Elisabeth-Krankenhaus
+
Das Elisabeth-Krankenhaus aus der Luftperspektive.

Hoffnung auf baldige Impfung

Corona-Ausbruch: Krankenhaus weiter im Notbetrieb - Zahl der infizierten Mitarbeiter steigt

  • vonJoachim Schmidt
    schließen

Nach zwei Corona-Ausbrüchen im Elisabeth-Krankenhaus in Recklinghausen arbeitet die Klinik weiter im Notbetrieb. Die Zahl der Infizierten ist gestiegen, die Abteilungen werden systematisch heruntergefahren, berichtet der ärztliche Direktor Dr. Oliver Müller-Klönne.

Update, 28. Januar: Aktuell sind 36 Pflegekräfte und sechs Ärzte des Krankenhauses in Recklinghausen in Corona-Quarantäne. Und die Klinik leert sich zusehends. Um die Ausbreitung des Virus in den Griff zu bekommen, seien von den 240 Betten aktuell nur noch etwa 120 belegt, sagt Dr. Oliver Müller-Klönne. Alle aufschiebbaren Operationen seien verschoben und alle Corona-Verdachtsfälle unter den Patienten isoliert worden. Übers Wochenende dürfte die Patientenzahl sogar auf unter 100 fallen.

Fünf bis sechs Prozent der Tests in Recklinghausen sind positiv

„Wir haben nach den Ausbrüchen 350 Abstriche bei allen im Haus gemacht, bei Patienten und Mitarbeitern, und bekommen immer noch Ergebnisse herein. Leider sind – wie bei den meisten dieser Screenings – fünf bis sechs Prozent der Tests positiv“, sagt Dr. Müller-Klönne. Das liege aber weniger an der Situation im Krankenhaus, sondern an der Verbreitung des Virus insgesamt: Positiv getestet wurden demnach „querbeet“ Mitarbeiter aus mehreren Abteilungen vom Physiotherapeuten bis zum Lieferfahrer.

Krankenhaus will Betrieb am Montag wieder hochfahren

Trotzdem hofft der Arzt, den Betrieb in seiner Klinik bald wieder hochfahren zu können: „Wir entscheiden das in Absprache mit dem Gesundheitsamt am Montag. Ich gehe davon aus, dass ein Großteil unserer Mitarbeiter am Montag aus der Quarantäne zurückkommt. Und ab Montag könnte es sein, dass wir endlich mit dem Impfen des Personals beginnen können. Aber fest steht das leider immer noch nicht.“ Ob eine Virus-Mutation die Ausbrüche im Elisabeth-Krankenhaus verursacht hat, weiß derzeit niemand. „Unsere Tests wurden von den Laboren bisher nicht sequenziert“, erklärt der ärztliche Direktor, „aber ich gehe davon aus, dass die Mutationen unsere Region bereits erreicht haben.“

Unsere Erstberichterstattung: Die erste Corona-Welle überstand das Süder Krankenhaus noch ohne größere Virus-Ausbrüche. Eine ausgeklügelte Test-Strategie sorgte für rechtzeitige Warnungen. Nun aber schlug das Virus innerhalb von zehn Tagen gleich zweimal zu: 35 Pflegekräfte und fünf Ärzte sind infiziert und in Quarantäne. Das Krankenhaus wurde binnen Tagen „an den Rand des Machbaren geführt“, wie Dr. Oliver Müller-Klönne im Gespräch mit unserer Redaktion gesteht.

Kurzfristige Impf-Absage für Krankenhaus

Ausgerechnet in einer solchen Stress-Situation sorgt das Chaos um fehlende Impfdosen für Frust. Alles hatte man in der Klinik vor knapp zwei Wochen vorbereitet für den Tag, an dem die Impfung für 90 der rund 500 Krankenhaus-Mitarbeiter endlich stattfinden sollte: Impfstraßen, Dienstpläne, Hygiene-Maßnahmen. „Dann erreichte uns um 23 Uhr die Nachricht, dass am nächsten Tag keine Impfdosen für uns da wären“, klagt Dr. Müller-Klönne. „Das war mega-enttäuschend. Ich habe meinen Ärger dann erst einmal per Telefon im Gesundheitsministerium abgeladen.“

Operationen werden verschoben

Nun blieb der Klinik-Leitung nichts anderes übrig als alle Operationen, die verschoben werden können, tatsächlich zu verschieben. „Wir mussten die Reißleine ziehen“, sagt Müller-Klönne, „und betreiben jetzt reines Notfall-Geschäft.“ Das heißt: Notfall-Patienten werden weiter aufgenommen, behandelt und im Bedarfsfall auch operiert. Das sei nach wie vor auch unter Corona-Bedingungen sehr sicher, sagt der Ärztliche Direktor. „Das betrifft etwa unsere Kardiologie, die ja führend im Kreis Recklinghausen ist. Die Quarantäne-Flagge haben wir noch nicht vor unserem Haus gehisst. Das würde im Ernstfall übrigens das Gesundheitsamt tun.“

Einen ausführlicheren Bericht, in dem unter anderem beschrieben wird, wie es zu einem der Corona-Ausbrüche kam, gibt es in unserem E-Paper.

Auch im Prosper-Hospital werden Corona-Patienten behandelt. Nach dem Tod einer Corona-Patienten kam es dort zu einem gewaltsamen Vorfall. Mehmet und Ersoy Sam – Vater und Sohn, zwei kräftige Männer aus Herten. Das Coronavirus streckte sie nieder, nur einer stand wieder auf. Das ist ihre Geschichte.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Fahrer kassieren Knöllchen nach Termin am Impfzentrum
Fahrer kassieren Knöllchen nach Termin am Impfzentrum
Fahrer kassieren Knöllchen nach Termin am Impfzentrum
Kangal aus Tierheim Recklinghausen gestohlen: Wo ist Jonny?
Kangal aus Tierheim Recklinghausen gestohlen: Wo ist Jonny?
Kangal aus Tierheim Recklinghausen gestohlen: Wo ist Jonny?
Baustelle auf der A43 zwischen Recklinghausen und Herne  könnte am Wochenende für das nächste Chaos sorgen
Baustelle auf der A43 zwischen Recklinghausen und Herne könnte am Wochenende für das nächste Chaos sorgen
Baustelle auf der A43 zwischen Recklinghausen und Herne könnte am Wochenende für das nächste Chaos sorgen
Vater aus Versehen erschossen - Sportschütze wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Vater aus Versehen erschossen - Sportschütze wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Vater aus Versehen erschossen - Sportschütze wegen fahrlässiger Tötung verurteilt
Kreis meldet acht neue Coronafälle in Recklinghausen
Kreis meldet acht neue Coronafälle in Recklinghausen
Kreis meldet acht neue Coronafälle in Recklinghausen

Kommentare