Flüchtlinge

Was passiert mit den leeren Wohncontainern?

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RECKLINGHAUSEN - Für rund 7,5 Millionen Euro wurden im Jahr 2016 in Recklinghausen insgesamt 14 neue Wohncontainer für Flüchtlinge angeschafft, verteilt auf vier Standorte. Heute ist klar: So notwendig war das nicht. Was soll jetzt mit den Containern geschehen?

Der Entscheidungsdruck war hoch im Januar 2016: Insgesamt 1217 Flüchtlinge waren der Stadt Recklinghausen im Jahr 2015 zugewiesen worden, hinzu kamen noch etwa 400 Migranten, die in Landesunterkünften im Stadtgebiet untergebracht waren. Und die Perspektive war: Es kommen noch mehr. Stadtverwaltung und Rat mussten handeln, und das taten sie dann auch: Die neuen Container wurden auf vier Standorte verteilt.

Doch die Zeiten haben sich geändert: Obwohl die Zuwanderung in der öffentlichen Wahrnehmung immer noch überaus präsent ist, gibt es sie aktuell fast nicht mehr. Die Migranten, die jetzt noch kommen, kann man problemlos per Handschlag begrüßen – pro Woche sind es gerade einmal vier oder fünf. Rund 240 wird die Stadt bis Silvester im Jahr 2018 aufgenommen und untergebracht haben. Und damit sind die bestehenden Unterkünfte bei weitem nicht ausgelastet.

Ein Überblick: An der Dortmunder Straße 403 sind von 204 Plätzen 78 belegt. An der Lüfstraße sind es 68 von 147 Plätzen. Auch an der Lise-Meitner-Straße ist gerade einmal die Hälfte belegt: 74 von 147 Plätzen. Ein Sonderfall ist die Josef-Wulff-Straße, wo bislang noch kein einziger Flüchtling untergebracht worden ist. Und es sei noch hinzugefügt: Es handelt sich um sogenannte sozialverträgliche Plätze. Im Ernstfall würden noch mehr Menschen in den Wohncontainern Platz finden. Die Stadt verzichtete jedoch auf eine volle Auslastung, um eine gewisse Wohnqualität zu gewährleisten.

Doch das alles führt zu der Frage: Was geschieht mit den Containern, die derzeit offensichtlich überflüssig sind? Die stellt sich in Recklinghausen im Übrigen nicht exklusiv – im gesamten Bundesgebiet haben Behörden vorsorglich für zusätzliche Unterkünfte gesorgt, die sie jetzt gerne loswerden wollen. Verkaufen lohnt allerdings kaum, weil der Markt völlig übersättigt ist. In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung fast 1600 Container an Schulen, Kitas und Vereine abgegeben – und zwar kostenlos.

In Recklinghausen prüft man derzeit alle denkbaren Varianten – möglicherweise weiß man in zwei Wochen mehr. Lediglich die Zukunft von zwei der drei Wohncontainern an der Lülfstraße ist bislang gesichert: Diese wurden in weiser Voraussicht so aufgestellt, dass sie künftig zum Beispiel als Umkleidekabinen für den Kunstrasenplatz dienen können, der dort in ein paar Jahren entstehen wird. Und ein Container an der Josef-Wulff-Straße wird derzeit von der Raphaelschule genutzt.

Obendrein gibt es ja noch die „Alt“-Unterkünfte an der Herner Straße, wo gerade ein Neubau errichtet wird, und an der Vinckestraße. Dort sind für die Jahre 2019 und 2020 Abbruch- und Neubaumaßnahmen vorgesehen, vielleicht haben die leer stehenden Container dort übergangsweise oder gar dauerhaft eine Zukunft. Und dann soll westlich der Dortmunder Straße gegenüber der Siedlung Ziegelgrund noch ein weiterer Dauerstandort entstehen.

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