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Der Festakt zum Tag der Deutschen Einheit fand am Mittwoch im Ratssaal. statt.

Festakt im Rathaus

Emotional zurück trotz wirtschaftlichem Aufschwung

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RECKLINGHAUSEN - „Ich spüre, dass uns die letzten Jahre in der Wiedervereinigung emotional zurückgeworfen haben“, erklärte Thomas Kaminski, Bürgermeister der Stadt Schmalkalden, am Mittwoch beim Festakt zur Deutschen Einheit im Festsaal des Rathauses. Insbesondere die Vorkommnisse in Chemnitz bereiteten ihm Kopfzerbrechen.

Schnell werde der Osten Deutschlands als rechtsradikale Hochburg abgestempelt und damit Schmalkalden mit in Sippenhaft genommen. Er sehe Schmalkalden gut aufgestellt, auch was die Integration der Flüchlinge betreffe. Die Stimmung in Schmalkalden nach Chemnitz sei entspannt. Er sehe zahlreiche Bereiche, in denen die Wiedervereinigung gut funktioniere. Nachdem bis vor ca. 15 Jahren die Menschen aus dem Osten abgewandert seien, um eine gute Ausbildung zu absolvieren, konnte die Massenflucht eingedämmt werden. Viele Menschen seien in ihre Heimat zurückgekehrt, um eine Familie zu gründen und in Thüringen ihrem Beruf nachzugehen. Er sehe Probleme weniger im Vergleich zwischen Ost und West. Vielmehr existierten Defizite im Vergleich der Metropolen und Städten zu den ländlichen Gebieten. „Mit einer Arbeitslosenquote von ca. 3,7 Prozent im Altkreis Schmalkalden sind wir heute gut aufgestellt“, beschrieb der Bürgermeister weiter. Der Lohn in den neuen Bundesländern sei fast auf dem Stand angekommen wie in den alten Ländern. Ihm sei aufgefallen, dass viele Menschen, die einst die Linken gewählt hätten, nunmehr aus Protest zur AfD „übergelaufen“ seien. „Wir haben es in den vergangenen 15 Jahren verlernt, eine intensive Diskussionskultur zu führen. Vieles ist nur oberflächlich erörtert worden. Die Tiefe fehlt. Das nährt populistische Tendenzen“, gibt Kaminski Erklärungsversuche. Dennoch sei er davon überzeugt, dass die Wiedervereinigung seit 1990 gut gelungen sei. „Wir haben die Infrastruktur aufgebaut, die Wirtschaft angekurbelt. Darauf können wir stolz sein, auch wenn natürlich viele Biographien durch die Einheit Brüche bekommen haben.“ In seiner Rede machte er Hoffnung, dass die Wiedervereinigung, die in dieser Art in der Welt einzigartig sei, sich zu einem Erfolgsmodell entwickeln werde. Er würde sich auch wünschen, dass solche Veranstaltungen wie der Festakt nicht mehr stattfinden müssten, um der Wiedervereinigung zu gedenken. „Doch soweit sind wir in unseren Köpfen noch nicht. Das ist noch ein Prozess. Unsere Städtepartnerschaft mit Recklinghausen ist dafür ein tolles Beispiel“, erklärte Kaminski, der am Ende seiner Rede von Tesche herzlich umarmt wurde. Es war zu spüren, dass die Städtepartnerschaft von gegenseitigem Respekt und von tiefer Freundschaft geprägt ist. Tesche erinnerte in seinem Beitrag an den Beginn dieser Partnerschaft. 1988 wurden die ersten Wurzeln gebildet. Im September und Dezember 1989 wurde sie dann offiziell begründet. Viele Vertreter aus Stadt, Fraktionen und dem gesellschaftlichen Leben waren gekommen, um dem Festakt zu folgen. Der Kinder- und Jugendchor der Musikschule Recklinghausen unter der Leitung von Katharina Höhne trug passende Lieder vor. „Oh Happy Day“, „Donna“, „Mutter wiegt sanft ihr Kind“ aus der Kinderoper Brundibar und „Hevenu Shalom“ fassten die Stimmung treffend zusammen. Stadtarchivar Dr. Matthias Kordes beleuchtete in seinem Vortrag den Grundlagenvertrag.

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