+
Die Karstadt-Belegschaft hat sich stets gegen eine Beteiligung am verkaufsoffenen Sonntag ausgesprochen.

Einzelhandel

Schuld am Karstadt-Aus? Bürgermeister entschuldigt sich - Andreas Becker kritisiert scharf

  • schließen
  • Randolf Leyk
    Randolf Leyk
    schließen

Der Bürgermeister bedauert seine Formulierung, den Karstadt-Mitarbeitern eine Mitschuld an der Schließung gegeben zu haben. Andreas Becker kritisiert ihn nun mit harten Worten.

Update, 10. Juli, 17:34 Uhr:

Nachdem Bürgermeister Christoph Tesche seine Worte bedaure, dass die ehemaligen Karstadt-Mitarbeiter Mitschuld hätten an der Schließung, äußerte sich nun auch SPD-Chef Andreas Becker zu diesem Thema. Der mögliche Herausforderer des Bürgermeisters kritisiert Christoph Tesche mit harten Worten auf Facebook zu diesem Thema:

Becker: "Die Empörung über die Aussage des Recklinghäuser Bürgermeisters, die Karstadt-Schließung sei auch auf nicht erfolgte Sonntagsöffnungen zurückzuführen, schlägt zu Recht hohe Wellen. Das ist das eine."

Tesche sei rückwärtsgewandt und arbeitnehmerfeindlich

Und weiter: "Wichtiger aber ist: Die Aussage offenbart die Denkweise des Bürgermeisters: Rückwärtsgewandt, mit Scheuklappen und arbeitnehmerfeindlich. Da helfen auch keine Relativierungen seines Pressesprechers:

Die Aussage ist ein Schlag ins Gesicht aller ehemaligen Karstadt – Mitarbeiter*innen, die unter hohem persönlichen Einsatz, unter Verzicht auf Weihnachtsgeld und Inkaufnahme weiterer Gehaltseinbußen für die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze gekämpft haben."

Update, 10. Juli, 13.16 Uhr:

Er, so der Bürgermeister in einer Stellungnahme, bedaure, dass in der Ratsdebatte um einen zusätzlichen verkaufsoffenen Sonntag am Montag der Eindruck entstanden sei, er vertrete die Auffassung, die Mitarbeiter von Karstadt seien für die Schließung des Kaufhauses am Altstadtmarkt selbst verantwortlich gewesen.  

Gravierende Managementfehler

„Das war nie meine Meinung und ich bedauere es sehr, mich in der Debatte im Rat nicht präzise genug geäußert zu haben. Richtig ist: Die Karstadt-Belegschaft durfte sich meiner großen Wertschätzung stets sicher sein. So war ich in der Krise stets ansprechbar und am Tag der Schließung auch vor Ort, um meine Solidarität mit den Mitarbeiter*innen zum Ausdruck zu bringen. Ich habe auch auf die gravierenden Managementfehler, die gerade am Standort RE gemacht wurden, öffentlich aufmerksam gemacht", so Tesche.

Die restriktive Ablehnung verkaufsoffener Sonntage und eine Beteiligung am Late-Night-Shopping im Rahmen von ,RE leuchtet‘ durch die Gewerkschaft Verdi, die aus seiner Sicht eher ideologisch begründet sei, sehe er aber nach wie vor kritisch.

Ebenso wie der große Teil des Einzelhandels sehe der Bürgermeister in verkaufsoffenen Sonntagen kein Allheilmittel im Kampf um die Kunden, aber sehr wohl einen wichtigen Baustein. Und letztlich stimmten die Kunden mit den Füßen ab. Die Sonntage, an denen die Händler für Ihre Kunden da waren, sorgten zumindest für eine volle Innenstadt. "Richtig ist, die Kunden können den Euro nur einmal ausgeben. Mir ist aber lieber, sie tun das bei uns, als anderswo“, sagt Tesche.

Das hatten wir zuvor berichtet:

Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) hat den früheren Karstadt-Beschäftigten eine Mitschuld an der Schließung des Warenhauses gegeben.

In der Ratsdebatte um einen vierten verkaufsoffenen Sonntag erinnerte er daran, dass sich die Belegschaft stets gegen eine Beteiligung an Verkaufssonntagen ausgesprochen habe.

Karstadt hat vor drei Jahren geschlossen

Was aus dem Warenhaus geworden sei, sei ja bekannt. Karstadt hatte vor drei Jahren dichtgemacht. Die Äußerungen des 57-Jährigen stoßen auf Unverständnis.

Hier können Sie nachlesen, wie Mirko Simnovec, Sprecher des Marktquartiers, über einen vierten verkaufsoffenen Sonntag denkt, und hier, was die Facebook-Nutzer davon halten - nämlich nicht so viel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Meistgelesen

Tumult vor Reisebüro in Herten - die Wut der Menschen ist gut zu verstehen
Tumult vor Reisebüro in Herten - die Wut der Menschen ist gut zu verstehen
Großeinsatz am Quellberg in Recklinghausen: Polizei findet die Tatwaffe
Großeinsatz am Quellberg in Recklinghausen: Polizei findet die Tatwaffe
Vier Teams stehen schon in der Zwischenrunde - so lief der zweite Turniertag
Vier Teams stehen schon in der Zwischenrunde - so lief der zweite Turniertag
Schalke: Trauriger Abschied von einem Kultspieler - ein anderer Ehemaliger jubelt dagegen
Schalke: Trauriger Abschied von einem Kultspieler - ein anderer Ehemaliger jubelt dagegen
Warum ein einfacher Spaziergang in Datteln zum Hausfriedensbruch werden kann
Warum ein einfacher Spaziergang in Datteln zum Hausfriedensbruch werden kann

Kommentare