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Die Petruskirche ist tagsüber für Besucher geöffnet. Die meisten Menschen kehren dort zum Beten und Innehalten ein. Es gibt aber auch Diebstahl und Vandalismus.

St. Peter

Kirche trotzt dem Vandalismus

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RECKLINGHAUSEN - Viele betende Menschen suchen die Stille in St. Peter. Die Kirche wird vor allem in der dunklen Jahreszeit immer wieder Ziel von Vandalismus und Diebstahl. Die Gemeinde will das Gotteshaus in der Innenstadt dennoch tagsüber offen halten.

Mehrmals am Tag dreht Küster Thomas Maymann eine Kontrollrunde durch die Kirche. Jetzt, da die Tage dunkler und kürzer werden, rechnet er immer mit einer bösen Überraschung. Die Opferstöcke an den Eingängen werden längst nicht mehr repariert. „Das macht keinen Sinn“, sagt der Küster und zeigt auf die windschiefe Klappe im Mauerwerk.

„Die werden sofort aufgebrochen. Wir haben sogar Stemmeisen und Hammer aufgefunden.“ Ihre Spenden können die Besucher nur in den schmiedeeisernen, mehrfach gesicherten Sammelbehälter neben den Kerzen werfen. Doch die Diebe sind kreativ: „Einer hat den Schlitz zugeklebt und ein Schild aufgestellt: ,Defekt. Bitte werfen Sie Spenden in den Opferstock an der Tür.‘“ Zu einem weiteren „Problemort“ in der Kirche hat sich die Michaelskapelle neben der Orgelempore entwickelt. Die ist Drogenkonsumenten beliebt, „weil sie nicht einsehbar ist, man aber hört, wenn jemand in die Kirche kommt.“ Dennoch kommt es für die Propstei nicht infrage, das Gotteshaus tagsüber abzuschließen.

„St. Peter ist eine offene Kirche“, betont Maymann, „und so bleibt es auch.“ Dabei sei es zunächst ganz gleich, warum die Besucher sich tagsüber in den Bänken niederlassen: „Jeder, der sich angemessen verhält, ist willkommen, egal, ob er betet, meditiert, liest oder sich jetzt in der kalten Jahreszeit einfach etwas ausruhen und aufwärmen möchte.“ Allerdings können Besucher nur durch das Nordportal vom Kirchplatz aus eintreten. Der Windfang zum Südportal ist sogar verriegelt und wird nur zum Gottesdienst aufgeschlossen. Er wurde zu häufig als öffentliche Toilette missbraucht. „Und weil es da so still und diskret ist, sogar für die ganz großen Geschäfte“, erinnert sich der Küster angeekel

. Aber auch in einer hinteren Ecke des Gotteshauses ließ ein Besucher „laufen“, und „das war ein gepflegter, älterer Herr.“ Mit dem Weihnachtsmarkt naht weiteres Ungemach: „Die Veranstalter stellen zwar einen Toilettenwagen auf, aber es stehen noch mehr Männer als sonst draußen in den Nischen.“ Die Urinflecken an den Außenwänden lösen bei dem Küster nur noch ein resigniertes Achselzucken aus. „Seitdem die öffentliche WCs vom Markt auf die Friedhofstraße verlegt wurde, ist es schlimmer geworden.“ Er hofft dass sich ein Vorfall nicht wiederholt: Im Taufbecken fand er im vergangenen Advent Glühweinbecher, die Flecken sind bis heute zu sehen. Kontrollen oder gar Videoüberwachung kämen aber nicht infrage. „Der beste Schutz vor Vandalismus sind viele Menschen, die tagsüber die Kirche aufsuchen und als das nutzen, was sie wirklich ist: ein anonymer Raum, um zu beten.“

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