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Ein psychisch kranker Mann aus Recklinghausen musste sich vor dem Landgericht Bochum verantworten. (Symbolbild)

Prozess am Landgericht Bochum

Psychisch Kranker aus Recklinghausen soll eigene Mutter gequält haben - jetzt steht das Urteil fest

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Ein 44-jähriger Mann aus Recklinghausen musste sich vor dem Landgericht Bochum verantworten. Der Vorwurf: Er soll seine eigene Mutter stundenlang gequält und schließlich um ihre Ersparnisse gebracht haben. Jetzt wurde das Urteil gesprochen.

Update vom 17. Dezember: Nach einer mutmaßlichen Serie von Wut- und Gewaltausrastern gegen seine eigene Mutter hat das Bochumer Landgericht eine Zwangseinweisung eines psychisch kranken Mannes (44) aus Recklinghausen in die Psychiatrie abgelehnt. Die feststellbaren Taten reichten den Richtern am Ende nicht aus für die Anordnung der zeitlich unbefristeten Sicherungsmaßregel.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem Sicherungsverfahren eine ganze Reihe von mutmaßlich gefährlichen Ausrastern des 44-Jährigen aufgelistet. Mal sollte der Beschuldigte seine eigene Mutter geschlagen, mal erpresst und mal sogar stundenlang auf den Balkon ausgesperrt haben. Mal sollte sie ihm sogar all ihre Ersparnisse übergeben: 20.000 US-Dollar, dazu Ringe, Ketten und anderen Schmuck. In den Augen der Bochumer Richter ließen sich am Ende aber letztlich „nur“ zwei Taten zweifelsfrei nachweisen: einen Faustschlag gegen die Mutter am 15. April und dazu eine Ohrfeige am 25. April.

Die Richter der 12. Strafkammer folgten mit ihrer Entscheidung am Ende der Forderung von Verteidiger Jens Tuschhoff: „Die Voraussetzungen für eine unbefristete Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie liegen nicht vor.“ Die Anforderungen dafür, einen psychisch Kranken als Gefahr für die Allgemeinheit einzustufen und zwangsweise in der Psychiatrie unterzubringen, liegen einfach deutlich höher, so das Gericht. Für den Recklinghäuser, der bis 2018 bereits mehr als zehn Jahre in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht gewesen ist, bedeutete die Nicht-Anordnung die sofortige Freilassung. Der 44-Jährige war seit Juni vorläufig in einer LWL-Klinik untergebracht gewesen.

Unsere Erstberichterstattung: Vor rund sieben Monaten soll der 44-Jährige seine Mutter immer wieder geschlagen, erpresst und stundenlang auf den Balkon gesperrt haben. Am Ende hat sie ihm laut Staatsanwaltschaft all ihre Ersparnisse übergeben: 20.000 US-Dollar, dazu Ringe, Ketten und anderen Schmuck. Mit dem Geld wollte die 73-Jährige aus Recklinghausen eigentlich ihre Mini-Rente aufbessern. Das Geld ist nie wieder aufgetaucht.

Vor Gericht liefen der Mutter plötzlich Tränen über das Gesicht. „Er ist doch ein guter Junge“, sagte sie den Richtern und sah zu ihrem Sohn herüber, der nur ein paar Schritte von ihr entfernt saß. Der zeigte keine Regung und wollte sich zum Prozessauftakt vor dem Bochumer Landgericht nach Absprache mit seinem Verteidiger Jens Tuschhoff nicht zu den Vorwürfen äußern.

Der Recklinghäuser hat bereits mehr als zehn Jahre lang in der geschlossenen Psychiatrie verbracht. 2005 hatte er seine Tante geschlagen, mit einem Messer bedroht und Geld von ihr erpresst. Im Oktober 2018 war er schließlich aus der Psychiatrie entlassen worden. Zuvor hatte er schon einige Jahre in einer Wohngruppe verbracht. Nach Angaben mehrerer Gutachter litt er zwar immer noch unter paranoider Schizophrenie, sei aber mithilfe von Medikamenten und einem engmaschigen Kontroll- und Unterstützernetz offenbar in der Lage, sein Leben einigermaßen zu meistern.

Bestraft werden kann der 44-Jährige auch diesmal nicht. Er gilt weiterhin als schuldunfähig. Ziel der Staatsanwaltschaft ist es, ihn erneut auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie einweisen zu lassen – zum Schutz der Allgemeinheit.

Wegen brutaler Kindesmissbrauchsfantasien steht derzeit auch eine Frau aus Recklinghausen vor dem Essener Landgericht.

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