Am Landgericht Bochum geht es derzeit um Steuerhinterziehung.
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Am Landgericht Bochum geht es um Überfälle auf Geldboten.

Bochumer Landgericht

Nach Überfällen auf Geldboten: Drei „Rewe-Räuber“ zu Haftstrafen verurteilt

  • Werner von Braunschweig
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Drei Männer, die mehrfach Geldboten vor Rewe-Märkten in Gelsenkirchen und Herten überfallen haben sollen, sind am Landgericht Bochum zu Haftstrafen verurteilt worden.

Update, 21. Dezember: Drei „Rewe-Räuber“, die vor einem Jahr in Gelsenkirchen und Herten zwei Geldboten-Überfälle verübt haben, sind am Montag am Bochumer Landgericht allesamt zu Haftstrafen verurteilt worden. Ein 30-jähriger Ex-Rewe-Angestellter aus Recklinghausen, der sich bei einem Coup zum Schein hatte ausrauben lassen, kassierte mit drei Jahren Haft die mildeste Strafe.

Gegen zwei weitere Angeklagte (24/28) aus Dortmund und Düren verhängte die 4. Strafkammer am Ende drei Jahre und zehn Monate beziehungsweise (weil einschlägig vorbestraft) sogar sechs Jahre Haft. Weil zwei Angeklagte auch noch einen weiteren Rewe-Überfall in Düren geplant hatten und im April 2020 kurz vor dessen Ausführung standen, lautete das Urteil in ihrem Fall neben Raub auch auf Verbrechensverabredung.

Ex-Rewe-Mitarbeiter frustriert wegen versagter Gehaltserhöhung

Das Trio hatte in dem Prozess nach anfänglichem Schweigen doch noch zugegeben, in wechselnder Besetzung sowohl am 28. Oktober 2019 in Gelsenkirchen sowie am 2. November 2019 in Herten-Westerholt jeweils Rewe-Geldboten ausgeraubt zu haben. Der mitverurteilte Ex-Rewe-Mitarbeiter hatte in diesem Zusammenhang, „hochgradig frustriert“ (O-Ton Richterin Frauke Seyda) über eine zweimal versagte Gehaltserhöhung, nicht nur wertvolles Insiderwissen weitergegeben, sondern war in Herten-Westerholt als an diesem Tag eingesetzter Geldbote für eine Beutebeteiligung von 20 Prozent in die Rolle eines Opfers geschlüpft.

„Er kannte alle Gepflogenheiten des Geldtransportes und hat einen Überfall dadurch schon relativ einfach gemacht“, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Tageseinnahmen der betroffenen Rewe-Filialen waren offenbar bis dahin stets nur durch eigene Mitarbeiter (ohne zusätzliches Sicherheitspersonal) zur Bank gebracht worden.

Tippgeber verhilft zur Festnahme

Die Festnahmen des Trios waren im April nach einem Hinweis durch einen Tippgeber erfolgt. Die Gesamtbeute der zwei Überfälle beläuft sich laut Urteil auf rund 72.000 Euro. Während der Recklinghäuser mit dem Urteil vorläufig auf freien Fuß gelassen wurde, müssen seine zwei Komplizen vorerst weiter in Haft bleiben. Der 24-Jährige hofft auf einen zügigen Wechsel in eine Drogen-Entziehungsanstalt.

Update vom 14. Dezember: Staatsanwalt Klaus-Peter Kollmann hat am Montag am Landgericht Bochum für das „Rewe-Trio“ (24, 28, 30) Haftstrafen von sechs, fünf und dreieinhalb Jahren gefordert. Die Urteile will die 4. Strafkammer am Montag in einer Woche verkünden. Die drei Angeklagten hatten zugegeben, in wechselnder Besetzung in Gelsenkirchen und in Westerholt jeweils Rewe-Geldboten auf dem Weg zur Bank ausgeraubt zu haben. Der mitangeklagte Ex-Rewe-Verkäufer aus Recklinghausen hatte eingeräumt, nicht nur mit Insiderwissen den Überfall in Westerholt („seiner“ Ex-Filiale) eingestielt, sondern sich am fraglichen Tag sogar selbst zum Schein in die Opferrolle begeben und als Geldbote ausrauben lassen zu haben. Gesamtbeute: 70.000 Euro.

Weil auch die Staatsanwaltschaft den Angeklagten nach der Beweisaufnahme eine Beteiligung an einem wohl am schwersten wiegenden, dritten Rewe-Boten-Überfall Mitte November 2019 in Gelsenkirchen nicht sicher nachweisen konnte, soll in diesem Punkt, so Staatsanwalt Klaus-Peter Kollmann, ein Teilfreispruch erfolgen.

Auf die Spur der Täter waren die Ermittler durch einen Tippgeber gekommen, der den Ex-Rewe-Mitarbeiter aus Recklinghausen belastet hatte. Danach waren die Telefone der drei Angeklagten angezapft worden. Die Festnahmen erfolgten kurz vor der Ausführung eines vierten Coups, bei dem sich die Gruppe angeblich am 2. Mai die Corona-Pandemie zunutze machen wollte und auf Spitzeneinnahmen durch private Spirituosen-Einkäufe spekuliert haben soll. Tatort sollte eine Rewe-Filiale in Düren sein, wo ein Angeklagter zeitweise lebte.

Unsere bisherige Berichterstattung: Der junge Mann war Mitarbeiter in einem der Rewe-Märkte, die überfallen wurden. Er sagte am Freitag vor dem Bochumer Landgericht: „Drei Jahre lang habe ich meinen Chef nach mehr Gehalt gefragt und bin immer wieder vertröstet worden.“  Irgendwann sei er völlig frustriert gewesen. Für seine Insider-Hinweise bei dem Rewe-Coup in Westerholt habe er 20 Prozent der Beute eingestrichen – rund 6000 Euro.

Angeblich nur 10.000 Euro erbeutet

Zweifel ließen die Richter bei Gericht an der Version der Männer erkennen, bei den eigentlichen Tätern habe es sich um angeworbene Rumänen aus der Dortmunder Nordstadt gehandelt. Angeblich sei nach einem der Überfälle ein Streit zwischen den Angeklagten und den Rumänen entbrannt, weil die Rumänen angaben, nur 10.000 Euro erbeutet zu haben.

Der Prozess wird am Landgericht Bochum fortgesetzt.

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