Vorwurf der sexuellen Belästigung: Ein Krankenpfleger soll in Recklinghausen eine schwerstkranke Frau begrabscht haben. (Symbolbild)
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Vorwurf der sexuellen Belästigung: Ein Krankenpfleger soll in Recklinghausen eine schwerstkranke Frau begrabscht haben. (Symbolbild)

Prozess am Amtsgericht

Pfleger soll ALS-Patientin in Recklinghausen sexuell belästigt haben

  • Jörn Hartwich
    vonJörn Hartwich
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Schlimmer Verdacht gegen einen Krankenpfleger: Er soll sich an einer bettlägerigen ALS-Patienten aus Recklinghausen vergangen haben. Im Prozess vor dem Amtsgericht Recklinghausen hat der Mann den sexuellen Übergriff jedoch bestritten.

Der 46-Jährige erklärte, dass er lediglich habe fühlen wollen, ob sich die Patientin eingenässt habe. Eine Vernehmung der Patientin als Zeugin ist aus Sicht des Gerichts jedoch zurzeit ausgeschlossen. Sie leidet an an amyotropher Lateralsklerose (ALS), einer unheilbaren Erkrankung des Nervensystems. Nach Angaben ihres Ehemanns kann sie nicht mehr sprechen, nur noch Sätze in ihr Handy tippen. Außerdem wird sie künstlich beatmet. Eine Vernehmung vor Gericht oder in ihrer Wohnung in Recklinghausen will der Frau aufgrund der aktuellen Corona-Situation niemand zumuten.

Patientin formuliert „Hilferuf“ auf einem Stück Papier

Laut Anklage hat der Krankenpfleger die Patientin im April während seiner Arbeit im Intimbereich berührt. Die Frau hatte sofort Alarm geschlagen. Mit krakeliger Schrift (damals konnte sie noch schreiben) hatte sie im Beisein eines Arztes folgende Zeilen geschrieben: „Der Pfleger hat sich mir genähert. Ich will nach Hause.“ Auch von „angrabschen“ war die Rede und von „anzüglich“. Einen der Zettel hatte der Pfleger abgefangen und in den Papierkorb geworfen. Der Arzt hatte ihn nach einem Hinweis der Patientin jedoch wieder herausgeholt. „Sie war richtig aufgeregt und ängstlich“, so der Mediziner als Zeuge vor Gericht. Er habe dann sofort veranlasst, dass sie nur noch von einer Schwester betreut wird.

Richter in Recklinghausen beenden Prozess ohne Urteil

Die Richter am Amtsgericht Recklinghausen haben den Prozess nun erst einmal ohne Urteil beendet. Sobald die Corona-Gefahr eingedämmt ist, soll er neu beginnen. „Wenn meine Frau dann noch lebt“, so der Ehemann der Patientin. Auch der Missbrauchsprozess um den Fall Marvin zieht sich nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie in die Länge.

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