Am 13. September findet auch in Recklinghausen die Kommunalwahl statt.
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Am 13. September findet auch in Recklinghausen die Kommunalwahl statt.

Wahl am Sonntag, 13. September

Kommunalwahl 2020 in Recklinghausen: Bürger rufen Bürger auf: Geht wählen!

An diesem Sonntag geht es um die politischen Weichenstellungen für die kommenden fünf Jahre. Es geht darum, die Wahlbeteiligung von der letzten Wahl zu steigern. Da waren es nur 48,7 Prozent.

Hand aufs Herz: Wir sind doch alle froh, dass wir die Schulzeit hinter uns haben. Aber das kann doch nicht der Grund sein, nicht noch einmal für fünf Minuten den Fuß in eine Schule zu setzen und in einem Klassenzimmer eine Handvoll schlichter Kreuzchen zu machen.

94.000 Recklinghäuser haben an diesem Sonntag die Wahl. Genau genommen noch etwa 73.000, denn mehr als 21.000 Recklinghäuser haben sich, wie berichtet, bereits per Briefwahl entschieden. Doch für die anderen gilt es nun zu entscheiden, wer Bürgermeister wird, wer in den Stadtrat einzieht, wer Landrat wird, wie der Kreistag zusammengesetzt wird – und wer die Interessen der Festspielstadt im Ruhrparlament in Essen vertritt. Klingt viel. Ist viel. Ist aber Demokratie. Was kann es Besseres geben?

Mehr als jeder zweite Recklinghäuser hatte bei der letzten Kommunalwahl vor sechs Jahren den Weg ins Wahllokal gescheut und auch nicht per Briefwahl abgestimmt. Mit 48,7 Prozent lag die Wahlbeteiligung unter dem Landesdurchschnitt (50 Prozent). Es waren noch einmal einige hundert Wähler weniger als 2009. Auch die gleichzeitig stattfindende Europa- und Bürgermeisterwahl vermochte die Wahlberechtigten nicht zur Stimmabgabe bewegen.

Es ist ja nicht so, dass solche Ergebnisse aus heiterem Himmel kommen. Die Wahlbeteiligung ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Beispielsweise könnte es ein Signal dafür sein, dass die emotionale Bindung einer größeren Zahl von Menschen an ihre Stadt schwindet. Es könnte auch daran liegen, dass die Kandidaten kaum klar erkennbare Perspektiven für Recklinghausens Zukunft aufgezeigt haben.

Und ja: Auch in diesem Wahlkampf suchte man die weitgehend vergeblich. Es kann auch sein, dass sich Leute einfach nicht für Politik interessieren oder nicht daran glauben, dass sie mit ihrer Stimme etwas beeinflussen können. Das geht dann bis zu der fatalistischsten aller Aussagen: „Die machen doch eh, was sie wollen.“ Das könnte einen dazu verleiten, ins allgemeine Trübsalblasen getreu dem Motto einzustimmen: Es lässt sich doch eh nichts ändern.

Die Recklinghäuser Zeitung tut das nicht. Mit unserer intensiven Berichterstattung in den vergangenen Wochen haben wir den Lesern die Kandidaten für den Rat und für das Amt des Bürgermeisters näher gebracht. Und wir erinnern heute daran, welch hohes Gut eine Wahl ist. Dafür haben wir bekannte und weniger bekannte Bürger gebeten, sich zur Wahl zu äußern. Deren Kernaussage ist eine einfache: Geht wählen!

Kommunalwahl 2020 in Recklinghausen: Bürger rufen Bürger auf: Geht wählen

Martin Brambach, Schauspieler: „Man sollte unbedingt wählen, um die anti-aufklärerischen, populistischen Kräfte vor allem vom rechten Rand des politischen Spektrums zu verhindern. Dass ein Mensch mit dem IQ eines Zwölfjährigen und der Impulskontrolle eines Kleinkindes Präsident einer der größten Demokratien werden konnte, sollte uns allen zu denken geben.“

Mehdi Noheh-Khan, Karnevals-Urgestein, stammt ursprünglich aus dem Iran: „Wählen ist wichtig, damit wir einen guten Bürgermeister bekommen, der die Interessen der Recklinghäuser vertritt. Manche Leute sind von der Politik enttäuscht und möchten nicht wählen. Das ist nicht gut, denn wir als Bürgerinnen und Bürger müssen wählen und uns für unsere Stadt einsetzen.“

Anette Shaw, Diakonie-Geschäftsführerin: „Ich gehe zur Wahl, weil ich in einem Land lebe, in dem ich an der Demokratie mitwirken kann, weil ich selbst entscheiden möchte und nicht die Entscheidungen anderen überlasse, weil ich Interesse an meiner Stadt habe und weil es durch meine Wahl extremistischen Parteien nicht so einfach gelingen kann, Einfluss zu bekommen.“

Björn Schmidt-Freistühler, Leiter Jugendtreff Hillerheide: „Wahlen sind ein elementarer Baustein der Demokratie. Mit meiner Stimme kann ich die Zukunft unserer Stadt mitgestalten und die mir persönlich wichtigen Themen zum Ausdruck bringen. Ich finde es wichtig, dass Politik mit einem starken Mandat ausgestattet ist, um dadurch die Demokratie im Allgemeinen zu stärken.“

Olaf Kröck, Intendant der Ruhrfestspiele: „Mit unserer Stimme gestalten wir die Stadt aktiv mit. Ich habe hier in den letzten zwei Jahren viele Kommunalpolitiker kennengelernt, die die Ruhrfestspiele sehr unterstützt haben. Das sind alles Vertreter demokratischer Parteien, die Vielfalt wollen und andere Meinungen aushalten und die sich keinem billigen Populismus hingeben.“

Kim Ostler, Handballerin der Eisenbahner Turngemeinde: „Ich rate jedem, wählen zu gehen. Ich habe nur eine kleine Stimme, doch die kann Großes bewirken. Wenn viele denken, dass ihre kleine Stimme kein Gehör findet und nicht wählen gehen, profitieren die Falschen davon. Ich arbeite mit behinderten Jugendlichen, die wählen dürfen, und spreche daher auch über Politik.“

Paul Bertels, Vorsitzender des Recklinghäuser Imkervereins: „Wählen zu dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Privileg. Wir haben durch die Briefwahl sogar den maximalen Komfort, unsere Stimme abzugeben. Geht wählen, sonst entscheiden andere für euch!“

Lara Schweda, Schülerin: „Auch für junge Menschen ist es wichtig, wählen zu gehen, damit sie daran teilhaben können, was künftig politisch passiert und entschieden wird. Teilweise stehen auch jüngere Menschen zur Wahl, die die Bedürfnisse und Wünsche von anderen Jüngeren kennen.“

Alina Meyer, RZ-Redakteurin: „Wählen zu gehen, sollte für uns selbstverständlich sein, gerade jetzt zur Kommunalwahl. Schließlich geht es jeden Bürger etwas an, was vor seiner Haustür in der Stadt passiert. Wenn wir nicht mitmischen, bekommen rechtsradikale Parteien womöglich noch mehr Zuspruch.“

Ariane Sondermann, Wirtin von „Der Recklinghäuser“: „Es ist wichtig, wählen zu gehen, um Verantwortung zu übernehmen und aktiv die Politik und somit eine positive Stadtentwicklung zu beeinflussen. Wichtig ist auch: Es entscheiden andere, wenn wir nicht wählen gehen!“

Frano Sesjak, Gastwirt im „Haus Breuing“, stammt ursprünglich aus Kroatien: „Ich habe schon per Briefwahl gewählt, denn bei uns ist am Sonntag normaler Betrieb. Wenn wir eine Demokratie haben wollen, müssen wir wählen gehen. Das ist superwichtig! Sonst kommen die dran, die wir nicht haben wollen.“

Christoph Bruns, Kapitän des Regionalligisten Citybasket: „Es gibt viele Gründe dafür, wählen zu gehen. Das Hauptargument ist, dass man, wenn man selbst nicht zur Wahl geht, anderen die Entscheidung überlässt. Gerade Kommunalwahlen sind wichtig, weil man darüber mitentscheiden kann, wer die Stadt oder den Kreis repräsentiert.“

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