+
Renata Lindemann (l.) will etwas für die Gemeinschaft im Berliner Viertel tun. Elfriede Kippa (2.v.l.), Marliese Sorger mit Enkelin Vivian Schlöder (r.), Schwiegerenkel Kevin Schlöder sowie die Urenkel Maja und Tom sind dabei.

Berliner Viertel

Raus aus der Anonymität

  • schließen

RECKLINGHAUSEN - Rund 300 Menschen wohnen im Berliner Viertel. Obwohl Renata Lindemann seit 20 Jahren in dem Ortsteil lebt, kennt sie kaum jemanden. Das will sie nun ändern und organisiert für den 14. September ein Treffen für die Anwohner des Viertels. Erste Wegbegleiter hat sie schon gefunden.

„Das Berliner Viertel ist so schön“, schwärmt Renata Lindemann. „Die Häuser sind klein, aber fein. Es gibt einen super Kindergarten, einen Park und sogar ein Biotop“, zählt sie auf. Seit 20 Jahren lebt sie mit ihrem Mann an der Charlottenburger Straße. Das Einzige, was sie stört, ist die Anonymität.

„In unserer Reihe haben wir eine nette Nachbarschaft. Aber das sind ja nur fünf Häuser. Im Viertel leben aber rund 300 Menschen“, sagt Renata Lindemann. Der Generationswechsel ist für sie ein Grund für das Nebeneinander: „Viele alte Bewohner sind gestorben, die Häuser wurden verkauft. Und es ist schwer, Kontakt zu den neuen Nachbarn knüpfen. Auf der Straße trifft man ja kaum noch jemanden.“ Ein Bericht auf der Seite „Ü55“, die immer montags in unserer Zeitung erscheint, brachte sie auf die Idee, selbst aktiv zu werden. „Dort ging es um ein nachbarschaftliches Wohnprojekt in Haltern“, erzählt die Recklinghäuserin. „Als ich das las, dachte ich: Wir haben hier alle Voraussetzungen, aber trotzdem kennt man sich kaum.“ Das soll sich ändern.

Den vor Jahren eingeschlafenen Siedlerverein will Renata Lindemann nicht wiederbeleben: „Ich denke an unverbindliche monatliche Treffen, bei denen wir locker ins Gespräch kommen.“ Den ersten Termin hat sie bereits „eingestielt“, und zwar für Freitag, 14. September, 19 Uhr, im Lokal „Zur grünen Insel“. „Da kann man sogar hinlaufen“, sagt sie. Ideen für eine gesellige Nachbarschaft hat sie viele: „Vielleicht trifft man sich im Sommer zum Boule. Mein Mann würde gerne mit anderen Darts spielen. Es gibt bestimmt Familien, die mal jemanden brauchen, der auf die Kinder aufpasst…“, nennt sie einige Beispiele. „Und bald kommt wieder der lange Winter. Da ist es doch schade, wenn jeder allein zu Hause sitzt.“

Ihre Nachbarinnen Elfriede Kippa (86) und Marliese Sorger (82) hat sie bereits von der Idee überzeugt. „Es wäre schön, die Leute zu kennen, die jetzt hier wohnen“, sagt Elfriede Kippa. Seit 53 Jahren leben die beiden Frauen Tür an Tür an der Lichtenburger Straße. Sie haben nicht ständig aufeinandergegluckt, konnten sich aber immer aufeinander verlassen.

Mittlerweile ist auch die junge Familie Schlöder dazu gekommen. Vivian Schlöder ist die Enkelin von Marliese Sorger. Ihr Sohn Tom drückt die Uroma, Töchterchen Maja winkt von Papa Kevins Arm in die Runde. Sie alle wohnen ebenfalls im Berliner Viertel. „Als Kind war ich oft bei meiner Oma. Viele, mit denen ich damals gespielt habe, sind nach der Schule weggegangen und ziehen jetzt zurück“, sagt die junge Frau. Gute Voraussetzungen also, um das Miteinander wieder zu beleben. Den 14. September hat sie bereits in ihrem Kalender notiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Großeinsatz am Quellberg in Recklinghausen: Polizei findet die Tatwaffe
Großeinsatz am Quellberg in Recklinghausen: Polizei findet die Tatwaffe
Schalke: Trauriger Abschied von einem Kultspieler - ein anderer Ehemaliger jubelt dagegen
Schalke: Trauriger Abschied von einem Kultspieler - ein anderer Ehemaliger jubelt dagegen
Warum ein einfacher Spaziergang in Datteln zum Hausfriedensbruch werden kann
Warum ein einfacher Spaziergang in Datteln zum Hausfriedensbruch werden kann
19-Jähriger tot in seiner Wohnung gefunden - kein Hinweis auf Gewaltverbrechen
19-Jähriger tot in seiner Wohnung gefunden - kein Hinweis auf Gewaltverbrechen
Nächtliche Großrazzia an der Eichendorffstraße -  Ergebnisse liegen jetzt vor
Nächtliche Großrazzia an der Eichendorffstraße -  Ergebnisse liegen jetzt vor

Kommentare