Abzocke-Versuch

"Datenschützer" verschicken dubiose Faxe

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RECKLINGHAUSEN - Massenhaft hat die "Datenschutzauskunft-Zentrale" in den vergangenen Tagen "eilige Fax-Mitteilungen" verschickt. Auch der Suderwicher Dietmar Parlow hat ein solches Schreiben erhalten, es allerdings schnell als Abzocke-Versuch erkannt. Nun will er andere Betroffene warnen.

Das offiziell anmutende Fax kam ihm gleich komisch vor. Die „Datenschutzauskunft-Zentrale (DAZ)“ fordert den selbstständigen Physiotherapeuten darin auf, seiner „gesetzlichen Pflicht zur Umsetzung des Datenschutzes“ nachzukommen. Bis zum 9. Oktober müsse er das Formular – versehen mit persönlichen Angaben sowie zum Betrieb – zurückschicken. Allerdings: Wer unterschreibt, bekommt möglicherweise innerhalb weniger Tage eine saftige Rechnung über 498 Euro plus Umsatzsteuer. Denn so teuer ist das „Leistungspaket Basisschutz“. Das umfasse angeblich Infomaterial, ausfüllfertige Muster, Formulare und Anleitungen zur Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai in Kraft getreten ist. „Durch die Unterzeichnung wird die Leistung für drei Jahre verbindlich gebucht“, heißt es weiter – macht also knapp 1500 Euro.

Ominöse Firma mit Sitz auf Malta

Dietmar Parlows Instinkt hat ihn nicht getrogen. „Ich habe mich im Netz informiert: Diese ,Datenschutzauskunft-Zentrale‘ gibt es gar nicht, das ist keine offizielle Behörde“, sagt der 48-Jährige. Vielmehr handelt es sich um eine ominöse Firma, die ihren Sitz auf Malta hat. „Da versuchen wieder irgendwelche Leute auf ganz gemeine Art, an Geld zu kommen.“ Offenbar wurde das Fax bundesweit verschickt. Es gibt Meldungen aus mehreren Bundesländern. Vorzugsweise waren Selbstständige und (Klein-)Unternehmer die Empfänger. „Gerade Selbstständige, die viel zu tun haben, und Firmen, die keine eigene Rechtsabteilung haben, könnten verunsichert sein und auf diese Masche reinfallen“, fürchtet Dietmar Parlow.

Polizei warnt vor Schreiben

Darum hat er selbst die Warnung über Facebook geteilt, zudem wurde die zweifelhafte Fax-Mitteilung über eine Physiotherapeuten-Gruppe im Internet verbreitet. Auch mehrere Landesdatenschutzbeauftragte warnen inzwischen vor der Abzocke. Der Recklinghäuser Polizei ist der aktuelle Fall zwar nicht bekannt, „aber solche Schreiben gibt es immer mal wieder flächendeckend“, weiß Behördensprecherin Ramona Hörst. Ihr Rat: „Geben Sie keine Daten raus – und erst recht kein Geld!“

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