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Das Luftbild zeigt, in welch desolatem Zustand die Gebäude am Holzmarkt sich teilweise befinden.

Holzmarkt

An Abrissplänen scheiden sich die Geister

RECKLINGHAUSEN. - Die Pläne einer Dorstener Investorin, am Holzmarkt vier Häuser abzureisen, und diese durch einen Neubau zu ersetzen, sorgen in der Bürgerschaft und der Politik gleichermaßen für Diskussionsstoff.

Wie eine Umfrage dieser Zeitung in Reihen der Ratsfraktionen ergab, zeichnet sich in der Politik aber eine Mehrheit für das Projekt ab. Offenbar hat sich herumgesprochen, dass die betroffenen Häuser teilweise in einem desolaten Zustand sind. Diese sind unvermietbar, weil die Substanz feucht und marode ist. Das weiß niemand besser als Isabell Kampmann. Fünf Jahre war ihre Familie Mieterin im Haus Nummer 8. Bis das nicht mehr ging. „Das Haus ist tatsächlich völlig marode, das Wasser tropfte von der Decke. Bei Regen hatten wir mindestens zehn Eimer im Laden stehen. Die Wände werfen Blasen und auch die Wohnung im ersten Geschoss steht lange leer“, berichtete die Einzelhändlerin, die ihren Laden im Herbst 2017 auf die andere Straßenseite (ehemals Küper) verlegt hat. „Aus meiner Sicht gibt es keine Chance, dieses Gebäude zu retten. Was natürlich schade ist“, sagte Isabell Kampmann. Entsetzt über die Entwicklung ist Claudia Schmitz, Franchise-Nehmerin von „TeeGschwendner“ am Holzmarkt 14. Seit 2000 hat sie sich viele Stammkunden erarbeitet. „Allerdings ist das Geschäft für uns viel schwieriger geworden, seit C & A ins Palais Vest umgezogen ist. Das hat der Kundenfrequenz und Umsatz geschadet.“

Mietvertrag nicht verlängert

Auch wenn die Toilettenwand in ihrem Gebäude immer mal wieder nass ist, würde sie gerne am Standort bleiben. „Nun muss ich mir aber wohl etwas anderes suchen. Am liebsten natürlich in Recklinghausen.“ Schließen wird Ende 2018 der Laden „Mo n Mo“ im alten Fachwerkhaus schräg gegenüber. „Mein Chef hat den Mietvertrag nicht verlängert. Wenn hier abgerissen und neu gebaut wird, bedeutet dies weitere zwei Jahre Baustelle. Wir haben bereits unter der C & A-Baustelle mächtig gelitten“, stöhnte Mitarbeiterin Bianca Schumann. Allerdings räumt auch sie ein: „Es ist schwierig, allen gerecht zu werden. Und natürlich hat auch ein Investor seine Interessen.“ Gegen den Abriss der vier Häuser, die bis zu 200 Jahre alt sind, will die UBP mobil machen. „Damit würde das einzige Altstadtensemble zerstört, dass noch in einem relativen Ursprungszustand erhalten ist“, warnte Alfred Stemmler. Vor allem die abwechslungsreiche Giebelständigkeit sie typisch. „Mancher spricht von Kudelmuddel. Ich sage, gut, dass es damals noch keine DIN-Normen gegeben hat“, sagte Stemmler, der auch in der Gilde der Stadtführer aktiv ist. UBP-Fraktionschefin Claudia Ludwig stuft das Ensemble aufgrund seiner Historie allemal als denkmalwürdig ein, auch wenn die Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehen. Auch das müsse berücksichtigt werden. Sie forderte die Investorin auf, mit den Fachleuten der Stadt eine gute Lösung zu finden. „Minimum müssen die Fassaden erhalten bleiben“, sagte Ludwig.

Substanz ist marode

Dagegen hätten auch Vertreter der anderen Ratsfraktionen nichts einzuwenden. „Natürlich macht es Sinn, alte Gebäude zu erhalten. Doch von Häusern, deren Substanz so marode ist, dass niemand mehr einziehen will, helfen uns als Stadt auch nicht weiter“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Marina Hajjar. Unstrittig sei für sie, dass das, was neu gebaut wird, sich auch einfügen müsse. Darauf legt auch Holger Freitag (Grüne) wert. „In den Aktivitäten der Investorin liegt auch die Chance, an dieser Stelle endlich klar Schiff zu machen.Es gibt genügend Beispiele für Neubauten, die sich sehr wohl harmonisch in alte Strukturen einfügen.“ Unterstützt wird diese Position von Udo Schmidt (FDP). „Es macht keinen Sinn, in eine Substanz zu investieren, die total marode ist.“ Ausnahmsweise ist mit den Liberalen dann auch einmal Erich Burmeister (Linke) auf einer Linie: „Wichtig ist, dass ich ein Neubau tatsächlich städtebaulich gut einfügt.“

Cerny hofft auf einen Domino-Effekt

Frank Cerny (SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung, bewertet es positiv, dass jemand in der Altstadt investieren will. „Wir haben genügend Steuerungsmöglichkeiten, um dafür zu sorgen, dass eine neue Bebauung ein Gewinn wird. Möglicherweise sorgt das Projekt sogar für einen Domino-Effekt“, erklärte Cerny mit dem Blick auf die Ecke Holzmarkt/Kirchplatz. Der Besitzer des Gebäudes (ehemals Pagels) ist ein luxemburgischer Fonds, der laut Stadt derzeit nicht gewillt ist, den Schandfleck zu beseitigen.

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