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Die Stadt will die Trauerhalle und das Verwaltungsgebäude auf dem Hochlarer Friedhof verkaufen.

Versammlung in Hochlar

Bürger wollen Trauerhalle behalten

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RECKLINGHAUSEN - 35 Mal wurde die Trauerhalle auf dem Hochlarer Friedhof im Jahr 2017 genutzt. Die Stadt zahlte 49.700 Euro drauf und will die Halle deshalb aufgeben. Bei einer sehr gut besuchten Bürgerversammlung sprachen die Hochlarer sich jedoch entschieden gegen diesen Einschnitt aus.

Die ehemaligen Ratsherren Heinz Stöcker (CDU) und Walter Schubert (SPD), die zu einer Bürgerversammlung zum Erhalt der Trauerhalle ins Pfarrzentrum St. Suitbert eingeladen hatten, waren im Vorfeld nicht sicher, mit welcher Resonanz sie rechnen konnten. Doch sie hatten wohl einen guten Riecher – die Hütte war voll. „Ich möchte eine Bestandsaufnahme, wie die Hochlarer ticken. Sonst streiche ich die Segel“, erklärte Stöcker, der sich für den Erhalt der Trauerhalle einsetzt. „Das Interesse ist überwältigend“, zeigte er sich beeindruckt.

Zum Hintergrund: Im November 2018 hat der Betriebsausschuss der Kommunalen Servicebetriebe beschlossen, Friedhofsimmobilien, die sich nicht rechnen wie die Trauerhalle auf dem Bergfriedhof in Hochlar, zu verkaufen, um das Gelände als Bauland auszuweisen. Dagegen formierte sich Widerstand. Peter Seeber, langjähriger evangelischer Priester, der die Menschen auf dem Bergfriedhof bestattete, machte in einer – wie er sie bezeichnete – weltlichen Protestpredigt seine Position deutlich. Eine Friedhofshalle sei doch kein wirtschaftliches Unternehmen, das sich rechnen müsse. Das könne doch nicht wahr sein, dass Angehörige und Freunde nicht mehr trockenen Hauptes Abschied nehmen könnten. „Wehrt euch“, appellierte der Geistliche. Die „flammende“ und amüsante Rede erntete Applaus.

Stöcker gab in einem kleinen Beamer-Vortrag die Eckdaten zur Trauerhalle bekannt. Diese sei 1975 erbaut worden und fuhr, wie sich aus Vorlagen ergebe, 2017 ein Defizit von 49.700 Euro ein. Als er anmerkte, dass erst mit 205 Bestattungen im Jahr eine kostendeckende Auslastung erfolge, quittierten das manche mit schmunzelnden Reaktionen, weil es sich natürlich um eine utopische Zahl handelt. 2017 seien 55 Bestattungen erfolgt. In 35 Fällen wurde die Trauerhalle genutzt. Für ihn sei die Auslastung nicht entscheidend. Bürgermeister Christoph Tesche stellte sich der Situationen und versuchte, die getroffene Entscheidung zu begründen. „Ich weiß, dass ich das ,Knäuel’ nicht auflösen kann“, erklärte Tesche. „Ich wünsche mir auch, dass die Trauerhalle erhalten bleibt. Leider hat sich die Bestattungskultur geändert. Wir haben beschlossen, dass der Erhalt der Stadtteilfriedhöfe den Trauerhallen vorgehe. Und das hast Du mitgetragen“, betonte das Stadtoberhaupt in Richtung seines Parteikollegen Stöcker. Die Friedhofsgebühren sollten stabil bleiben, damit eine Bestattung in Recklinghausen noch kostengünstig erfolgen könne. „Damit bleibt uns nichts anderes übrig, als uns den veränderten Zeiten durch einen Abriss der Trauerhalle zu stellen“, stellte Tesche klar. Insbesondere ältere Bürger äußerten in Wortbeiträgen, dass nicht finanzielle Gründe den Ausschlag geben dürften, sondern die schweren Momente des Abschieds einen würdigen Rahmen verdienten. Pfarrer David Formella bot an, die Suitbert-Kirche als Alternative nutzen zu können und sich durchaus veränderten Rahmenbedingungen gegenüber offen zu zeigen, wenn sich die Zeiten änderten. Er sprach sich dennoch für den Erhalt der Trauerhalle aus.

Das Meinungsbild war letztlich klar: Stöcker und Schubert wurden beauftragt, eine Petition auf den Weg zu bringen, die den Erhalt der Trauerhalle als Ziel formuliert. Tesche motivierte sogar das Plenum, ein Abwägungspapier einzureichen, mit dem sich die Verwaltung beschäftigen könne.

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