Erneuerbare Energie

Ein Windrad in der Brandheide?

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RECKLINGHAUSEN - Ein von der Verwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigt, dass man in Recklinghausen fast nirgendwo Windräder aufstellen kann. Aber: Unter anderem in der Brandheide sei dies möglich. Dort seien die geringsten Auswirkungen auf Umwelt und Tiere zu erwarten.

An drei Stellen im Stadtgebiet könnten Windräder gebaut werden. Nach Einschätzung der enveco GmbH sind dies Flächen in Börste, Essel (dort stehen bereits Anlagen) und eben in der Brandheide. Falls die Politik sich diesem Urteil anschließt, rechnet der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank Cerny mit massivem Protest von Anwohnern.

Zum einen soll dort in Suderwich eigentlich Wald aufgeforstet werden. Zum anderen erinnert der Politiker an Proteste in früheren Jahren: Bei der Ausbau der Emscher sollten in der Brandheide ursprünglich bis zu neun Meter hohe Abluftschächte aus dem Boden ragen. Wegen der Proteste der Bürger sei dieser Plan nicht weiter verfolgt worden, erinnert Cerny.

Das geringste Potenzial weist Börste aus. Dort stehen zwar bereits vier Anlagen – sie genießen in gewissem Maße laut Gutachter auch Bestandsschutz –; aber deren Neubau oder der Bau zusätzlicher Windräder wäre wegen veränderter rechtlicher Voraussetzungen nicht mehr möglich beziehungsweise nicht wirtschaftlich. Die dortigen Anlagen sind 100 Meter hoch und nach heutigen Standards unrentabel. Gegen höhere Anlagen spricht unter anderem die Nähe zum Flugplatz Loemühle.

Bis zu drei Anlagen könnten unter Einbeziehung der rechtlichen Vorgaben nach Einschätzung der Experten in Essel entstehen, realistisch sei jedoch maximal eine – wenn es denn das Ziel der Stadt Recklinghausen ist, geeignete Standorte für solche Anlagen auszuweisen. Allerdings sind an diesem Standort die Hürden höher als in der Brandheide.

Insgesamt ist das Entwicklungspotenzial auf Recklinghäuser Stadtgebiet für Windanlagen äußerst gering. 1341 der 6643 Hektar großen Fläche kommen allenfalls in Frage. Die dezentrale Siedlungsstruktur Recklinghausens mit den drei Siedlungsschwerpunkten Recklinghausen-Altstadt, Recklinghausen-Südstadt und Suderwich, einschließlich der ihnen angegliederten Wohnsiedlungsbereiche sowie den zwischen den Siedlungsschwerpunkten liegenden Wohn- und Gewerbebändern, führt zu einer starken Einschränkung von Potenzialflächen für Windenergieanlagen.

1997 hat die Stadt erstmalig ein Standortkonzept zur Darstellung der Windenergie-Konzentrationszone Recklinghausen-Börste erarbeiten lassen. Es sah vor, dass der Bau von Windanlagen an anderen Stellen im Stadtgebiet ausgeschlossen wird. 15 Jahre später wurde politisch beschlossen, das Standortkonzept fortzuschreiben und einen „Teilflächen-Nutzungsplan Windenergie“ aufzustellen. Ursprünglich sollte dies in Kooperation mit der Stadt Oer-Erkenschwick geschehen; drei Jahre später wurde dieser Plan fallengelassen.

In der Folge beschloss die Stadt Recklinghausen, ihre Pläne für Windenergie alleine fortzuführen. Die enveco GmbH wurde beauftragt, das Standortkonzept zu überarbeiten. Das Ergebnis wird in den kommenden Wochen die politischen Gremien beschäftigen. Den Anfang macht heute der Ausschuss für Stadtentwicklung. Er tagt heute um 16 Uhr öffentlich im Großen Sitzungssaal des Rathauses.

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