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In König Ludwig geht die Sorge um: In diesem Haus "Am Grünen Platz" sollen ausländische Arbeiter leben, die auch bei Westfleisch arbeiten.

Corona-Infektionen

Nach Wohnungskontrollen am Grünen Platz: Kreis sieht keinen Grund einzuschreiten

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Am "Grünen Platz" sollen Arbeiter des Corona-Hotspots Westfleisch auf engstem Raum zusammenleben. Der Kreis hat kontrolliert und keine gravierenden Mängel festgestellt.

  • Gerüchte über katastrophale Zustände machten die Runde 
  • Der Kreis Recklinghausen hat vor Ort kontrolliert
  • Die Behörde sieht keinen Grund, Wohnungen zu schließen

Update, 14. Mai, 13.15 Uhr:

Noch am Mittwochnachmittag haben Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts zusammen mit dem städtischen Ordnungsamt an der Straße am Grünen Platz und am Hamsterweg Begehungen durchgeführt, um festzustellen, unter welchen Bedingungen die zumeist osteuropäischen Westfleisch-Mitarbeiter dort leben.

"Keinerlei Hinweise auf erhöhtes Risiko"

Vor Ort stellte die Behörde anders als von Anwohnern befürchtet keine gravierenden Hygiene-Verstöße fest. „So war zumindest unser Eindruck“, bestätigt Kreissprecher Jochem Manz: „Unser Hauptaugenmerk galt natürlich dem Infektionsschutz. Vor Ort ergaben sich dann aber keinerlei Hinweise auf ein erhöhtes Risiko.“

In den Räumen sei ausreichend Desinfektionsmittel vorhanden. In Abgleich mit dem städtischen Melderegister wurde eine Belegung von Personen pro Raum festgestellt. Damit gebe es aus Behördensicht keine Veranlassung, Wohnungen zu schließen. Anwohner waren hier in den letzten Wochen zu anderen Erkenntnissen gekommen, aber offiziell bestätigt werden konnte das nicht. 

Update, 13. Mai, 19.04 Uhr: 

Die Westfleisch-Arbeitskräfte, die in Recklinghausen unter anderem am Grünen Platz, am Hamsterweg und an der Ostseestraße wohnen, werden in diesen Tagen einen Kontrollbesuch von Mitarbeitern der Kreisbehörde bekommen. Zur Unterstützung ist auch das Ordnungsamt der Stadt dabei.

Denn nach dem Bekanntwerden der zahllosen Infektionen mit dem Sars-CoV-2-Virus in den Niederlassungen von Westfleisch (unter anderen in Oer-Erkenschwick) hat das Land NRW die zuständigen Kreisgesundheitsämter angewiesen, genau hinzuschauen – in den Arbeitsstätten selbst, aber auch in den Wohnungen der zumeist osteuropäischen Mitarbeiter. 

Wohnungsschließungen möglich

„Das ist richtig. Wir haben von Westfleisch Listen erhalten, in denen die Wohnorte der Mitarbeiter angegeben sind. Diese arbeiten wir jetzt ab, beginnend mit den größeren Wohnungen“, so Kreis-Sprecher Jochem Manz. 

Kontrolliert werden sollen die hygienischen Zustände, die sanitären Anlagen und die Schlafgelegenheiten. Die große Frage: Wie beengt leben die Arbeiter dort? Auch Wohnungsschließungen sind nicht ausgeschlossen.

Update, 12. Mai, 18.39 Uhr: Anwohner aus König Ludwig sind zunehmend besorgt über die Zustände auf der Straße "Am Grünen Platz", wo ausländische Billiglohnempfänger, die in der Fleischfabrik Westfleisch arbeiten sollen, leben. Nachbarn berichten davon, dass die Arbeiter täglich in Bussen abgeholt würden, auf denen es eindeutige Hinweise auf die Westfleisch-Niederlassung in Oer-Erkenschwick geben soll. Dort waren bereits diverse bestätigte Corona-Fälle aufgetreten. Auch beschweren sich die Anwohner darüber, dass die Arbeiter mit meist osteuropäischer Herkunft Prostituierte ins Haus kommen lassen, was Kindern nicht verborgen bliebe. Und es gibt Kritik an der Stadt Recklinghausen: Die Behörde habe viel zu lange weggeguckt, wie unwürdig die ausländischen Arbeitskräfte untergebracht werden.

Westfleisch-Mitarbeiter auch in Recklinghausen untergebracht? 

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat am Wochenende 1865 Corona-Tests bei Mitarbeitern der Westfleisch-Niederlassung in Oer-Erkenschwick durchgeführt. Die Ergebnisse werden am Mittwoch, 13. Mai, erwartet. 

Unsere Erstberichterstattung: Schon lange machen Gerüchte im Stadtteil König Ludwig in Recklinghausen die Runde, dass die zahlreichen ausländischen Arbeitskräfte, die am Grünen Platz, aber auch Hamsterweg in Röllinghausen, untergebracht sind, auch zu den Westfleisch-Mitarbeitern der Niederlassung in Oer-Erkenschwick gehören. Dort gab es bereits positive Tests auf das Corona-Virus

Kreis Recklinghausen bestätigt Verdacht nicht

Der Kreis Recklinghausen als zuständige Behörde bestätigt dies nicht. Kreissprecher Jochem Manz sagt zudem: "Es kann nicht unsere Aufgabe sein, auf einzelne Häuser zu zeigen und zu sagen: Dort wohnen die positiv Getesteten." Auch die Stadt Recklinghausen hat in dieser Hinsicht keine neuen Erkenntnisse: Von einem Zusammenhang zwischen den am Grünen Platz lebenden Arbeitern und der Firma Westfleisch sei nichts bekannt, heißt es aus dem Rathaus. Gleichwohl sei man mit Hochdruck am Ball, um die unübersichtlichen Verhältnisse dort zu klären und die Beschwerden der Bürger zu überprüfen. 

Auch Kontrollen am Bruchweg in Recklinghausen

Auch die Mitarbeiter des Kreises werden in den nächsten Tagen in Recklinghausen unterwegs sein, allerdings vornehmlich auf dem Schlachthof am Bruchweg. Im Zuge der vom Land angeordneten Überprüfung aller Schlachthöfe in NRW werden von den 200 dort tätigen Personen Abstriche genommen, um eine Infektion mit dem Corona-Virus festzustellen.

Mahnwache gegen Westfleisch - so setzen die Aktivisten ein Zeichen des Protestes.

Alle Entwicklungen im Zusammenhang mit der Corona-Krise in Recklinghausen lesen Sie in unserer Zusammenfassung. In Marl gibt es schwere Vorwürfe mit Blick auf eine Flüchtlingsunterkunft.

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