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Mahnendes Gedenken: Diese Stolpersteine wurden 2016 an der Bochumer Straße verlegt. Insgesamt gibt es aktuell 13 in Recklinghausen, vier weitere sollen am 14. September dazukommen.

Gedenken

Neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

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RECKLINGHAUSEN - Gleich vier neue Stolpersteine werden am Freitag, 14. September, in Recklinghausen verlegt. Sie sollen an Menschen erinnern, die während der Herrschaft der Nationalsozialisten verfolgt wurden und schließlich ums Leben kamen.

Die Steine werdenum 9 Uhr am Seniorenheim Grullbad, Hochstraße 52, sowie anschließend am Gertrudisplatz 26 verlegt. An der Feier wirken Schüler des Alexandrine-Hegemann-Berufskollegs, Vertreter der jüdischen Gemeinde, von Rat und Verwaltung sowie Schwester Paula Bomas von den Vorsehungsschwestern mit. Für die Stadt spricht Vize-Bürgermeisterin Marita Bergmaier. Sie vertritt Bürgermeister Christoph Tesche, der im Urlaub ist.

Betty Cohaupt wurde nur 31 Jahre alt

Zum ersten Mal verlegt die Stadt einen Stolperstein für ein Opfer der Euthanasie, der absichtlichen Herbeiführung des Todes bei Kranken, im Dritten Reich. Maria Elisabeth Cohaupt wurde nur 31 Jahre alt. Sie war im August 1941 mit 114 weiteren Frauen und 96 Männern in die Heil- und Pflegeanstalt Weilmünster nach Hessen gebracht worden. Es folgte ein fortwährendes Martyrium, weiß Dr. Matthias Kordes, Leiter des Instituts für Stadtgeschichte. So sorgte beispielsweise eine systematische Unterernährung für einen qualvollen Tod. Betty Cohaupt starb am 8. März 1944 an „Lungentuberkulose“, wie ihren Eltern Paul und Maria Gertrud Cohaupt, die am Gertrudisplatz wohnten, mitgeteilt wurde. Sie wurde in einem Massengrab beigesetzt.

Deportation nach Theresienstadt

Drei weitere Stolpersteine werden am Seniorenheim Grullbad ins Pflaster eingesetzt. Sie erinnern an das Schicksal von Helene und Elfriede Sternberg sowie Eva Pander. Die drei Frauen wurden am 27. Juli 1942 als letzte Jüdinnen Recklinghausens in einem Krankenauto zum Bahnhof gebracht, von dort wurden sie ins KZ Theresienstadt deportiert. Eva Pander starb dort wenige Monate später; Elfriede Stemberg wurde zwei Jahre darauf in Auschwitz ermordet; das Todesdatum ihrer Mutter ist nicht bekannt.

Künstler Gunter Demnig ist Initiator

Seit 2015 wurden in der Stadt 13 Stolpersteine verlegt, an der Herner Straße, in der Altstadt und an der Bochumer Straße. Diese Form des Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus hatte die Politik vor vier Jahren beschlossen. Initiator der Stolpersteine ist der Kölner Künstler Gunter Demnig. Die erste quadratische Messingtafel hat er 1992 in Köln ins Pflaster eingearbeitet. Im Mai 2018 gab es rund 69.000 Steine; nicht nur in Deutschland, sondern auch in 23 weiteren europäischen Ländern.

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