwei bestens aufgelegte Hauptdarsteller, die eine absolut kurzweilige Vorstellung boten. Die Anklage gegen Gysi, vorgetragen von der närrischen Staatsanwältin Renate Fröhlich und ihrem Gehilfen, Bürgermeister Christoph Tesche, hatte es in sich: permanente Zuwiderhandlung gegen die Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages durch Dauerrednerei sowie Fahnenflucht aus der rot-roten Koalition im Stadtstaat Berlin nach nur einem halben Jahr im Amt des Senators. Außerdem: vorsätzliche Verschleppung und Widerstand gegen die deutsche Wiedervereinigung mit Aussagen wie „Wer die deutsche Einheit will, muss sich auch mit mir abfinden. Billiger ist sie nicht zu haben“. Dass er gern und viel spricht, räumte Gysi unumwunden ein: „Ich musste in der DDR über 40 Jahre die Schnauze halten, jetzt kommt alles raus.“ Dem konnte Verteidiger Bosbach nur zustimmen: „Versuche, die Niagarafälle zu stoppen, sind erfolgreicher als die Versuche, seinen Redefluss zu unterbrechen.“

Am Ende nutzten alle Verteidigungsbemühungen nichts, Gysi wurde als 29. Träger der „Weißen Weste“ nicht nur zum Schweigen verdonnert, sondern muss obendrein im nächsten Jahr im Gewand des Nachtwächters zu „Recklinghausen leuchtet“ kommen und das „dunkelste Loch in der Altstadt, den Caspar-Wesener-Platz“ beleuchten. Außerdem soll Gysi – wie es die Tradition will – als Pflichtverteidiger bei der nächsten „Weiße Weste“ auftreten und als Sozialist einen freien Demokraten rauspauken. Gysis Sorge, dass sich dafür kaum jemand finden lasse („Es gibt doch nur noch drei…“), scheint unbegründet: Wolfgang Kubicki, FDP-Bundesvize, gilt schon jetzt als heißester Anwärter auf die Auszeichnung der Gro-Re-Ka. Hier können Sie sich die komplette Gerichtsverhandlung noch einmal als Video ansehen: Tipp: Wenn Sie einen internetfähigen Fernseher, ein Apple TV, ein Amazon Fire TV oder einen Google Chrome Cast-Stick besitzen, können Sie die Aufzeichnung auch bequem im TV ansehen. Öffnen Sie einfach auf Ihrem Gerät die YouTube-App und suchen Sie nach "Medienhaus Bauer".

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