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In dieser Übernachtungsstelle an der Herner Straße in Recklinghausen soll es nach Angaben eines Bewohners nicht immer rund laufen.

Kritik an Security in Obdachlosen-Unterkunft

Tesche bittet Pfarrer zum Gespräch - und stellt Verbesserungen in Aussicht

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Mit scharfen Worten reagieren Stadt und Diakonisches Werk auf einen offenen Brief des Gasthaus-Pfarrers Ludger Ernsting. 

  • Gasthaus-Pfarrer Ludger Ernsting und ein Bewohner einer Übernachtungsstelle für Obdachlose in Recklinghausen kritisieren Verhalten des Wachschutzes
  • Körperliche Gewalt sei Bewohnern schon mehrfach angedroht worden. Einige seien vor die Tür gesetzt worden.
  • Die Stadt und das Diakonische Werk weisen die Vorwürfe zurück

Update, 30. April: "Aufs Schärfste" weist die Stadt in einer Stellungnahme den Vorwurf von Gasthaus-Pfarrer Ludger Ernsting zurück, sie würde sich beim Betrieb der Obdachlosenunterkunft an der Herner Straße 98 nicht immer an der Würde des Menschen orientieren. Bürgermeister Christoph Tesche hatte Ernsting für Donnerstagmittag zu einem Gespräch eingeladen. 

Menschen dürfen nicht auf die Straße gesetzt werden

Der Seelsorger blieb zunächst bei seiner Kritik: "Ich habe die Stadt in meinem offenen Brief nur an ihre staatliche Aufgabe erinnert. Es kann nicht sein, dass Menschen in Coronazeiten bei Fehlverhalten auf die Straße gesetzt werden." 

Ihm seien drei Fälle bekannt, in denen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Bewohner der mittlerweile ganztägig geöffneten Übernachtungsstelle in den vergangenen Tagen auf die Straße gesetzt hätten." Selbst bei starkem Fehlverhalten müsse es eine andere Lösung geben - etwa die Unterbringung eines renitenten Bewohners in einem separaten Bereich.

Stadt Recklinghausen und Diakonie möchte Situation verbessern

In ihrer Stellungnahme erklären Stadt und Diakonisches Werk allerdings auch: "Stadt und Diakonie nehmen den Vorwurf zum Anlass, weitere Verbesserungsmöglichkeiten mit der gebotenen Sorgfalt zu entwickeln. In enger Absprache mit Bürgermeister Christoph Tesche werden Stadt und Diakonie dazu eine Arbeitsgruppe einrichten."

Treffen am Mittwoch - Pfarrer Ernsting nimmt teil

Am Mittwoch, 6. Mai, soll es ein erstes Treffen mit Sozialdezernent Dr. Sebastian Sanders, dem Vorsitzenden des Sozialausschusses, Ulrich Hempel, dessen Stellvertreter und mehreren Mitarbeitern von Stadtverwaltung und Diakonischem Werk geben. Auch Pfarrer Ernsting wird teilnehmen. 

Update, 28. April: Gasthaus-Pfarrer Ludger Ernsting äußert sich nach der Berichterstattung über das oftmals respektlose und martialische Verhalten des Wachschutzes an der Herner Straße 98 zu den Vorwürfen.

Aus vielen Berichten, sagt der Geistliche, könne er bestätigen, was ein Bewohner der Übernachtungsstelle an der Herner Straße 98 in Recklinghausen im Gespräch mit 24Vest äußerte. Respektloses bis martialisches Auftreten mancher Mitarbeiter gegenüber den Obdachlosen bis hin zur Androhung körperlicher Gewalt seien keine Seltenheit.

Sicherheitsdienst in Recklinghausen missbrauche Position

„Beim Sicherheitsdienst gibt es Mitarbeiter, die – mit natürlicher Sozialkompetenz – sensibel und angemessen ihren Dienst tun, aber leider auch andere, die der Aufgabe nicht gewachsen sind und ihre Position missbrauchen", formuliert es Ernsting in einem offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden des Rates in Recklinghausen.

Pfarrer Ernsting fordert demnach ein völliges Umdenken im Umgang mit den Obdachlosen und möchte in Recklinghausen eine politische Debatte in Gang setzen. Konkrete Ideen gibt es bereits.

Pfarrer Ernsting aus Recklinghausen hat konkrete Vorschläge

Pfarrer Ernsting fordert die Schaffung einer unabhängigen Beschwerdestelle für die Obdachlosen, eine „fachkompetente Rufbereitschaft“, die bei Konflikten eingreift, zusätzliche Plätze, um Menschen bei Bedarf separat unterbringen zu können und getrennte Räume auch für Frauen. 

Sozialarbeiter der Drogenberatung sollten zudem vor Ort arbeiten können. Zudem sollte die Übernachtungsstelle auch nach der Corona-Krise rund um die Uhr geöffnet bleiben. SPD-Fraktionschef Frank Cerny will das Thema auf die Tagesordnung des nächsten Sozialausschusses am Dienstag, 12. Mai, setzen lassen. 

Erstmeldung, 27. April: Die Übernachtungsstelle an der Herner Straße 98 in Recklinghausen sieht sich harter Kritik ausgesetzt. Seit November war sie versuchsweise ganztägig geöffnet. Die erweiterte Öffnung wird auch in der Coronakrise beibehalten.

Auch wenn diese Maßnahme positiv zu sehen ist, übt ein Bewohner Kritik am Verhalten der Mitarbeiter des von der Stadt engagierten Wachdienstes. Demnach würden den Obdachlosen ohne Respekt und mit martialischem Auftreten begegnen. 

Körperliche Gewalt sei Bewohnern angedroht worden

Nach Angaben des Bewohners, der anonym bleiben möchte, werden die Bewohner gelegentlich einfach geduzt. „Bei manchen baumeln die Handschellen am Gürtel“, erzählt der Mann. „Da fehlen nur noch der Schlagstock oder die Pistole.“ Körperliche Gewalt sei Bewohnern schon mehrfach angedroht worden. 

So sieht ein Zimmer in der Übernachtungsstelle an der Herner Straße aus.

Die Pressestelle im Rathaus weist diesen Vorwurf zurück. Ihr sei kein derartiger Vorfall bekannt. Allerdings sei es umgekehrt schon vorgekommen, dass den Wachschutzmitarbeitern körperliche Gewalt angedroht wurde und sie etwa mit einem Messer bedroht wurden. Schon mehrfach habe die Polizei gerufen werden müssen und vorübergehende Hausverbote ausgesprochen.

Kollektivstrafen empfindet Bewohner in Recklinghausen demütigend

Als demütigend empfindet der Beschwerdeführer Kollektivstrafen, die der Wachschutz schon mehrfach ausgesprochen habe. „Wenn einer die Küche nicht richtig sauber gemacht hatte, durfte sie keiner mehr nutzen.“ 

Auch hier hält die Stadt dagegen: „Die Küche kann im Falle von Vandalismus und extremer Verschmutzung gesperrt werden. Dies geschieht nur äußerst selten und kurzzeitig, ist jedoch bereits erforderlich gewesen. Dies ist jedoch keineswegs eine Kollektivbestrafung, sondern dient dazu, weitere Zerstörung oder bewusste Verunreinigungen zu verhindern.“

Insbesondere in der aktuellen Krisensituation sei die Beachtung der Hygieneregeln wichtig. 

Einen ausführlicheren Bericht gibt es in unserem E-Paper.

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