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Das Schwurgericht verurteilte einen 25-Jährigen aus Kirchlinde wegen einer Messerattacke aus Eifersucht zu vier Jahren und vier Monaten Haft.

Prügelprozess

Schülerin fordert 20000 Euro Schmerzensgeld

RECKLINGHAUSEN - Jetzt schlägt das Opfer zurück: Fünf Wochen nach den viel diskutierten Arrest-Urteilen gegen zwei jugendliche Bahnhofsschläger steht dem Duo (16/17) vermutlich schon bald der nächste Prozess bevor. Die schwer verletzte Schülerin (18) verlangt mindestens 20 000 Euro Schmerzensgeld.

Die Tat ist und bleibt unfassbar. Die zwei Schläger hatten das Mädchen aus Oer-Erkenschwick am 7. Juni am Recklinghäuser Busbahnhof grundlos mit Schlägen und Tritten gegen Kopf und Gesicht schwer verletzt. Die 18-Jährige erlitt einen komplizierten Bruch der Augenhöhle, verlor mehrere Zähne, bangte tagelang um ihr Augenlicht. Über mehrere Wochen durfte sie nur mit Hilfe eines Strohhalmes trinken, musste permanent weiche Nahrung zu sich nehmen. Am 23. August verhängte das Jugendschöffengericht Recklinghausen gegen das Gewalt-Duo jeweils vier Wochen Dauerarrest plus Arbeitsauflagen von 200 bzw. 100 Sozialstunden (RZ berichtete).Wie bereits angekündigt, hat das Mädchen inzwischen eine Strafanzeige gegen den damals angeblich Hilfe verweigernden Busfahrer der Vestischen erstattet. Die Anzeige richtet sich aktuell noch gegen „Unbekannt“, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum laufen. Der Busfahrer soll nach Angaben einer Augenzeugin Hilferufe vom Bussteig ignoriert, einfach die Tür geschlossen und weitergefahren sein.Darüber hinaus hat die 18-jährige Schülerin das Prügel-Duo wegen der schweren Verletzungen und der kaum absehbaren Spätfolgen auf Schmerzensgeld und Schadenersatz verklagt. Über ihren Rechtsanwalt Hans Reinhardt hat das Mädchen eine 20.000-Euro-Klage beim Landgericht Bochum eingereicht. „Sie hat nicht nur körperliche Schmerzen erlitten, sondern vielmehr auch einen extremen seelischen Schaden genommen“, erklärt Hans Reinhardt (Marl).Die geforderten 20000 Euro seien ein absoluter Mindestbetrag. Obendrein fordert die Schülerin auch den Ersatz für zusätzlich notwendig gewordene Pkw-Fahrtkosten (200 Euro monatlich). Eine Busfahrt zur Schule, so Anwalt Reinhardt, ist angesichts des traumatischen Vorfalls „sicherlich noch bis zum Ende des Schuljahres nicht mehr möglich“.Ein Psychologe hatte bei der 18-Jährigen in zahlreichen Therapiesitzungen unter anderem Symptome vorgefunden, die vergleichbar mit denen von „Folterüberlebenden“ sind.Einen ersten juristischen Erfolg hat die 18-Jährige indes bereits erreicht. Das Familiengericht in Recklinghausen verhängte im Eilverfahren gegen den 17-jährigen Schläger ein Kontaktverbot. Der Hertener hatte dem Mädchen zusammen mit Freunden direkt vor dem Prozess im August am Busbahnhof erneut aufgelauert.Per Eilbeschluss wurde ihm nun strikt verboten, sich der 18-Jährigen „näher als 20 Meter zu nähern, sie auf der Straße anzusprechen, ihr zu folgen, ihr hinterher zu rufen oder ihr nachzustellen“. Verstößt er gegen eine der Auflagen, droht ihm ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro bzw. Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten.Und auch ein Erkenschwicker Fußballverein, bei dem der 17-Jährige vorgespielt hatte, hat inzwischen reagiert – der Schläger wurde ausgeschlossen und bekam ein Platzverbot für die gesamte Sportanlage. Bei dem Verein handelte es sich ausgerechnet um den Club, in dem auch das Mädchen als Fußballerin aktiv ist. Die Bilder der Überwachungskamera dokumentieren die Brutalität, mit der die beiden Schläger gegen die 18-jährige Schülerin vorgingen. Busfahrt ist nicht mehr möglich

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