Familiendrama

"Ich war rasend vor Wut"

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RECKLINGHAUSEN - Ein ehemaliger Jurastudent hat am Montag vor dem Jugendschöffengericht zugegeben, mehrfach mit einem Küchenmesser auf seine Mutter eingestochen zu haben. „Aufgrund meiner großen Wut habe ich sie verletzen wollen. Ich bereue zutiefst, was ich getan habe“, sagte der 20-Jährige.

Das beinahe tödliche Familiendrama hatte sich am Abend des 12. August 2018 in einem Mehrfamilienhaus an der König-Ludwig-Straße zugetragen. Der 20-Jährige war laut Anklage mit einem Messer auf seine Mutter losgegangen. Die schwer verletzte Frau war damals mit letzter Kraft aus dem Haus geflüchtet und auf der Straße zusammengebrochen. Die 53-Jährige kam auf die Intensivstation in ein Krankenhaus und wurde noch am Abend notoperiert. Rechtsmediziner legten sich später fest, dass die Frau ihr Weiterleben allein dem schnellen Eingreifen der Rettungskräfte verdankt.

Der Bluttat vorausgegangen war ein erneuter Streit. „Unser Verhältnis war zuletzt sehr angespannt“, sagte der Angeklagte. Ständig habe ihm seine Mutter Vorwürfe wegen seiner Faulheit und seines Drogenkonsums gemacht. So auch am Nachmittag des Tattages, als sie ihn um 16.30 Uhr tief schlafend in seinem Bett vorgefunden habe.

„Ich war total wütend“, erinnerte sich die Mutter. „Als ich seine Schublade voller Tabletten sah, habe ich ihm gesagt: Ich rufe jetzt die Polizei und sage, dass du dein ganzes Zimmer voller Drogen hast.“ Kurz danach sei die Situation völlig eskaliert. Der 20-Jährige habe Geld gefordert, sie ihn abblitzen lassen. „Ist das dein letztes Wort?“, habe ihr älterer Sohn sie dann noch gefragt – ehe er schließlich ein Messer gepackt und auf sie eingestochen habe.

„Ich weiß noch, dass ich gedacht habe, ich muss sofort raus hier, sonst bin ich tot“, so die Zeugin. Bis heute leidet die 53-Jährige an den Folgen der Messerattacke, bei der neben dem Gesicht durch zahlreiche Stiche Brust und Bauch auch Herz, Lunge und Leber getroffen worden waren. „Mein ganzer Torso ist verunstaltet“, so die Mutter.

Der Sohn gab zu: „Ich war rasend vor Wut. Deshalb habe ich ihr wehtun wollen.“ Töten sei zu keinem Zeitpunkt seine Absicht gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst wegen versuchten Totschlags ermittelt, mit Blick auf eigenes Rettungsbemühen den 20-Jährigen am Ende aber „nur“ wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Der Ex-Student hatte nur wenige Minuten nach der Messerattacke selbst einen Notruf abgesetzt.

Neben einer Jugendhaftstrafe droht dem 20-Jährigen wegen massiver Drogensucht die Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt. In der vergangenen Woche wurde er nach knapp sechs Monaten vorerst von weiterer U-Haft verschont. Urteilstermin: 26. Februar.

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