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Wer nach einem sechsstelligen Code gefragt wird, sollte die Nachricht ignorieren.

Betrugsmasche per Smartphone

Frau aus Recklinghausen gibt Code für WhatsApp weiter: Als ihr der Trick auffällt, ist es zu spät

  • Tobias Ertmer
    vonTobias Ertmer
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Die Nachricht von der guten Freundin klang ganz harmlos: Janine W. (Name geändert) sollte einfach einen sechsstelligen Code für WhatsApp weiterleiten. Das Problem: Dahinter steckt eine miese Betrugsmasche.

Recklinghausen - Als Janine W. die WhatsApp-Nachricht von der guten Bekannten erhält, ist sie zunächst nicht sonderlich überrascht. „Hallo, sorry, ich habe dir versehentlich einen 6-stelligen Code per SMS geschickt. Kannst du ihn mir bitte weitergeben? Es eilt“, steht in der Nachricht. Dahinter noch zwei nette Smileys. Das kann ja mal passieren, denkt sich die 28-Jährige. Denn wenige Sekunden vorher war tatsächlich eine SMS mit einem sechsstelligen Code eingegangen. Der ist schnell kopiert und per WhatsApp weitergeleitet.

Anschließend kommt direkt noch eine SMS mit einem Code. „Das kam mir komisch vor“, sagt sie. Sie ruft die Freundin an und erfährt, dass diese gerade offenbar Opfer einer Betrugsmasche worden ist. Janine W. ist jetzt auch klar, dass sie gerade auf denselben miesen Trick hereingefallen ist und ihr WhatsApp-Konto übernommen wurde.

WhatsApp-Konto in Gefahr: Alles begann mit einer Nachricht

So sieht die Nachricht aus, die versendet wurde.

„Mir war schnell klar, dass ich Opfer eines Betrugs geworden war“, so die 28-Jährige. Als sie WhatsApp öffnen möchte, kommt sie schon nicht mehr in die App. Auch eine Neuinstallation ist nicht mehr möglich.

Sie sucht nach ähnlichen Fällen im Internet und wird schnell fündig. Kürzlich ist erst einer Frau aus Hamm so etwas passiert. Die Methode ist gleichermaßen simpel und hinterhältig: Der Unbekannte benötigt lediglich eine Handynummer. Diese gibt er dann auf einem beliebigen Gerät beim Einrichten von WhatsApp als zu koppelnde Rufnummer an. Um die Nummer zu verifizieren, versenden WhatsApp dann den besagten sechsstelligen Code per SMS an die angegebene Nummer.

Freundliche Nachricht ist nur Tarnung

In der Zwischenzeit hat der Unbekannte, der ja im schlimmsten Fall schon über ein weiteres gehacktes Konto einer bekannten Nummer verfügt, eine freundliche WhatsApp-Message als Tarnung abgeschickt. Wenn er anschließend an den Code gelangt, ist das Konto bei WhatsApp bereits gekapert - und im Zweifelsfall stehen demjenigen dann alle Inhalte der Chatgruppen und -verläufe zur Verfügung. Denn diese sind auch mit der Nummer verknüpft.

Laut dem Journalisten Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go soll man schon auf die erste Nachricht des vermeintlichen Freundes oder Bekannten am besten gar nicht reagieren, sonst sei der Account weg. Chip.de erklärt welche gravierenden Folgen dann auftreten könnten: „Die Übernahme des WhatsApp-Accounts [...] dient der Vorbereitung weiterer Straftaten. Da die Betrüger Ihre Identität annehmen können, werden über diese Konten in der Regel weitere Straftaten verübt. Häufig geht es dabei um Betrug, bei dem ein hoher finanzieller Schaden entsteht.“

Was ist zu tun, wenn man auf den Trick hereinfällt?

In solchen Fällen sollten Nutzer ihre Kontakte davor warnen, dass ihr Konto gehackt wurde und die Nachricht nicht von ihnen stammt. Zudem findet man im Internet auf der offiziellen Homepage von WhatsApp weitere Informationen. Über den Menüpunkt „WhatsApp: Gestohlene Accounts“ kann man versuchen, auf das Konto wiederherstellen lassen und zurückbekommen. Das funktioniert nach einer gewissen Wartezeit von bis zu sieben Tagen. In der Zwischenzeit wird das Konto gesperrt, sodass auch unbekannte Dritte nicht weiter mit dem Konto Unheil anrichten können.

Weitere Versuche, den Account wiederherzustellen, scheitern bei Janine W.

Wichtig: Sofort alle Kontakte informieren und Betrug anzeigen

Für Janine W. aus Recklinghausen war klar, dass ihre Handynummer mit dem WhatsApp-Trick nun auch nicht mehr völlig sicher sein kann: Über ihren Mobilfunkanbieter erhält sie eine neue Nummer, eine neue SIM-Card ist dafür nicht einmal notwendig. „Da ich das Telefon auch beruflich nutze, blieb mir nichts anderes übrig. Auch wenn es schade ist, denn es war meine allererste Handynummer.“ Das Ganze kostet sie allerdings auch 30 Euro. Bei der Polizei meldet sich Janine W. auch - per Internet wird Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Nach ihrer Recherche im Bekanntenkreis erfährt Janine W., dass auch zahlreiche andere WhatsApp-Nutzer schon Opfer dieser Masche geworden sind. Sie warnt zwar umgehend alle Kontakte über Dritte sowie per Facebook und Mail. Doch für mehrere ist es bereits zu spät. Jetzt hofft sie, dass ihr und den anderen nicht noch weiterer Schaden entsteht.

Wer sich selbst vor so einer Kontenübernahme schützen möchte, sollte in seinen WhatsApp-Einstellungen auf dem Smartphone unbedingt die Funktion „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ einschalten: Hier vergibt man einen festen sechsstelligen Zahlencode, den man ab sofort für die Wiederherstellung benötigt. Abgesichert wird dieser zusätzlich durch eine Mailadresse. Mit dieser Kombination geht man dann künftig auf Nummer sicher. Bei WhatsApp werden zudem immer wieder neue Features eingeführt. Diese sollte man kennen.

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