Für eine Kleinstmenge Marihuana droht einem Recklinghäuser Obdachlosen eine Gefängnisstrafe.
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Für eine Kleinstmenge Marihuana droht einem Recklinghäuser Obdachlosen eine Gefängnisstrafe.

Fall beschäftigt das Gericht

Muss Peter S. ins Gefängnis? Plätzchenfee äußert sich zu Spendenaufruf

  • Alina Meyer
    vonAlina Meyer
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  • Falko Bastos
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Wegen des Besitzes von gerade einmal 0,01 Gramm Marihuana droht einem wohnungslosen Recklinghäuser das Gefängnis. Jacqueline Padberg setzt sich für ihn ein.

  • Als Häftling in der JVA Remscheid rauchte der Obdachlose Peter S. aus Recklinghausen einen Joint. 
  • Wegen eines Krümels Marihuana droht ihm nun das Gefängnis. 
  • Jacqueline Padberg möchte die Geldstrafe im Falle einer Verurteilung für ihn übernehmen.

Update, 2. März, 13.50:

Die "Plätzchenfee" Jacqueline Padberg hat die Geldbuße, die Peter S. im Falle einer Verurteilung zahlen müsste, mithilfe von Spendengeldern auftreiben können. Das bedeutet, dass Peter S. nicht ins Gefängnis muss.

"Wir haben die erforderliche Geldsumme von 400 Euro zusammen", sagt die Recklinghäuserin am Montag erfreut. 

Peter S. könne Strafe in Sozialstunden umwandeln

Wie ein Rechtsanwalt, der in vielen Fällen auch gesetzlicher Betreuer ist, am Montag mitteilt, hätte Peter S. aber ohnehin nicht ins Gefängnis gemusst. "In der Regel ist es bei derartigen Fällen möglich, die Strafe durch gemeinnützige Arbeit in Form von Sozialstunden abzuwenden", erklärt der Anwalt, der anonym bleiben möchte.

Damit sei dem Wohnungslosen seiner Ansicht nach mehr geholfen, weil er so Kontakt zu Einrichtungen wie der Kirche, Kindergärten oder ähnlichen Einrichtungen erhält und sozial eingebunden wird.

Padberg erntet negative Kritik

Jacqueline Padberg erntete für ihren Spendenaufruf nicht nur positive Rückmeldungen. Es hagelte auch viel negative Kritik.

"Frau Padberg, Ihre Plätzchenaktion in Ehren, aber einem Obdachlosen zu helfen, ist lächerlich. Er hat es im Gefängnis warm und ist selbst schuld. Wollen Sie Ehrenbürgerin von Recklinghausen werden, oder was soll das? Frau Padberg, das schadet Ihrem guten Ruf hier in Recklinghausen, lassen Sie das! Helfen Sie jedem Obdachlosen nun?", lautet einer dieser Kommentare.

Padberg: Jeder Obdachlose habe eine Geschichte

Jacqueline Padberg nimmt sich der negativen Kritik an und bezieht in einem Facebook-Post Stellung. Hier einige Auszüge aus der Stellungnahme:

Demnach sei es ihrer Meinung nach "nicht lächerlich einem Obdachlosen zu helfen, wenn man weiß, welchen Rucksack er zu tragen hat. Es ist auch ein Geschenk auf Nachfrage zu erfahren, welche Geschichte ein Obdachloser hat. Die Mühe machen sich aber viele nicht, weil sie nur mit sich selbst beschäftigt sind, wegschauen und Vorurteile gegenüber solchen Menschen haben. Ich nicht", schreibt sie auf ihrem Facebook-Profil.

Vorwurf: Padberg wolle Orden erhalten

Zu dem Vorwurf Jacqueline Padberg wolle "Ehrenbürgerin von Recklinghausen werden", äußert sie sich wie folgt: "Nein, ich möchte Jacqueline Padberg bleiben, die nicht nur auf sich selbst schaut, wie manch einer, sondern stets auch nach links und rechts schaut, wenn sie durchs Leben geht. Ich möchte weiterhin, aufmerksam, rücksichtsvoll, wachsam und mir die Zeit zum Zuhören nehmen, wenn Menschen erzählen möchten und dafür keinen Orden erhalten."

Info: Jacqueline Padberg ist unter vielen Lesern als "Plätzchenfee" bekannt. Der Grund: Sie hat in der Adventszeit 30.104 Weihnachtsplätzchen gebacken, verkauft und den Erlös von 4625 Euro an den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Kreis Recklinghausen gespendet.

Update, 27. Februar:

Jacqueline Padberg möchte dem wohnungslosen Peter S. aus der Klemme helfen. Weil eine Gefängniswärterin in der JVA Remscheid vor zwei Jahren 0,01 Gramm Marihuana in seinem Tabakbeutel entdeckte, droht ihm nun eine Geldstrafe von 400 Euro oder - wenn er diese nicht aufbringen kann - 40 Tage Gefängnis.

Jacqueline Padberg hat einen Spenden-Aufruf auf Facebook gestartet. Sie möchte die 400 Euro durch Spenden aufbringen und im Falle einer Verurteilung die Geldbuße von Peter S. zahlen. „Wenn ich Besorgungen in der Stadt zu erledigen hatte, habe ich Peter schon öfters mal mit Zigaretten, Kaffee und Brötchen versorgt“, erzählt die Recklinghäuserin. „Ich finde es nicht richtig, dass er ins Gefängnis muss.“

Spende kann in Tierarztpraxis abgegeben werden

265 Euro sind bereits zusammengekommen, fehlen also noch 135 Euro. „Peter erkundigt sich ab und an bei mir, ob die Spendenaktion Erfolg hat. Ich sage ihm dann immer, dass es gut aussieht und wir die Summe schon irgendwie zusammenbekommen.“

Erstmeldung, 23. Januar:

Es war ein einziger Joint, den derObdachlose Peter S. aus Recklinghausen vor zwei Jahren als Häftling in der JVA Remscheid geraucht hat. Eine Gefängniswärterin fand den Krümel schließlich in seinem Tabakbeutel und meldete den Vorfall. Folglich erreichte den Mann jetzt einen Strafbefehl. Der Krümel Marihuana könnte ihm zum Verhängnis werden, denn im Knast sind Drogen tabu.

Anders als außerhalb der Gefängnismauern gilt bei Drogen im Gefängnis null Toleranz. "Wer Straftaten im Gefängnis begeht, und das ist eben auch der Besitz einer noch so kleinen Menge, wird angeklagt“, sagt Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert von der zuständigen Staatsanwaltschaft Wuppertal.

400 Euro Geldbuße oder 40 Tage Gefängnis

Deshalb soll Peter S. jetzt eine Geldbuße von 400 Euro zahlen, für ihn ein Ding der Unmöglichkeit. Kann er diese nicht aufbringen, drohen ihm 40 Tage Gefängnis.

Rechtsanwalt Jens Tuschhoff aus Oer-Erkenschwick findet das "völlig unverhältnismäßig" und hat bereits Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Er stellt die Frage, wie denn eine derart geringe Menge überhaupt zuverlässig gewogen werden kann.

Richter wird das Urteil fällen

Ob Peter S. tatsächlich eine weitere Gefängnisstrafe absitzen muss, wird ein Richter entscheiden. Denn selbst wenn die Strafzahlung rechtskräftig werden sollte und der Mann nicht zahlen kann, müsse dies keine Haftstrafe bedeuten, erklärt Oberstaatsanwalt Baumert. Bei Programmen wie „Schwitzen statt sitzen“ könne die Strafe auch abgearbeitet werden. „Aber nur, wenn man dazu in der Lage ist“, wendet Jens Tuschhoff ein.

In einem weiteren Fall klagt die Staatsanwaltschaft Bochum einen Obdachlosen (40) wegen Mordes an. Der Drogenabhängige soll einen 33-Jährigen in dessen Wohnung in Recklinghausen brutal getötet haben.

Der Fall Marvin K. beschäftigt nicht nur die Ermittler, sondern auch die Politik.

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