Ein mutmaßlicher Feuerteufel aus Recklinghausen muss sich vor dem Bochumer Schwurgericht verantworten.
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Künstler Landgericht

Achtfacher versuchter Mord

85-Jährige leidet bis heute unter Folgen des Wohnungsbrands

  • Werner von Braunschweig
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Im März 2020 soll er Feuer gelegt haben in einem Mehrfamilienhaus an der Marienburger Straße. Seit Montag muss sich ein Recklinghäuser (28) vor dem Bochumer Schwurgericht verantworten.

Update, 26. Februar: Mit der Vernehmung des ersten direkt betroffenen Opfers ist am Freitag der Prozess um einen lebensgefährlichen Wohnhausbrand an der Marienburger Straße fortgesetzt worden. Eine 85-jährige Rentnerin leidet bis heute unter den Folgen der dramatischen Flammen-Nacht. „Wenn ich abends im Bett liege, geht mir das immer wieder durch den Kopf“, sagte die Seniorin am Bochumer Schwurgericht.

Die Nacht auf den 8. März 2020 wird die Anwohnerin wohl nie mehr vergessen. Sei habe bis kurz nach Mitternacht Fernsehen geschaut und sei dann schlafen gegangen. Anderthalb Stunden später sei sie „durch ein Piepen von einem Rauchmelder“ aus ihrer Tiefschlafphase gerissen worden.

Brennende Styroporplatten fielen von der Decke

„Im ersten Moment ging es mir in den Kopf, dass irgendetwas explodiert ist.“ Als sie die Schlafzimmertür geöffnet hatte, sah sie sofort Qualm und Flammen. Brennende Styroporplatten fielen von der Decke. „Ich bin im Nachthemd und barfuß ins Treppenhaus gelaufen“, so der Zeugin. Dann habe sie ein Polizist nach draußen begleitet.

Sowohl körperlich („Ich hatte die Füße und eine Hand verbrannt“) als auch seelisch waren die Folgen der Brandnacht massiv. Die Seniorin musste ihre zerstörte Wohnung verlassen, war monatelang auf Pflegeunterstützung angewiesen. Inzwischen lebt sie wieder in in „ihrer“ Wohnung.

Anklage lautet auf Mordversuch

Laut Staatsanwaltschaft soll ein vielfach verurteilter Strafhäftling bei einem Wochenend-Ausgang das Feuer gelegt haben, um sich an seiner Ex-Freundin, die in dem Mietshaus wohnt, zu rächen. Der 28-Jährige bestreitet das. Die Anklage lautet auf Mordversuch.

Erstmeldung, 22. Februar: Die Bewohner hatten großes Glück in jener Nacht im März vorigen Jahres. Sie kamen mit leichten bis mittleren Brandverletzungen davon. Gleich an mehreren Stellen soll der vorbestrafte Recklinghäuser Feuer gelegt haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich an seiner Freundin rächen wollte. Die hatte kurz zuvor per SMS mit ihm schlussgemacht.

Fluchtwege bewusst abgeschnitten

Gegen zwei Uhr nachts soll der wegen Diebstahls verurteilte Mann, der gerade Hafturlaub genoss, Wäschestücke auf den Fußmatten der vier Wohnungen verteilt, angezündet und so bewusst auch die Fluchtwege versperrt haben. Es sei allein glücklichen Umständen und der rechtzeitigen Brandentdeckung zu verdanken, dass nichts Schlimmeres passiert ist, hieß es. Alle acht Hausbewohner, darunter zwei Kinder und eine 84 Jahre alte Dame schwebten laut Anklage in Lebensgefahr.

Eine Anwohnerin (39) von der Marienburger Straße berichtete als Zeugin, dass sie nachts durch ein lautes „Piep-Geräusch“ (offenbar von einem Brandmelder) aufgeschreckt sei und den Notruf abgesetzt habe. „Ich bin dann sofort rüber und habe überall geschellt“, so die Augenzeugin. Die Seniorin erlitt Verbrennungen ersten und zweiten Grades an den Füßen. Im Nachthemd sei sie nach draußen geführt worden.

Verteidiger Olaf Krekeler erklärte, sein Mandant habe das Feuer nicht gelegt. Der 28-jährige vierfache Vater habe zum vermeintlichen Tatzeitpunkt in einer Kneipe gezecht.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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