Der Kreis Recklinghausen sucht Taxi-Unternehmen, die die entstandene Lücke durch Taxi Süd/City Taxi wieder auffüllen können.
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Der Kreis Recklinghausen sucht Taxi-Unternehmen, die die entstandene Lücke durch Taxi Süd/City Taxi wieder auffüllen können.

Nach Taxi Süd/City Taxi-Pleite

Ermittlungen bei Taxi-Unternehmen nach Razzia dauern an - Kreis vergibt Lizenzen

  • Falko Bastos
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Nach der Pleite von Taxi Süd/City Taxi hat der Kreis Recklinghausen rund die Hälfte der weggefallen Konzessionen neu vergeben. Ein Ermittlungsverfahren zieht sich hin.

  • Nach Taxi Süd/City Taxi-Pleite hat der Kreis 14 Konzessionen neu vergeben
  • Kein Taxi-Unternehmen sah sich in der Lage, gesamte insolvente Unternehmen zu übernehmen
  • Ermittlungsverfahren nach Razzia im Taxi-Unternehmen dauert an

Update, 28. Mai: Der Kreis Recklinghausen hat nach der Insolvenz von Taxi Süd/City Taxi rund die Hälfte der 27 weggefallenen Konzessionen inzwischen neu vergeben. Dies teilte Kreis-Pressesprecher Jochem Manz auf Nachfrage mit. Nach einem Anhörungsverfahren vergab der Kreis 14 Lizenzen an Taxi-Unternehmen, die diese beantragt hatten. 

Bei manch einem Kandidaten gebe es zwar weiter loses Interesse, aber derzeit sei die Taxi-Branche angesichts der Corona-Krise ein schwieriges Geschäft. „Viele warten erst mal ab“, vermutet der Kreis-Sprecher. Abwarten heißt es auch bei den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum gegen die beiden Teilhaber des insolventen Unternehmens.

Razzia bei Taxi Süd an der Bochumer Straße

Zoll und Steuerfahndung hatten im November bei einer Razzia im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Geschäftsräume von Taxi Süd an der Bochumer Straße durchsucht und Geschäftsunterlagen beschlagnahmt. Der Vorwurf: Sozialversicherungsbetrug.

Die beiden Unternehmer sollen bei ihnen beschäftigte Arbeitnehmer der Sozialversicherung nicht ordnungsgemäß gemeldet haben und dadurch Sozialversicherungsbeiträge vorenthalten haben. Im Raum steht eine sechsstellige Summe. Abgeschlossen sind die Ermittlungen aber auch nach einem halben Jahr noch lange nicht.

Fülle an Beweismaterial muss gesichtet werden

Laut Oberstaatsanwältin Cornelia Kötter müsse derzeit noch eine Fülle an Beweismaterial gesichtet werden. Der behördliche Notbetrieb im Zuge der Corona-Einschränkungen habe den Sichtungsprozess  zusätzlich verlangsamt. Zudem müsse die Deutsche Rentenversicherung noch ihre Ansprüche beziffern, wenn das Hauptzollamt die Sichtung der Unterlagen abgeschlossen hat.

Erstmeldung, 9. März: Wer in diesen Tagen ein Taxi am Hauptbahnhof oder an der Schaumburgstraße nehmen möchte, findet dort vor allem die Wagen von Taxi Nord und Yellow Car vor. Denn das größte Taxi-Unternehmen der Stadt Taxi Süd / City Taxi hat Insolvenz angemeldet und seinen Betrieb vor einer Woche eingestellt.

Nun werden die Karten auf dem Recklinghäuser Taxi-Markt neu gemischt. Die Lücke, die Taxi Süd/City Taxi hinterlässt, ist groß. Mit 27 Konzessionen fällt rund die Hälfte der Taxis der Stadt vorerst weg. Bei den übrigen Unternehmen laufen die Telefone heiß. Entsprechend eilig hat es der Kreis Recklinghausen bei der Suche nach Ersatz. 

Kreis Recklinghausen vergibt Interessenten-Liste neu

Bereits Anfang der Woche kontaktierten Kreis-Mitarbeiter die Taxi-Unternehmen der Stadt. „In so einem Fall gehen die Konzessionen zurück an den Kreis, der sie anhand einer Interessenten-Liste neu vergibt“, erklärt Kreis-Pressesprecher Jochem Manz. Derzeit befinde man sich in Gesprächen. 

Dass ein einzelner Anbieter sein Geschäft massiv ausweitet, wird wohl nicht passieren. Auch eine Übernahme des insolventen Betriebs war erfolglos. Denn zum Verkauf stand nur das gesamte Unternehmen mit beiden Taxi-Zentralen, Mietauto-Service und Kfz-Werkstatt, da alle zu einer einzigen Gesellschaft gehörten. Interessiert sei er gewesen, sagt Karsten Gerdes von Yellow Car. „Aber für ein normales Unternehmen war das nicht realisierbar.“ 

Alle Taxi-Unternehmen in Recklinghausen werden mehr zu tun haben

Die Konsequenz wird wohl sein, dass der Kuchen scheibchenweise verteilt wird: „Das wird sich so einpendeln, dass alle ein bisschen mehr zu tun haben“, ist sich Karsten Gerdes sicher. „Das gibt 10 Prozent mehr für jeden“, so Gerdes. 

Wie viele Konzessionen Karten Gerdes mit seinem Unternehmen Yellow Car beantragen möchte und welche weiteren Probleme auf die Taxi-Unternehmer hinzukommen, lesen Sie in einem ausführlicheren Bericht in unserem E-Paper.

Auch in Herten-Mitte waren 27 Fahrzeuge von Taxi Süd/City Taxi im Einsatz. Kunden müssen sich derzeit auf längere Wartezeiten einstellen.

Ein 28-Jähriger fuhr in Marl und Recklinghausen Taxi, ohne zu bezahlen. Kürzlich stand er vor dem Schöffengericht in Marl.

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