Am Samstag wurde die Wohnung an der Hochstraße weiter durchsucht. 
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Am Samstag wurde die Wohnung an der Hochstraße weiter durchsucht. 

Vermisster Junge im Schrank gefunden

Ignorierter Hinweis im Fall Marvin K.: Polizei startet "disziplinarrechtliche Vorermittlungen" 

  • Alexander Spieß
    vonAlexander Spieß
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Im Fall Marvin K. hat die Duisburger Polizei "disziplinarrechtliche Vorermittlungen" gegen ihr eigenes Personal eingeleitet. Konkret geht es um den Verdacht, dass ein Hinweis schlicht ignoriert wurde.

  • Der seit zweieinhalb Jahren vermisste Marvin K. wurde am 20. Dezember bei einer Wohnungsdurchsuchung an der Hochstraße in Recklinghausen-Süd in einem Schrank gefunden.
  • Der 44-jährige Wohnungsinhaber stand unter dem Verdacht, Bilder und Videos zu verbreiten, die den schweren Missbrauch von Kindern und Jugenbdlichen zeigen.
  • Mittlerweile sitzt der Mann wegen einer "schwerwiegenden Sexualstraftat" in Untersuchungshaft. Marvin K. wird in einer Klinik ärztlich betreut.
  • Ein Hinweis auf den tatverdächtigen Recklinghäuser ging bereits im Sommer bei der Polizei in Duisburg ein. 

Update, 27. Dezember:

Bei dem offenbar nicht weiter verfolgten Hinweis, handelt es sich nach dpa-Angaben um einen Anruf, der nach der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" im Juli dieses Jahres bei der Polizei in Duisburg einging. Darin habe der Anrufer gesagt, dass Marvin bereits 2016 Kontakt mit dem mittlerweile in Untersuchungshaft sitzenden Lars H. gehabt habe. Zum Zeitpunkt des Anrufs war Lars H. bereits wegen des Besitzes von Kinderpornos zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt. Dieses Urteil erging im März 2018. 

Update, 24. Dezember, 12.33 Uhr: Wie die Polizei in einer Stellungnahme mitteilt, gibt es Erkenntnisse, dass es im Vermisstenfall Marvin B. bereits im Sommer 2019 einen Hinweis auf den tatverdächtigen Recklinghäuser gegeben haben soll. Der Hinweis soll nach der Ausstrahlung der "Aktenzeichen XY"-Folge im Juli im Polizeipräsidium Duisburg eingegangen sein. Nun werde justiziell und polizeiintern geprüft, "ob durch das Polizeipräsidium Duisburg diesem Hinweis mit der gebotenen Konsequenz nachgegangen wurde".

Fall Marvin: 18-köpfige Ermittlungskommission arbeitet "mit Hochdruck"

Die Polizei hat außerdem weitere Einzelheiten zu den Ermittlungen im Fall Marvin K. bekanntgegeben. Demnach arbeite eine 18-köpfige Ermittlungskommission auch an den Feiertagen "mit Hochdruck" an der Aufarbeitung des Falles. 

Aktuell konzentrieren sich die Ermittlungen laut Mitteilung auf die schnellstmögliche Auswertung der in der Wohnung des Tatverdächtigen sichergestellten Datenträger. Daneben sei auchz das persönliche Umfeld des Tatverdächtigen von besonderer Bedeutung.  

Fall Marvin: Tatverdächtiger war bereits wegen Kinderpornografie verurteilt

Update, 23. Dezember, 13.39 Uhr: Im Fall des nach über zwei Jahren wiederaufgetauchten Jugendlichen ist der verhaftete 44-Jährige 2018 wegen des Besitzes von Kinderpornografie verurteilt worden.

Dies teilte die Staatsanwaltschaft Bochum mit. Er habe damals eine Freiheitsstrafe auf Bewährung erhalten, sagte Oberstaatsanwalt Christian Kuhnert am Montag. Außerdem sei er wegen kleinerer Delikte bereits mehrfach zu Geldstrafen verurteilt worden. Darunter wegen Fahrens ohne Führerschein und Sachbeschädigung.

Update, 23. Dezember, 9 Uhr

Nach dem Fund eines vermissten Jugendlichen in der Wohnung eines Kinderpornografie-Verdächtigen in Recklinghausen ist unklar, wann der 15-Jährige wieder zurück zu seiner Mutter kann.

"Die Entscheidung, was mit dem Jungen passiert, wird eine ärztliche sein und keine polizeiliche", sagte ein Sprecher der Polizei am Montagmorgen.

Update, 22. Dezember, 13 Uhr

Der mutmaßliche Sexualstraftäter Lars H. wurde dem Haftrichter vorgeführt. Dieser ordnete am Samstagabend die Untersuchungshaft an. Am Freitag und Samstag hatten Polizisten eine Vielzahl von Festplatten und Speicherkarten in der Wohnung an der Hochstraße sichergestellt. Nach ersten Sichtungen erhärteten sich die Beweise gegen den 44-Jährigen. Bei der wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderporno-Bildern und -Videos angeordneten Wohnungsdurchsuchung waren die Beamten am Freitagmorgen zufällig auf den in einem Schrank kauernden Marvin K. gestoßen.

Mutter Manuela B. konnte ihren Sohn erstmals in der Kinder- und Jugendklinik in Datteln besuchen. Auf ihrer Facebook-Seite hat sie viele Posts von Nachrichtenseiten geteilt, die ihren Sohn betreffen. Über einen hat sie den Satz geschrieben: "Es ist alles ein Horrorfilm".

Über einem Bild, das den mutmaßlichen Peiniger ihres Jungen zeigt, steht "Ich könnte zum Killer werden". Und dann ist da natürlich die Freude, dass ihr Sohn nach 900 Tagen der Ungewissheit noch lebt. 

"Schwerwiegende Sexualstraftat"

Der heute 15-jährige Marvin K. war 2017 zunächst spurlos aus einer betreuten Wohngruppe in Oer-Erkenschwick verschwunden.

Die Polizei geht davon aus, dass sich der Jugendliche schon seit längerer Zeit in der Wohnung in Süd aufgehalten hat. Dass er dabei sexuell missbraucht wurde, wollte die Polizei am Samstagabend nicht explizit bestätigen - vor allem aus Gründen des Opferschutzes, da Name und Gesicht des Jungen wegen der öffentlichen Fahndung bekannt seien. 

Jedoch: Der von der Staatsanwaltschaft Bochum eingeschaltete Haftrichter ordnete die Untersuchungshaft laut Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber "wegen einer schwerwiegenden Sexualstraftat" an.

Update, 21. Dezember, 15.30 Uhr

Die Wohnung eines mutmaßlichen Pädophilen, in der Polizeibeamte am Freitag den seit zwei Jahren vermissten Marvin K. in einem Schrank fanden, wurde am Samstag komplett leergeräumt. Die Polizei hat ein Umzugsunternehmen eingeschaltet. 

Wohnung komplett leergeräumt

Das Leerräumen der Wohnung an der Hochstraße in Recklinghausen-Süd soll die Suche nach weiteren Festplatten und Speicherchips mit kinderpornografischen Videos und Bildern erleichtern. Die Wohnung soll nach 24vest-Informationen in einem messie-haften Zustand sein. Auch ein auf Datenträger spezialisierter Spürhund sollte am Samstag wieder zum Einsatz kommen.

Ebenfalls an diesem Samstag soll sich noch entscheiden, ob der 44-jährige Wohnungsinhaber dem Haftrichter vorgeführt wird oder nicht. Der 77-jährige Vater des Mannes, der ebenfalls in der Wohnung gemeldet ist, wurde noch am Freitagabend auf freien Fuß gesetzt. "Gegen ihn konnte kein Verdacht erhärtet werden", sagte Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber. In der Nacht zu Samstag stand ein Streifenwagen vor dem Mehrfamilienhaus, um sicherzustellen, dass niemand die Wohnung betritt - auch nicht der 77-Jährige. Er musste anderweitig unterkommen.

Update, 21. Dezember, 12 Uhr:

Nach dem überraschenden Fund eines 15-Jährigen in der Wohnung eines Kinderpornografie-Verdächtigen in Recklinghausen ist der Jugendliche zur Untersuchung in eine Klinik gekommen.

Junge wird ärztlich untersucht

"Er war zwei Jahre lang nicht in der Obhut von Erziehungsberechtigten", sagte ein Polizeisprecher am Samstag. Der psychische Zustand des Jungen werde nun fachärztlich untersucht.

Was wir bisher berichtet haben (20. Dezember):

Der seit mehr als zwei Jahren vermisste Marvin K. ist wieder da. Polizeibeamte stießen am Freitag bei der Durchsuchung in einer Wohnung in Recklinghausen-Süd auf den 15-jährigen Jungen. Er hatte sich in einem Schrank versteckt. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass sich der Jugendliche gegen seinen Willen in der Wohnung aufgehalten habe, teilte die Polizei mit.

Im Visier der Beamten war eigentlich der 44-jährige Bewohner. Gegen ihn besteht der Verdacht, dass er kinderpornografische Bilder verbreitet hat. Datenträger sollten sichergestellt werden. Dann nahm die Durchsuchung eine bizarre Wende.

Recklinghausen-Süd: Junge ist körperlich unversehrt

Der Jugendliche ist körperlich unversehrt, wie die Polizei mitteilt. Vor zwei Jahren war er aus einer betreuten Wohngruppe in Oer-Erkenschwick verschwunden. Im Sommer hatte die Fernsehsendung Aktenzeichen XY ungelöst mit einem Beitrag nach dem aus Duisburg stammenden Jungen gesucht. Dabei hieß es, dass Marvin K. zuletzt am Neumarkt in Recklinghausen-Süd gesehen worden sei. 

Neben dem 44-jährigen Wohnungsinhaber trafen die Einsatzkräfte auf einen weiteren Bewohner: einen 77 Jahre alten Mann. Bei ihm soll es sich um den Vater des Verdächtigen handeln. Er soll ebenfalls in der Wohnung leben. Der 44-Jährige wurde bis auf Weiteres in Gewahrsam genommen. In den nächsten Tagen soll sich entscheiden, ob er dem Haftrichter vorgeführt wird.

Ist auch Marvin K. ein Opfer geworden?

Auch Marvin K. blieb am Freitag zunächst in Polizeigewahrsam. "Wir müssen jetzt schnell klären, ob und inwieweit der Jugendliche auch Opfer geworden ist", erklärte Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber. Auch müsse geklärt werden, in welche Obhut Marvin gegeben wird. 

Ursprünglicher Bericht, 14.40 Uhr

Es klingt wie im Film, ist aber eine aktuelle Meldung der Polizei. Ermittler haben einen vermissten Jungen in einem Schrank aufgefunden.

Anlass der Durchsuchung einer Wohnung am Freitag (20.12) eines 44-jährigen Tatverdächtigen in Recklinghausen war der Verdacht der Verbreitungkinderpornografischer Schriften, teilte Polizeisprecher Andreas Wilming-Weber mit.

Die beauftragten Ermittler des Fachkommissariats für Sexualdelikte entdeckten in der Wohnung eines 44-jährigen Tatverdächtigen einen minderjährigen Jungen in einem Schrank.

Recklinghausen: Junge wird seit längerer Zeit vermisst

Wie der Polizeisprecher weiter mitteilte, hat eine Überprüfung ergeben, dass es sich bei dem Jungen um einen seit längerer Zeit vermissten 15-Jährigen handelt. Trotz der kuriosen Umstände würden laut Polizei derzeit keine Hinweise vorliegen, dass der Junge gegen seinen Willen in der Wohnung festgehalten wurde.

Wegen des Opferschutzes wird die Polizei keine weiteren Informationen über den Jungen herausgeben. Wie Polizeisprecher Wilming-Weber weiter mitteilte, ist neben dem 44-Jährigen ein weiterer älterer Mann in der Wohnung angetroffen worden. Beide seien vorläufig festgenommen und dem Polizeigewahrsam zugeführt worden.

Ermittler der Polizei stellten Datenträger sicher

Zudem stellten die Ermittler mehrere technische Geräte und Datenträger sicher. Ob sich auf diesen Geräten kinderpornografische Dateien befinden, ist Gegenstand der sofort veranlassten Ermittlungen.

In der Recklinghäuser Wohnung wurde zur Auffindung von Beweismitteln ein Datenträgerspürhund eingesetzt. Die Ermittlungen dauern an.

mit dpa-Material

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