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Ein Arzt des Klinikum Vest soll eine Patientin sexuell genötigt haben.

37-jähriger Angeklagter legt Berufung ein

Klinikum-Arzt plädiert auf Freispruch - die Staatsanwaltschaft auf eine Gefängnisstrafe

Der 37-Jährige Klinikum-Arzt will das Urteil des Schöffengerichts nicht hinnehmen. Sein Anwalt legt Berufung ein.

  • Ein ehemaliger Arzt des Klinikum Vest soll laut Urteil eine Patientin im Juni sexuell genötigt haben. Schon 2018 gab es Strafanzeigen.
  • Der 37-jährige Familienvater wurde zu Schmerzensgeld, Sozialstunden und eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt. Jetzt legten er, aber auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein.
  • Auch das Klinikum Vest steht in der Kritik. Es hat nach den aktuellen Vorwürfen einen Aufhebungsvertrag geschlossen, sodass der Mediziner ungehindert weiter agieren konnte.

Update, 5. Dezember:

Der wegen sexuellen Missbrauchs einer Patientin verurteilte Ex-Arzt (37) des Knappschaftskrankenhauses wehrt sich gegen die verhängte Bewährungshaftstrafe und das auferlegte Berufsverbot. Doch auch die Staatsanwaltschaft hat Berufung gegen das Urteil eingelegt.

Anders als der Angeklagte, dessen Anwalt auf einen Freispruch plädiert, hatte die Staatsanwaltschaft sogar eine Gefängnisstrafe beantragt.

Mit der Revision ist in zweiter Instanz nun auch noch eine Verschärfung der Strafe möglich. Der Prozess geht also weiter. Es wird noch einmal neu verhandelt. Mit dem Beginn der Verhandlung am Bochumer Landgericht ist Anfang 2020 zu rechnen.

Beim letzten Prozesstag am 28. November verurteilte das Schöffengericht den zuvor unbestraften Mediziner zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung, 3500 Euro Schmerzensgeld, 150 Sozialstunden plus einem dreijährigen Berufsverbot beschränkt auf weibliche Patienten.

Erstmeldung, 29. November:

Ein ehemaliger Arzt (37) des Knappschaftskrankenhauses ist am Donnerstag am Amtsgericht Recklinghausen zu eineinhalb Jahren auf Bewährung verurteilt worden.

Laut Urteil hat der Mediziner am 16. Juni im Knappschaftskrankenhaus eine Patientin gleich zweimal sexuell bedrängt. Jeweils unter dem Deckmantel von Untersuchungen soll er zunächst bei einer Bewegungsübung und später auch beim Anlegen einer Infusionsnadel unsittlich die Nähe zu der Auszubildenden (18) gesucht haben.

Arzt hat Vorwürfe bis zuletzt bestritten

Der Angeklagte hat die Vorwürfe bis zuletzt vehement bestritten. Die Richter teilten am Ende der Verhandlung jedoch mit: „Wir glauben der Zeugin jedes Wort.“ Auch bei seinem vorherigen Arbeitsort im vergangenen Jahr in Siegen hat es Strafanzeigen von zwei Patientinnen gegen den 37-Jährigen gegeben. Die Verfahren waren gegen eine Geldzahlung eingestellt worden.

Auch das Klinikum Vest sorgte mit seinem Handeln vor Gericht für Fassungslosigkeit. Das Krankenhaus hat nur zehn Tage nach den aktuellen Vorfällen einen Aufhebungsvertrag geschlossen, darin das Hausverbot aufgehoben, die Missbrauchs-Vorwürfe gestrichen und dem Arzt sogar ein „gutes“ Zeugnis erteilt hatte.

Wollte das Krankenhaus die Vorwürfe vertuschen?

„Offensichtlich war beabsichtigt, die Vorwürfe unter den Teppich zu kehren“, sagte Oberstaatsanwältin Sabine Wenzel und regte an: „Das bedenkliche Verhalten des Klinikums Vest mag nun von der Ärztekammer aufgeklärt werden.“ Denn der klammheimliche Aufhebungsvertrag habe ja geradezu „die Weichen für mögliche weitere Taten gestellt“. 

Der Mediziner hat sein aktuelles Arbeitsverhältnis nun selbst gekündigt. Laut Urteil muss der Familienvater der Patientin ein Schmerzensgeld von 3500 Euro zahlen, dazu als Bewährungsauflage 150 Sozialstunden ableisten. Außerdem ordneten die Richter auch ein dreijähriges Berufsverbot (beschränkt auf weibliche Patienten) an.

Bei einem Prozesstag Anfang November in diesem Fall sagte eine Zeugin vor Gericht aus. Kürzlich stand der Bandidos-Chef aus Recklinghausen vor Gericht.

Werner von Braunschweig

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