Gericht

Angeklagter darf Weihnachten daheim feiern

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RECKLINGHAUSEN - Tränen der Freude flossen, als der Richter die Untersuchungshaft beendete. Ein mutmaßlicher Online-Betrüger aus Recklinghausen darf die Feiertage doch zu Hause verbringen. Eine Entscheidung, die für den Angeklagten wohl so etwas wie eine vorgezogene Bescherung ist.

Der 44-jährige Recklinghäuser ist von der weiteren Untersuchungshaft verschont worden. Kaum hatten die Richter am Bochumer Landgericht die Entscheidung verkündet, da flossen auch schon Tränen der Freude. Die Ehefrau des Angeklagten saß auf den Zuschauerplätzen und ließ ihren Gefühlen freien Lauf. Hintergrund der Haft-Entscheidung ist offenbar die Erkenntnis, dass der Angeklagte wohl doch kein durchtriebener Betrüger ist, der es einzig und allein auf das Geld seiner Kunden abgesehen hat.

Verteidiger Heinz-Hermann Mues: „Auch die anfänglichen Befürchtungen, dass er türmen könnte, haben sich inzwischen in Luft aufgelöst.“ Vor der 9. Strafkammer wurden inzwischen mehrere Lieferanten und zuletzt auch noch ein Banker gehört, die alle den Eindruck hatten, dass dem 44-Jährigen das Online-Geschäft einfach über den Kopf gewachsen ist. Indirekt hatte das auch schon seine Steuerberaterin bestätigt. Sie hatte sich seit 2013 durch Berge von Papier gekämpft und sich dabei immer wieder über das Chaos gewundert, dass ihr Vorgänger und der Angeklagte angerichtet haben.

Vor allem Handys seien oft unter dem Einkaufspreis weiterverkauft worden. Grundsätzlich – so erklärte die Steuerberaterin dem Gericht – habe sie aber nie den Eindruck gehabt, dass der 44-Jährige ein Betrüger sei. „Er wollte, dass alles ordentlich abläuft und da endlich Ordnung reinkommt“, sagte sie den Richtern. Angesicht der Vielzahl der Kunden, die Waren bestellt aber nicht erhalten haben, muss der Angeklagte natürlich trotzdem mit einer Verurteilung rechnen. Ob es am Ende noch für eine Bewährungsstrafe reicht, wird sich zeigen.

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