Justizzentrum Bochum, Ostring, neuer Sitz von Landgericht, Amtsgericht und Arbeitsgericht sowie Staatsanwaltschaft Bochum am 05.01.2018 . Foto: Thomas Nowaczyk
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Am Landgericht Bochum wird in der kommenden Woche ein Urteil in einem Brandstiftungsprozess gesprochen.

Wohnungsbrand

Urteil nach Brandstiftung erwartet: 34-Jährigem droht Zwangseinweisung

  • Werner von Braunschweig
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Einem mutmaßlichen Brandstifter wird nach einem Wohnungsbrand an der Hochlarmarkstraße der Prozess gemacht. Das Urteil soll am Dienstag gesprochen werden.

Update, 8. Januar: Der Prozess um einen nächtlichen Wohnungsbrand an der Hochlarmarkstraße ist auf die Zielgerade eingebogen. Voraussichtlich am Dienstag, 12. Januar, wollen die Bochumer Richter ein Urteil verkünden. Folgen sie der Empfehlung einer Sachverständigen, steht der mutmaßliche Brandstifter (34) aus Castrop-Rauxel kurz vor der Zwangseinweisung in die geschlossene Psychiatrie.

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, in der Nacht auf den 6. Mai 2020 in die Wohnung eines vermeintlichen Nebenbuhlers an der Hochlarmarkstraße eingebrochen zu sein und dort das Bett im Schlafzimmer angezündet zu haben. Der Angeklagte räumt zwar ein, in der Wohnung seines Ex-Kumpels gewesen zu sein. Er will aber letztlich nur todmüde mit einer brennenden Zigarette in der Hand eingeschlafen sein.

Nach Hinweisen auf eine wahnhafte Erkrankung hatten die Richter der 9. Strafkammer am Bochumer Landgericht zuletzt eine Psychiaterin zur Frage der Schuldfähigkeit des 34-Jährigen hinzugezogen. Ergebnis: Eine Zwangsweinweisung wird zum Schutz der Allgemeinheit empfohlen.

Update, 15. Dezember: Dem Angeklagten (34) aus Castrop-Rauxel wird vorgeworfen, in der Nacht auf den 6. Mai 2020 in die Wohnung eines vermeintlichen Nebenbuhlers in Recklinghausen eingebrochen zu sein und dort das Bett im Schlafzimmer angezündet zu haben. Bei dem Feuer in dem Mehrfamilienhaus war zum Glück niemand verletzt worden. Die Brandmelder hatten angeschlagen, die Feuerwehr war schnell vor Ort.

Von einer gezielten Rache-Aktion durch eine Brandstiftung will der Angeklagte jedoch nichts wissen. Der 34-Jährige räumte zwar ein, in der Wohnung gewesen zu sein, für die er sogar einen Schlüssel gehabt habe. Aber eben nur, um auf seinen Ex-Kumpel zu warten, von dem er überzeugt gewesen sei, dass er ihm die Freundin ausgespannt habe. Er habe die Sache „unter Männern“ klären wollen, sei dann aber wohl dummerweise eingeschlafen – vermutlich mit einer brennenden Zigarette in der Hand.

Neben der mutmaßlichen Brandstiftung geht es vor der 9. Strafkammer am Landgericht Bochum auch noch um einen Messerangriff auf offener Straße und um Gewalt gegen Polizisten. Auch in diesen Fällen gibt sich der Angeklagte unschuldig. Die Richter haben nun ein Schuldfähigkeitsgutachten in Auftrag gegeben. Sollte der Angeklagte mit Blick auf mögliche weitere Straftaten als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft werden, könnte er in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden. Das Urteil wird voraussichtlich am 7. Januar 2021 verkündet.

Unsere Berichterstattung vom 2. November: Es war die Nacht auf den 6. Mai 2020, um kurz vor ein Uhr. Das Feuer war im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses ausgebrochen. Als Brandherd wurde später das Bett im Schlafzimmer ausgemacht. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte eingebrochen ist und das Feuer gelegt hat. Die Wohnung gehörte seinem Nebenbuhler.

Der 34-Jährige ist noch immer davon überzeugt, dass ihm der Wohnungsinhaber die Freundin ausgespannt hat. „Ich weiß, dass die was miteinander hatten“, sagte er den Richtern. „Das steht in ihren WhatsApp-Nachrichten.“ An jenem Abend habe er die Sache deshalb endgültig klären wollen. „Von Mann zu Mann.“

Angeklagter will mit Zigarette eingeschlafen sein

Er sei in die Wohnung seines Bekannten, für die er einen Schlüssel besessen habe. Irgendwann habe er sich in dessen Bett gelegt und sei eingeschlafen – vollgedröhnt und mit einer brennenden Zigarette in der Hand. Von Brandstiftung könne also keine Rede sein. „Ich habe dann plötzlich gemerkt, dass es total heiß wird“, so der Angeklagte vor dem Bochumer Gericht. „Da bin ich ab durchs Fenster.“

Er will einen Nachbarn noch aufgefordert haben, den Notruf zu wählen. Gewartet hat er allerdings nicht. Die Polizei brauchte nicht lange, um seine Spur aufzunehmen. Am nächsten Tag ist der 34-Jährige festgenommen worden. Dass bei dem Wohnungsbrand niemand verletzt wurde, war Glück. Die Brandmelder hatten sofort angeschlagen, die Feuerwehr war schnell vor Ort.

Castroper sieht sich unschuldig

Neben der Brandstiftung geht es im Prozess am Bochumer Landgericht auch noch um einen Angriff mit einem Cuttermesser und um Gewalt gegen Polizeibeamte. Auch in diesen Fällen will der Angeklagte unschuldig sein. Hier sprach er von Notwehr.

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