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Auch in der Ditib-Moschee an der König-Ludwig-Straße wird die geplante Kundgebung beim Freitagsgebet ein Thema sein.

500 Teilnehmer erwartet

Türkische Kundgebung findet auf dem Wall statt - Moscheevereine distanzieren sich

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Am Sonntag wird es eine protürkische Kundgebung auf dem Kaiserwall geben. Die Anmelderin selbst stammt nicht aus Recklinghausen. 

Update, 18. Oktober: 

Mittlerweile ist es amtlich: Am Sonntag, 20. Oktober, wird es eine türkische Kundgebung in Recklinghausen geben. Diese soll nach Angaben der Polizei von 18 bis 21 Uhr im Bereich Kaiserwall/Schaumburgstraße stattfinden. Die Veranstaltung trägt den Titel "Moralische Unterstützung für das türkische Volk". Sie ist offenbar eine Reaktion auf prokurdische Demonstrationen und Kundgebungen in den vergangenen Tagen, die sich gegen den türkischen Einmarsch in die nordsyrischen Kurdengebiete richteten. 

Hodschas raten von Teilnahme ab

Die Anmelderin ist selbst keine Recklinghäuserin. Sie erwartet bis zu 500 Teilnehmer. Die türkischen Moscheevereine in Recklinghausen hatten sich bereits am Donnerstag gegen eine Teilnahme an der Kundgebung ausgesprochen. In den Freitagsgebeten rieten die Hodschas den Gläubigen nach Anagaben eines Sprechers davon ab, die Kundgebung zu besuchen.


Update, 17. Oktober, 18.41 Uhr: Am Sonntag soll in Recklinghausen eine türkische Kundgebung stattfinden, in der "die Unklarheit" klargestellt werden soll. So steht es in einem Post bei Facebook. Offenbar handelt es sich um eine Reaktion auf prokurdische Demos gegen den türkischen Einmarsch in Nordsyrien. Parallel zum Facebook-Post ist im Polizeipräsidium eine mündliche Anmeldung eingegangen. "Wir stehen mit der Anmelderin in Kontakt", erklärte die Polizei auf Anfrage.

Aufruf an "alle Türken"

Der Aufruf zur Kundgebung richtet sich an "alle Türken". Sie sollen sich am Sonntagabend laut Facebook-Post am Recklinghäuser Rathaus einfinden. Ob die Kundgebung tatsächlich am Rathaus stattfinden kann, ist fraglich, denn zur gleichen Zeit werden dort die Rathausshowas zu "Recklinghausen leuchtet" mit Tausenden Zuschauern zu sehen sein. Am Freitag wollen Polizei und die Anmelderin der Demo die Frage nach den Wo und Wann klären.  

Unterdessen distanzieren sich die türkischen Moscheevereine in der Stadt von der geplanten Demo. "In den Freitagsgebeten werden die Hodschas in den Moscheen dazu aufrufen, nicht an der Kundgebung teilzunehmen", sagt Sinan Özen vom Arbeitskreis der türkischen Moscheevereine in Recklinghausen. Man wolle sich nicht an möglichen Provokationen beteiligen. 

Update, 16. Oktober:

Mit einer türkischen Fahne und Parolen rufend war die Gruppe am Dienstag gegen 19 Uhr durch die Altstadt gezogen. Auch „Allahu ekber“-Rufe („Gott ist groß“) waren zu hören. Am Mittwoch bestätigte die Polizei: Der Protestzug war nicht angemeldet. Mehrere Zeugen hatten sich bei der Polizei gemeldet und das Geschehen geschildert. Daraufhin erstattete die Polizei Strafanzeige gegen unbekannt - und das wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsrecht.

"Eine Versammlung muss mindestens 48 Stunden voirher angemeldet werden", sagt Polizei-Pressesprecher Andreas Wilming-Weber. Wer eine nicht angemeldete und somit auch nicht genehmigte Versammlung durchführt, müsse mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe rechnen. Nach den Zeugenaussagen gebe es bereits erste Ermittlungsansätze, so Wilming-Weber. Beim Eintreffen der Polizei am Dienstagabend in der Altstadt war die Gruppe bereits verschwunden. Möglicherweise handelte es sich um eine Reaktion auf prokurdische Proteste in den vergangenen Tagen.

Erstmeldung, 15. Oktober:

Kurdische Proteste in Herne sind am Montag von gewalttätigen Ausschreitungen überschattet gewesen. Auch in Recklinghausen zog am gleichen Abend ein Protestzug mit rund 250 Menschen vom Europaplatz zum Altstadtmarkt, um gegen die türkische Offensive in Nordsyrien zu protestieren. Jetzt fordern neun türkische Moscheevereine in Recklinghausen mehr Polizeipräsenz vor ihren Gotteshäusern. Die Vorsitzenden haben bereits im Polizeipräsidium vorgesprochen.

Rekord bei Montagsdemo in Recklinghausen

„So viele waren wir noch nie“, sagt Rupert Seth. Er steht seit Jahren mit einer Handvoll Getreuer fast jeden Montag auf dem Altstadtmarkt, um gegen Hartz IV und den „Neoliberalismus“ zu demonstrieren. Vergangenen Montag ging es um den Protest gegen die türkische Offensive gegen die kurdischen Milizen im Nordosten Syriens. Unter den 250 Teilnehmern waren viele Kurden. „Die Menschen sind ziemlich aufgewühlt“, sagt Seth. „Viele von ihnen haben Verwandte im Kriegsgebiet, um die sie sich große Sorgen machen.“ 

Sprecher: Sicherheitsgefühl in den Recklinghäuser Moscheen leidet

Sinan Özen, Sprecher des Koordinierungskreises der Recklinghäuser Moscheegemeinden, will nicht von einer konkreten Bedrohung sprechen. Aber in jüngerer Zeit habe das Sicherheitsgefühl in den türkisch dominierten Recklinghäuser Moscheen gelitten. Er nennt den Rechtsterror von Halle, aber auch die Übergriffe von Kurden auf türkische Läden in Herne. Özen spricht sich für mehr Polizeipräsenz vor den Gotteshäusern aus. Dabei sei gegen friedliche Demonstrationen nichts einzuwenden.

„Bei der hohen Emotionalisierung vieler Demoteilnehmer können schon kleine Provokationen reichen“, sagt Polizei-Pressesprecher Andreas Wilming-Weber. Bisher sei es bei den drei Kundgebungen in Recklinghausen aber zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen.

Orte der Demos werden mit der Polizei abgestimmt

Damit das so bleibt, stimme die Polizei auch mit den Anmeldern kurdischer Proteste die Örtlichkeiten ab, an denen die Demos stattfinden sollen. Auch der polizeiliche Staatsschutz sei involviert.

Gruppe zieht mit türkischer Fahne durch die Altstadt

Für die kommenden Tage seien in den Städten des Kreises weitere Proteste angemeldet. Die nächste prokurdische Montagsdemo soll am 28. Oktober stattfinden. Am Dienstagabend hingegen zog eine Gruppe von etwa 20 jungen Männern mit einer türkischen Flagge und "Allahu ekber"-Rufen ("Gott ist groß") durch die Recklinghäuser Altstadt. Begleitende Polizisten waren nicht zu sehen.

Auch auf den Fußballplätzen der Stadt sorgt der kurdisch-türkische Konflikt wegen des Salutierens türkischer Spieler für Kontroversen.

In Bottrop standen sich nach einer Kurden-Demo plötzlich 400 Menschen gegenüber

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