Mitten in den Bio-Bohnen ist Rind "Elli" erstmals wieder gesehen worden.
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Mitten in den Bio-Bohnen ist Rind "Elli" erstmals wieder gesehen worden.

Tierischer Einsatz

Heiße Spur: Drittes entlaufenes Rind nach sechs Wochen im Bohnenfeld entdeckt

  • Alexander Spieß
    vonAlexander Spieß
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  • Oliver Prause
    Oliver Prause
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Tierischer Einsatz in Recklinghausen: Landwirt Lohoff wollte Rinder züchten, doch beim Verladen entwischten ihm drei Tiere. Eins ist noch immer auf der Flucht.

  • Tierischer Einsatz für die Polizei in Recklinghausen-Suderwich
  • Drei Rinder sind Bauer Lohoff entwischt
  • Eins ist nach wie vor auf der Flucht

Update, 5. August: Fast genau sechs Wochen nachdem das Galloway-Rind "Elli" mit ihrer Komplizin "Rosi" vom Hof von Ludger Lohoff an der Bergstraße ausgebüxt ist, ist das dritte und noch fehlende Tier am Mittwoch erstmalig wieder gesehen worden.

Das Kalb wurde von Erntearbeitern entdeckt – „und zwar in den Bio-Bohnen von Bauer Heimann“, wie ein Augenzeuge berichtete. Sofort nahm auch Ludger Lohoff selbst im Verbund mit einigen anderen Männern die Verfolgung auf, doch „Elli“ ist inzwischen extrem scheu und lässt Menschen nicht mehr in ihre Nähe. Sie entwischte.

Kommende Hitzetage werden zur Herausforderung

„Irgendwann war es wieder weg, und ich kann nicht sagen, wohin“, erklärt der Besitzer. Dass das freiheitsliebende Rind genug Nahrung finde, liege laut Ludger Lohhoff ja auf der Hand: „Ansonsten wäre es ja wohl verhungert.“ 

Genauso erstaunlich ist, dass "Elli" genügend Trinkwasser vorfindet. „So ein Tier braucht 20 bis 40 Liter pro Tag“, hatte Lohhoff schon vor Wochen erklärt. Die anstehenden Hitzetage dürften für das Rind allerdings zur Herausforderung werden.

Das Beweisfoto: Galloway-Rind „Elli“ ist noch in der Nähe von Suderwich. Hinten sind Häuser am Scheffelweg zu sehen

Update, 8. Juli: Noch immer streift ein einsames Jungrind durch die Felder im Osten der Stadt - und das bereits seit zwei Wochen. Die internationale Tierschutzstiftung „Vier Pfoten“ warnt Wanderer nun vor Gefahren bei Begegnungen mit dem Rind.

„Obwohl Rinder biologisch betrachtet Fluchttiere sind, können sie bei fehlenden Fluchtwegen mit einem Angriff reagieren. Menschen sollten sich bei Begegnungen mit Tieren in der Natur immer respektvoll verhalten. Im Falle des Rinds sollte der Respekt durch einen möglichst großen Abstand zum Ausdruck gebracht werden. 

Hunde könnten Situation verschärfen

Mitgeführte Hunde könnten die Situation verschärfen, da sich Rinder durch sie mitunter bedroht fühlen. „Auch lärmendes Verhalten, das Imitieren von Kuhlauten und ruckartige Bewegungen bzw. spontanes Umherlaufen sollten Wanderer unterlassen“, raten die Tierfreunde. 

Auch gelte es, die Warnsignale der massigen Wiederkäuer als solche erkennen und richtig zu deuten. Gefahr sei im Verzug, wenn die Tiere bei einer Konfrontation den Kopf senken. „Eine unmissverständliche Drohgebärde“, heißt es. Die richtige Reaktion sei es in solch einer brenzligen Situation, so ruhig wie möglich zurückzuweichen und dem Rind nie den Rücken zuzukehren.

Update, 30. Juni: Fünf Tage und sechs Nächte irrte „Rosi“ durch die Felder zwischen Ostcharweg und Esseler Straße. Die Suche hat nun ein Ende gefunden. Das entwischte Kalb ist eingefangen und steht seitdem auf einer abgezäunten Weide.

Dazu kam es wie folgt: Am Montagabend postete ein Facebook-Nutzer in der Gruppe „Neues aus Recklinghausen“ zwei Bilder eines braunen Rinds, das inmitten eines Getreidefelds steht. Dazu schrieb der Nutzer den Satz: „Weiß jemand, wem die entlaufene Kuh in der Nähe des Ostcharwegs gehören könnte?“

Ein Augenzeuge hat Rind "Rosi" in der Nähe der Annastraße in Recklinghausen vor die Linse gekriegt.

Veronika Lohoff erkannte ihr entlaufenes Rind wieder und machte sich gemeinsam mit ihrem Mann Ludger sofort auf den Weg zu der Stelle, wo das Rind zuletzt gesehen wurde. Auch sie sehen das Tier. Nahe der Annastraße nähert sich das Rind einer umzäunten Weide. So berichtet es Ludger Lohoff. Offenbar sucht Rosi die Nähe der Artgenossen, die auf dem Gelände weiden. Die Lohoffs öffnen das Gatter und Rosi schreitet auf die Weide. 

Rind "Rosi" sieht abgemagert aus

Nun ist „Rosi“ zurück. Auf den Fotos sieht sie mager aus. Vor allem an Wasser wird es ihr gemangelt haben. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer NRW brauchen Aufzuchtrinder 20 bis 40 Liter Wasser pro Tag. Bei einer ausgewachsenen Kuh sind es sogar 200 Liter.

Jetzt soll sich „Rosi“ erstmal auf der Weide seiner Tante von den Strapazen erholen. Von dem anderen Kalb fehlt nach wie vor jede Spur.  „Vielleicht“, meint Ludger Lohoff, „ist sie schon in der Haard.“

Update, 29. Juni: Landwirt Ludger Lohoff gibt nicht auf: Am Sonntag, 28. Juni, machte er sich wieder auf die Suche nach den zwei entwischten Kälbern. "Wir waren zu viert auf Pferden unterwegs, doch ein Kalb ist uns wieder entwischt", so Lohoff.

Demnach halten sich die beiden flüchtigen Tiere noch immer in der Nähe eines Maisfelds in Suderwich auf. Ende der vergangenen Woche war auch die Polizei nach zwei Kuhsichtungen im Einsatz. Doch das gesichtete weiße Kalb wartete nicht auf die Beamten. Als sie eintrafen, war es auch schon wieder verschwunden. Wer eines der entlaufenen Kälber sieht, ist angehalten den Notruf zu wählen unter Tel. 110.

Update, 26. Juni: Auch am Freitag ließen sich die beiden ausgebüxten Jung-Rinder des Landwirts Ludger Lohoff bislang nicht einfangen. Sie liefen noch immer in den Feldern zwischen Bergstraße und Esseler Straße herum. 

Genau dort nämlich hätte der Eigentümer eines der Tiere am Donnerstagabend beinahe geschnappt. „Wir waren zu zehnt“, sagt Lohoff. „Aber das Rind ist uns entwischt.“ Im Esseler Feld verlor sich schließlich die Spur des sechs Monate alten weißen Galloway-Rinds.

Polizei Recklinghausen meldet zwei Kuhsichtungen

Bei Dunkelheit habe er die Suche schließlich abgebrochen. Die Polizei berichtet von zwei Kuhsichtungen. Gegen 21.30 Uhr am Donnerstagabend will ein Zeuge ein Tier an der Horneburger Straße gesehen haben. Einen zweiten Einsatz gab es gegen 0.15 Uhr nahe der Esseler Straße.

Beide Male konnten die Beamten kein Rind mehr antreffen. Der Eigentümer wird für die Einsätze der Polizei wohl nicht aufkommen müssen, da es sich um Gefahrenabwehr handelt. Wer die Kälber sieht, ist angehalten, den Notruf zu wählen: Tel. 110.

Update, 25. Juni, 17.45 Uhr: Für Ludger Lohoff war der 24. Juni 2020 ein Pechtag. Und der darauffolgende war auch nicht viel besser. Um 5.45 Uhr hat der Landwirt am Donnerstag die Suche nach den zwei verbliebenen Rindern eingestellt. Auch der Polizeihubschrauber - der am Samstagmorgen ebenfalls in Recklinghausen im Einsatz war - flog heimwärts. 

Per Wärmebildkamera hatten die Gesetzeshüter zuvor gegen 4.30 Uhr immerhin eines der drei Tiere in einem Maisfeld nahe des Lohoffschen Hofes an der Bergstraße ausgemacht. Ein aus Appelhülsen angereister Schütze verpasste dem Tier einen Treffer aus dem Betäubungsgewehr.

Landwirt aus Recklinghausen wollte züchten 

Von den beiden anderen Galloway-Rindern fehlt am Donnerstagabend noch jede Spur. Der Landwirt wollte eine kleine Rinderzucht aufziehen. „Als Hobby.“ Seinen Plan beschreibt er so: „Eins sollte in die Truhe und die anderen wollte ich decken lassen.“

Doch das Vorhaben misslang. Nachdem Lohoff die in Werne und Ahlen gekauften Rinder am Donnerstag auf ihre Weide verladen wollte, wurden die Tiere unruhig. Plötzlich geriet ein Rind in Panik und rannte durch den Zaun. Auch die zur Sicherheit gezogene 10.000-Volt-Leitung kann das Rind nicht aufhalten. Die drei galoppieren in die vorläufige Freiheit davon.

Landwirt alarmiert gegen 23 Uhr die Polizei

„Zwei Stunden lang hab‘ ich versucht, die Rinder selbst wieder einzufangen“, erzählt Ludger Lohoff. Schließlich ruft er gegen 23 Uhr die Polizei. Diese orderte einen Hubschrauber. Auch mehrere Bekannte halfen bei der Suche. Bislang erfolglos. Einen ausführlicheren Bericht lesen Sie am Freitag, 26. Juni, in unserem E-Paper.

Erstmeldung, 25. Juni, 10.25 Uhr: So einen Einsatz gibt es auch für die Polizei Recklinghausen nicht alle Tage: In der Nacht zu Donnerstag suchte die Behörde mit einem Großaufgebot im Ortsteil Suderwich nach entlaufenen Rindviechern. Ein Landwirt hatte zuvor die insgesamt drei Tiere als vermisst gemeldet. 

Da laut Polizei in solchen Fällen nicht auszuschließen sei, dass die Tiere auf Straßen laufen und so auch - vor allem bei Dunkelheit - Verkehrsteilnehmer gefährden könnten, wurde intensiv nach den Rindern gesucht. 

Polizei in Recklinghausen: Teilerfolg durch Hubschrauber-Einsatz

Ab etwa 4.15 Uhr am Donnerstagmorgen half bei dem kuriosen Einsatz sogar auch ein Hubschrauber mit. Kurz danach vermeldeten die Beamten einen Teilerfolg: Denn eines der Tiere konnte gegen 4.35 Uhr im Bereich Annastraße/Brinkstraße gefunden und von einem Fachmann betäubt werden. 

Allerdings blieben die beiden anderen Rinder wie vom Boden verschluckt. Die Polizei Recklinghausen vermutet, dass sie in angrenzende Maisfelder geflüchtet sein könnten. Aus diesem Grund soll im Tagesverlauf weiter nach ihnen gesucht werden. 

Polizei rettet Schafe in Herten vor dem Eintrinken

Erst kürzlich hatte die Polizei einen tierischen Einsatz gehabt - sie musste in Schafe in Herten vor dem Ertrinken retten.

Eine schlimme Tat hätte für einen krebskranken 71-Jährigen aus Recklinghausen fatal enden können. Er wurde in der Altstadt von einer Person bespuckt und musste danach zum Corona-Test.

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