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SPD-Fraktionsvize Sven Wolf sieht die Landesregierung in der Pflicht, den Fall Marvin K. aufzuklären. Der zuvor vermisste Junge wurde in Recklinghausen gefunden. 

Gericht bestätigt

Hundertfacher Missbrauch im Fall Marvin: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Lars H.

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Zweieinhalb Monate nach seiner Festnahme hat die Staatsanwaltschaft Bochum Anklage gegen Lars H. erhoben. Der Recklinghäuser soll den zwei Jahre vermissten Marvin K. mehr als 400-mal missbraucht haben.

Zwei Jahre lang lebte der heute 15-jährige Marvin in Lars H.s Wohnung an der Hochstraße in Recklinghausen-Grullbad. Die Staatsanwaltschaft legt dem 44-Jährigen zur Last, den vermissten Jugendlichen 475-mal missbraucht zu haben, 171-mal davon schwer. Das bestätigte das Landgericht Bochum auf Anfrage von 24vest.

Im Dezember hatte die Polizei den vermissten Jugendlichen zufällig bei der Durchsuchung von Lars H.s Wohnung in einem Schrank entdeckt. Die Ermittler waren wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpronos angerückt. 

Update, 22. Januar: Es seien „haarsträubende Fehler“ passiert, sagte der Remscheider im Gespräch mit unserer Redaktion. Unerklärlich sei ihm vor allem das Vorgehen der Polizei in Duisburg. Die Behördenleitung habe nicht ausreichend Personal abgestellt, um gewissenhaft den 53 Hinweisen auf den Aufenthaltsort von Marvin K. nachzugehen, die im Juli vergangenen Jahres nach der Ausstrahlung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ eingegangen waren. „Warum hat man das bei einer einzigen Sachbearbeiterin abgeladen?“, fragt Wolf. Es sei erwartbar gewesen, dass nach einem solchen Aufruf eine Vielzahl an Anrufen bearbeitet werden müsse. 

Die Behördenleitung hätte personelle Kapazitäten schaffen müssen, um „jeder noch so absurden Spur nachzugehen“. Wegen dieser Versäumnisse ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Polizeibehörde.

Recklinghausen: Hinweis bereits im Juli 2019

Bereits Ende Juli 2019 lag der Polizei ein Hinweis auf den Aufenthaltsort des vermissten Marvin K. vor. Gefunden wurde er dort aber erst fünf Monate später.

Wenn man sich den achtseitigen nicht-öffentlichen Bericht des NRW-Justizministeriums anschaut, der 24vest.de vorliegt, wird deutlich, wie viel Zeit verstrichen ist, ehe das Ermittlungsverfahren der Polizei zum Fundort des vermissten Marvin K. führte.

Bereits nach Ausstrahlung der Sendung „Aktenzeichen XY“ behauptete eine Anruferin, dass sich Marvin K. schon vor seinem Verschwinden im Juni 2016 bei dem 44-Jährigen, einem Pädophilen, aufgehalten habe. Schon dieser entscheidende Hinweis hätte die Ermittler zum Aufenthaltsort des Vermissten führen können. Doch die Beamten gingen ihm nicht nach.

Ende Dezember hat die Duisburger Polizei "disziplinarrechtliche Vorermittlungen" gegen ihr eigenes Personal eingeleitet.

Recklinghausen: Weiterer Hinweis ging am 23. Oktober ein

Einen weiteren Hinweis hatten die Ermittler nach Auswertung eines Handys am 23. Oktober bekommen. Demnach hatte der Handy-Besitzer mit dem 44-jährigen Recklinghäuser Bilder und Videos mit Kinder- und Jugendpornografie getauscht.

Doch auch bis hier im Anschluss ein Ermittlungsverfahren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern eingeleitet wurde, das Verfahren an die Staatsanwaltschaft Bochum übergeben und dort übernommen wurde, dauerte es seine Zeit. Erst am 20. Dezember durchsuchte die Polizei die Wohnung des 44-Jährigen an der Hochstraße in Grullbad - nach fünf Monaten.

Recklinghausen: Marvin K. wurde vermutlich im April 2019 vergewaltigt

Dabei stieß sie auf umfangreiches Datenmaterial, das Lars H. belastet, und auf den 16-jährigen Marvin K., der zweieinhalb Jahre als vermisst galt. Die Aufnahmen auf dem Handy, das die Polizei Duisburg sichergestellt hatte, zeigten, wie sich der 44-Jährige an einem „augenscheinlich schlafenden älteren Kind oder Jugendlichen“ sexuell vergehe. Das sichergestellte Datenmaterial lässt darauf schließen, dass er Marvin K. im April 2019 vergewaltigt hat.

Einen Tag später hat das Amtsgericht Recklinghausen Haftbefehl gegen Lars H. verhängt. Der Vorwurf: Vergewaltigung, sexueller Missbrauch Jugendlicher sowie Herstellen und Besitzes jugendpornografischer Schriften.

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