Projekt ausgeschrieben

Stadt rüstet Abfalltonnen mit Transpondern auf

RECKLINGHAUSEN - Neue Ära in der Recklinghäuser Müllabfuhr: Die Stadt wird sämtliche Restmüll-, Bio- und Papiertonnen mit Transpondern ausstatten.

Insgesamt 67 882 registrierte Behälter gilt es, mit den kleinen Sendern zu „verheiraten“, wie es im Jargon der Entsorger heißt. Jede Tonne erhält einen Transponder und einen Adressen-Aufkleber. Die Stadt hat das vermutlich rund 400 000 Euro teure Projekt bereits ausgeschrieben. Zu den einmaligen Anschaffungskosten kommt ein prognostizierter jährlicher Aufwand von etwa 15 000 Euro für Wartung der Software und Schulung der Mitarbeiter. Läuft alles glatt, soll das neue System schon zum 1. Juni den Betrieb aufnehmen.

Und wozu das Ganze? Offenbar ist die elektronische Erfassung der Mülltonnen ein lohnendes Unterfangen. Die Verwaltung verspricht sich neben logistischen Vorteilen bei der Tourenplanung ein Mehr an Gebühreneinnahmen von jährlich rund 336000 Euro – und das ohne Gebührenerhöhung. Stattdessen sollen nicht angemeldete Schwarztonnen aufgespürt werden – oder solche Tonnen, die manche schwarzen Verbraucherschafe illegal doppelt entleeren lassen. Dadurch ließen sich die Einnahmen aus den Abfallgebühren um durchschnittlich 2,85 Prozent steigern. Das zeige das Beispiel anderer Städte.

Und so funktioniert die Transponder-Tonne: Beim Kipp-Vorgang identifiziert der Wagen über eine Antenne die jeweilige Tonne. So wird automatisch registriert, welche Tonnen welcher Bürger geleert wurden. Der Inhalt der Tonnen wird laut KSR hingegen nicht überprüft – zumindest nicht elektronisch.

Angst vor Überwachung

Erfasst werden jedoch sämtliche Bewegungen der Müllfahrzeuge und des Personals. Das alarmierte bereits den KSR-Betriebsrat. In einer Beschreibung des Projekts aus dem Jahre 2008 ist die Rede davon, durch die „minutengenaue Erfassung der Leerungen“ Fahrzeug- und Personalkapazitäten „noch optimaler“ auslasten zu können. Anke Nitsche argumentiert hingegen mit einer gesteigerten Kundenorientierung: „Wir können vertauschte oder gestohlene Behälter erkennen und lokalisieren. Außerdem können wir Anfragen genauer beantworten, ob der Müllwagen etwa schon in dieser oder jener Straße war.“

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