Amtsgericht

Geständiger Täter kommt mit Freispruch davon

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RECKLINGHAUSEN - Drei verletzte Opfer, ein voll geständiger Täter – keine Bestrafung: Das ist das etwas ungewöhnliche Ende eines Strafprozesses am Amtsgericht. Ein 34-jähriger Recklinghäuser konnte das Gebäude als freier Mann verlassen.

Der Angeklagte hatte zwei Männer im Drogenwahn mit Schlagwerkzeugen attackiert und einer alten Dame (81) die Handtasche geraubt. Allerdings bescheinigte der psychiatrische Gutachter dem Recklinghäuser, zur jeweiligen Tatzeit zweifellos von einer (letztlich von der Schuld befreienden) Psychose befallen gewesen zu sein. Medizinische Atteste und Zeugenberichte hatten ergeben, dass der 34-Jährige sich zeitweise regelrecht zugedröhnt hatte mit synthetischen Drogen.

Die drei Vorfälle, um die es im Prozess ging, waren geprägt von Gewalt und Gefühllosigkeit. Einem Bekannten hatte der 34-Jährige im Juni 2015 dreimal brutal mit einem Axtstiel auf den Hinterkopf geschlagen, sodass dieser eine klaffende Platzwunde erlitten hatte. Vier Wochen zuvor hatte der Angeklagte Ähnliches mit seinem eigenen Onkel angestellt. Tatwaffe war ein 70 Zentimeter langer Ast. Die wohl hässlichste Tat war ein Handtaschen-Raub in einem Fahrstuhl. Im Dezember 2015 hatte der 34-Jährige einer alten Dame (81) an einem Rewe-Markt in Süd aufgelauert. Just als die Seniorin aus dem Fahrstuhl steigen wollte, wurde sie attackiert. Der Angeklagte entriss ihr die Handtasche mit 200 Euro in der Geldbörse, soll sie zum Schluss sogar noch mit einem hässlichen Handkantenschlag zum Aufgeben gezwungen haben.

Obwohl der 32-Jährige alle drei Taten mehr oder weniger zugab, konnte er am Ende nicht bestraft werden, da er als nicht schuldfähig eingestuft werden musste. Weil laut Gutachter bei dem 34-Jährigen, der sich inzwischen wieder berappelt hat und seit Monaten freiwillig einem Drogentest unterzieht, aktuell auch die Voraussetzungen für eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie beziehungsweise eine Therapieanstalt nicht erfüllt waren, blieb als Urteil nur ein Freispruch übrig. Allerdings: Beim nächsten Gewaltvorfall im Drogenrausch droht womöglich dann doch eine Zwangseinweisung.

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