Gericht

"Geständnis" im Zwillinge-Prozess

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RECKLINGHAUSEN - Damit hat wohl niemand mehr gerechnet: Nach mehr als 25 Verhandlungstagen ist im Zwillinge-Prozess am Donnerstag überraschend eine Art „Geständnis-Brief“ der 19-jährigen Mutter verlesen worden. Wörtlich heißt es darin: „Ich habe meine eigenen Kinder fast umgebracht!“

Das handschriftlich verfasste Schreiben (sechs DIN-A4-Seiten) stammt laut Datum vom 26. Juni 2015. Das war rund ein Monat nach Bekanntwerden des Dramas um die Zwillingsbabys von der Hillerheide. Zugeleitet wurde der Brief den Richtern vorgestern über Verteidiger Jens Tuschhoff. Der wiederum hatte ihn am Montag nach einer Mitteilung von der Mutter des mitangeklagten Vaters (27) abgeholt. Überschrieben ist der Brief mit: „Hey Schwiegermama...“.

Unterm Strich nimmt die 19-jährige Angeklagte darin so gut wie alle Schuld auf sich. „Es tut mir alles so was von krass leid. Ich bin der schlechteste Mensch, den es auf dieser Welt gibt“, heißt es. Und weiter: „Mein Cookie wird es wohl nicht schaffen, mein Krümel ist in einer anderen Familie und mein Traummann im Knast.“

Dazu muss man wissen: Im Juni 2015 stand das Überleben eines der Babys ernsthaft auf der Kippe. Inzwischen steht fest, dass das Baby (heute 14 Monate) für immer schwer behindert bleiben wird.

Die Verletzungen der Säuglinge (Knochenbrüche, Schütteltrauma, Unterernährung) werden als Folge von brachialen Wutausbrüchen skizziert. „Ich sehe in meinem Kopf, dass ich die Kinder nicht gut behandelt habe. Meine Aggressionen gingen zu weit“, steht in dem Brief.

Die Eltern hätten sich häufig gefetzt, der Vater („Er war oft ein Klugscheißer, aber nie im Leben ein schlechter Papa“) sei daraufhin aus der Wohnung gerannt. Die Babys hätten geschrien, dann sei Folgendes passiert: „Ich werde von dem Geschrei aus meiner größer werdenden Wut geholt, füttere sie, gebe ihnen aber kaum Liebe dabei (...) Ich meckere, sie schreien und ich gehe sauer wieder zu ihnen.“

Die Erinnerung an die Misshandlungen wird im Brief als „verschwommen“ beschrieben. „Jedoch wissen wir beide das Ende“, heißt es vielsagend. Ob der Brief tatsächlich von der 19-Jährigen geschrieben worden ist, steht noch nicht sicher fest. Es scheint aber mehr als wahrscheinlich. Deutliches Indiz: Beim Verlesen durch Richterin Isabell Hoffmann rollten der Mutter regelrechte Tränenbäche die Wangen herunter. Ihr Verteidiger Edgar Fiebig will nun kurzfristig klären, ob doch noch eine Einlassung der 19-Jährigen erfolgt.

Fest steht: Das für Ende April anvisierte Prozessende ist durch die überraschende Entwicklung vom Tisch. Schweigt die Mutter im Prozess weiter, wollen die Richter ein Schrift-Gutachten einholen.

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