Ein Obdachloser muss sich seit Mittwoch vor dem Bochumer Schwurgericht verantworten.
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Ein Obdachloser muss sich seit Mittwoch vor dem Bochumer Schwurgericht verantworten.

Urteil bei Mordprozess gesprochen

Mann stirbt qualvollen Tod: Angeklagter zu hoher Haftstrafe verurteilt

  • Werner von Braunschweig
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Am 10. April vergangenen Jahres ist eine Männerleiche in einer Mietwohnung im Paulusviertel entdeckt worden. Ein Tatverdächtiger ist nun wegen Totschlags verurteilt worden.

  • In einer Wohnung in Recklinghausen ist eine Männerleiche gefunden worden
  • Ein Obdachloser steht in Bochum vor Gericht
  • Das Urteil ist am 11. September gesprochen worden

Update, 11. September: Eineinhalb Jahre nach dem Fund einer grausam zugerichteten Männerleiche in einer Mietwohnung an der Hohenzollernstraße ist ein drogenabhängiger Obdachloser am Bochumer Schwurgericht zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Laut Urteil hat der 40-Jährige das Opfer aus Wut über ein zwielichtiges Drogengeschäft mit einem Lampenfuß zu Tode geprügelt.

Der Angeklagte hingegen hatte die Tötung seines Bekannten (33), bei dem er zeitweise auch als Untermieter gelebt hat, bis zuletzt vehement bestritten. Kurz vor der Urteilsberatung hatte der 40-Jährige am Freitag noch mal beteuert: „Ich habe diesen Menschen nicht getötet.“ Das Schwurgericht nahm dem Angeklagten seine Unschulds-Version nicht ab. Vor allem durch zwei auf seinem Handy entdeckte Videos, die den Todeskampf des 33-Jährigen ablichten, habe sich der Angeklagte quasi selbst als Täter überführt.

Urteil lautet auf Totschlag

Im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft, die wegen Mordes die Höchststrafe (lebenslange Haftstrafe plus besondere Schuldschwere) beantragt hatte, sah sich das Schwurgericht außerstande, Mordmerkmale sicher feststellen zu können. Das Urteil lautet auf Totschlag. Verteidiger Jens Tuschhoff hatte allenfalls eine Strafe wegen Körperverletzung mit Todesfolge für möglich gehalten.

Update, 17. Juli: Im Prozess um die tödliche Bluttat in einer Mietwohnung an der Hohenzollernstraße hat der Angeklagte am Freitag sein Schweigen gebrochen. 

Demnach will der 40-jährige Angeklagte zum Zeitpunkt, als das spätere Opfer gefesselt und durch Schläge gefoltert worden ist, nach einer Heroin-Injektion bewusstlos gewesen sein: „Ich war k.o.“. Stunden später wieder bei sich, habe er den 33-Jährigen katastrophal zugerichtet gesehen.

Angeklagter sei aus Wohnung in Recklinghausen geflüchtet

Er habe im dann geholfen, die Handfesseln abzunehmen und sich auf die Matratze zu setzen, so der Angeklagte. Dann sei er geflüchtet. Der 40-Jährige: „Ich hatte Angst, dass ich in den Knast gehe, denn ich hatte ja schließlich einen Haftbefehl offen.“ Er habe gedacht, der lebensgefährlich Verletzte könne sich selber helfen.

Eine Erklärung dafür, dass die Polizei auf seinem Handy Videoszenen von dem qualvollen Todeskampf des 33-Jährigen sichern konnte, hatte der Angeklagte nicht. Die Richter wollen die beiden brisanten Handyvideos jetzt noch einmal technisch nachuntersuchen lassen. Möglicherweise gibt es noch einen weiteren Beteiligten.

Bekannter soll qualvoll zu Tode gekommen sein

Laut Mordanklage hat der 40-Jährige seinen Bekannten im April 2019 nach einem Streit gefesselt, mit einer heißen Glühbirne gequält und zu Tode geprügelt. Fortsetzung: 10. August.

Update, 4. Juni: Im Prozess um den Fund einer grausam gefolterten Männerleiche in einer Mietwohnung an der Hohenzollernstraße hat am Donnerstag der Vater des Getöteten ausgesagt.

Der 64-Jährige wollte am 10. April 2019 früh morgens seinen drogenabhängigen Sohn besuchen – und erlebte den Schock seines Lebens. „Die Tür zur Wohnung war geöffnet, schon da habe ich ein mulmiges Gefühl gekriegt“, erinnerte sich der Zeuge vor dem Bochumer Schwurgericht.

Vater hat die Polizei Recklinghausen alarmiert

„Ich bin dann rein und sah in ein Zimmer voller Blut. Mein Sohn lag auf dem Rücken mit einem Tuch neben dem Kopf.“ Völlig schockiert sei er dann sofort wieder raus auf den Flur getaumelt und habe die Polizei alarmiert. Der Angeklagte schweigt nach wie vor zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.

Erstmeldung, 20. Mai: Nach dem Fund einer grausam gefolterten Männerleiche im vergangenen Jahr in einer Mietwohnung im Paulusviertel ist am Mittwoch der Prozess vor dem Bochumer Schwurgericht eröffnet worden. 

Zum Prozessauftakt wurde ein dringend tatverdächtiger Obdachloser durch ein Handyvideo, das den Todeskampf des späteren Opfers dokumentiert, schwer belastet. Der mutmaßliche Mörder berief sich vor Gericht auf sein Schweigerecht.

Recklinghausen: Angeklagter soll Tötung gestanden haben

Vor dem Fund des Opfers am 10. April 2019 hatte sich der aus Russland stammende Angeklagte häufiger als Mitbewohner in der Wohnung des späteren Opfers (33) an der Hohenzollernstraße aufgehalten. DNA-Spuren in unmittelbarer Nähe der Leiche und die Angaben einer Zeugin, der er angeblich die Tötung gestanden haben soll, hatten ihn schnell zum Hauptverdächtigen gemacht.

Eine Spezialeinheit der Polizei konnte den 40-Jährigen am 16. April, 2019 festnehmen. In seiner Jackentasche befand sich ein Handy, bei dessen Auswertung die Ermittler auf zwei Videos mit Zeitstempeln vom 7. April (18.46 und 18.50 Uhr) stießen. Sie zeigen mit hoher Wahrscheinlichkeit die letzten Minuten des späteren Opfers. 

"Ich kann nicht mehr. Ich werde jetzt verrecken“

Eine Dolmetscherin übersetzte den russischen Dialog zwischen einem filmenden und einem gefilmten Mann. „Du Schweinehund hast versucht mich zu verar....", sagt demnach der filmende Mann. „Entschuldige bitte. Bitte ruf‘ einen Krankenwagen. Ich kann nicht mehr. Ich werde jetzt verrecken“, lautete die Antwort des am Boden liegenden Gefilmten – dem späteren Todesopfer. 

Die extrem verwaschene Aussprache des 33-Jährigen deutet darauf hin, dass er offenbar zu diesem Zeitpunkt bereits völlig entkräftet gewesen ist. 

Angeklagter soll Opfer aus Recklinghausen zu Tode gequält haben

Der angeklagte Obdachlose soll den Wohnungsmieter bei einem Streit um die Preisgabe eines Drogenverstecks zu Tode gequält haben. Laut Mordanklage wurde der 33-Jährige mit einem Antennenkabel an den Händen gefesselt. Danach soll dem Mann mit der heißen Glühbirne einer Stehlampe das Gesicht verbrannt und immer wieder mit dem Sockel der Lampe brutal auf ihn eingeschlagen worden sein.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war das Opfer von offenen Trümmerbrüchen gezeichnet und letztlich verblutet. Der 40-Jährige soll nach der Tötung Geld, Drogen und ein Handy mitgenommen haben und untergetaucht sein. Die Anklage lautet auf Mord und Raub mit Todesfolge. Mit einem Urteil ist wohl erst im September zu rechnen.

Zuletzt war ein Obdachloser aus Recklinghausen wegen 0,01 Gramm Marihuana in die Schlagzeilen geraten. Nach einem Albtraum-Überfall auf eine Seniorin ist ein Täter zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Wegen eines mutmaßlichen Behandlungsfehlers bei einer Geburt war das Prosper-Hospital auf Schmerzensgeld verklagt worden.

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