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Viele Fenster und eine rote Backsteinfassade dominieren den Neubau am Lohtor.

Am Lohtor 1

Marodes Haus war nicht zu retten

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RECKLINGHAUSEN. - Am Montag rollen Am Lohtor 1 die Bagger. Die städtische Wohnungsgesellschaft (WG) startet dann mit dem eigentlichen Abriss des Hauses, das im Jahr 1904 errichtet. "Eine Sanierung wäre einfach nicht wirtschaftlich gewesen", betonte WG-Geschäftsführer Marc-Oliver Fichter.

Dies habe auch ein Gutachten ergeben, dass beim TÜV Nord in Auftrag gegeben worden sei. In den Neubau investiert die WG 1,1 Millionen Euro. Ein Jahr lang müssen sich nun Autofahrer und Fußgänger am Lohtor mit einer neuen Verkehrsführung und damit verbunden auch mit Behinderungen anfreunden. Anwohner, vor allem aber auch Autofahrer und Fußgänger, müssen sich auf Beeinträchtigungen einstellen. Die Rechts- und Linksabbiegerspur wurde von der Halterner Straße kommend zusammengelegt. Das führte zunächst zu langen Staus. Mittlerweile wurde die Schaltung für die Autos jedoch nachgebessert. „Dazu musste allerdings die Fußgängerampel zwischen Kirkeby-Plastik und Sparkasse außer Betrieb genommen werden“, erläuterte Projektleiter Christian Deffte.

Kundenfrequenz hat abgenommen

Wenig begeistert sind von dieser Maßnahme die Einzelhändler an der Wiethofstraße. „Seit die Fußgänger zur Ampel an der Münsterstraße ausweichen müssen, ist die Kundenfrequenz bei uns leider richtig in die Knie gegangen. Wenn das ein Jahr lang so bleibt, wird das sehr hart“, berichtet zum Beispiel Gaby Keidel, Inhaberin des Modegeschäfts Tendenza. Deffte erklärte, dass alle Varianten durchgespielt worden seien. „Wir haben zum Beispiel auch überlegt, die Baustelle vom Beisinger Weg aus über den Weg vor dem Ehrenmal anzudienen. Die Ausfahrtsituation wäre aber wegen der Fahrzeuge und Radler, die den Beisinger Weg herunter in Richtung Altstadt fahren, zu gefahrenträchtig gewesen.“ Die Vorbereitungen zum Abriss laufen bereits seit Wochen auf Hochtouren. Allerdings: Bisher war die beauftragte Abbruchfirma vor allem im Hausinneren damit beschäftigt, zu entsorgende Materialien zu entfernen. In dieser Woche wurden Maßnahmen getroffen, das Haus aus dem Jahr 1904 vom Nachbargebäude sauber zu trennen. „Beide Häuser gehörten früher einem Besitzer und verfügen über eine gemeinsame Wand“, erklärte Deffte.

Viele Interessenten fragen an

Innerhalb von nur zwei Tagen wird das Haus beseitigt. Fichter präsentierte beim Ortstermin auch die visualisierten Ansichten des modernen Neubaus, der Platz für vier barrierearme Wohnungen bietet mit Größen von 88 bis 117 Quadratmetern. Seit diese Zeitung über das Vorhaben berichtet hat, können sich die WG-Mitarbeiter vor Anfragen nicht retten. „Ein Vermarktungsproblem haben wir ganz sicher nicht. Vor allem die Penthousewohnung im Obergeschoss mit einer rundum laufenden Terrasse ist begehrt“, sagte Fichter. Für die Planung zeichnet Ansgar Huster verantwortlich. „Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass es sich um eine ausgesprochen stadtbildprägende Stelle handelt. Natürlich müssen die Pläne auf das Ensemble mit Ehrenmal und Kirkeby-Plastik abgestimmt sein und sollen nicht in Konkurrenz zu den beiden Objekten treten“, sagte der Architekt aus Lüdinghausen.

Rechtsstreit ist noch nicht beendet

Noch nicht ausgestanden ist der Rechtsstreit mit dem Besitzer des Nachbarhauses. Der hatte gegen die Baugenehmigung geklagt und unter anderem den Schattenwurf durch den Erker an der Straßenfront moniert. „Wir sind ihm entgegengekommen und haben das Bauteil 40 Zentimeter zurückgenommen. Wir sind uns sicher, dass die Klage keine Chance hat“, betonte Huster. Projektleiter Defftetra trat den Kritikern entgegen, die auch in dieser Zeitung das alte Gebäude als erhaltenswert eingestuft hatten. „Die Fassade, die man von außen sieht, ist ja nicht alles. Man hätte das Haus tatsächlich komplett entkernen müssen.“ Im Inneren des Gebäudes sind tragende Wände noch in Fachwerk-Bauweise erstellt worden. „Diese statisch zu sichern, ist beinahe unmöglich“, sagte der Projektleiter.

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